Spitzenspiel in Hoffenheim – wissenswerte Fußballgeschichte

Nach dem letztendlich souveränen 5:2-Pokalsieg in Augsburg treten die Bayern morgen Nachmittag als Bundesliga-Tabellenzweiter beim aktuellen Vierten in Hoffenheim an – ein Spitzenspiel. Auch wenn die TSG in 14 Bundesliga-Spielzeiten letztendlich noch nie bis zum Saisonende um die Meisterschaft mitspielen konnte, waren die Duelle gegen den Rekordmeister nicht selten während der Saison Spitzenspiele, darunter einige mit Erinnerungswert.

FC Bayern Total blickt auf die gemeinsame Historie

Obwohl die TSG aus Hoffenheim bereits 1899 gegründet worden war, etablierte sich der Verein erst vor anderthalb Jahrzehnten auf der deutschen Fußballlandkarte, als er von der damals noch drittklassigen Regionalliga  in die Bundesliga durchmarschierte (2006-2008). Die Pflichtspiel-Historie von FCB und TSG umfasst somit bislang lediglich 28 Bundesliga-Spiele und ein DFB-Pokalspiel (4:3 für Bayern im Februar 2020).

Die Bundesliga-Gesamtbilanz des FC Bayern gegen Hoffenheim ist mit 18 Siegen, sechs Unentschieden und vier Niederlagen bei einem Torverhältnis von 67:27 äußerst positiv; selbst die Auswärtsbilanz mit 7S – 4U – 3N und 23:15 Toren ist eindeutig pro FCB.

Allerdings resultieren sämtliche vier Niederlagen aus den letzten elf Bundesliga-Begegnungen bzw. 5 ½  Jahren. Die 1:4-Auswärtsniederlage am 2. BL-Spieltag der Saison 2020/21 war übrigens die einzige Pflichtspielniederlage der  „Super-Bayern“ im gesamten Kalenderjahr 2020. Die bislang einzige Heimniederlage stammt aus der Saison 2019/20: Am 5. Oktober 2019 unterlagen völlig uninspirierte Bayern den Hoffenheimern in der heimischen Arena mit 1:2 – und das nur drei Tage nach dem sensationellen 7:2-Auswärtssieg beim Champions League Finalisten der Vorsaison Tottenham Hotspur. Eine kleine Warnung in Richtung der 5:2-Sieger in Augsburg!

Blicken wir ein bisschen genauer auf die noch nicht allzu lange gemeinsame Fußball-Historie.

Welche Duelle der beiden Teams sind am stärksten in Erinnerung geblieben?

Das absolute Topspiel zwischen den beiden Vereinen fand ganz sicher bereits im allerersten Aufeinandertreffen statt: Am 5. Dezember 2008, es war das Freitagabendspiel des 16. Spieltags 2008/09, reiste die TSG Hoffenheim, damals von Ralf Rangnick trainiert, sensationell als Tabellenführer zum direkten Verfolger nach München.

Heute kaum mehr vorstellbar, gab es im Dezember 2008 eine kleine Invasion aus dem Kraichgau: Alle Auswärtstickets wurden beansprucht, aber auch im restlichen Stadion waren nicht gerade wenige TSG-Fans. Das Spiel selbst übertraf an Niveau und Intensität sogar die Erwartungen – es war so gut, dass nach dem Match unter den Fans die Wertung „eines Champions League Viertelfinales würdig“ gefällt wurde.

Hoffenheim ging kurz nach der Halbzeit durch seinen damaligen Goalgetter Vedad Ibisevic mit 1:0 in Führung und brachte die Bayern in den Folgeminuten in größte Verlegenheit.

Der Hype um Hoffenheim und Ibisevic war damals derart groß, dass einige Medien durch dessen grandiose Trefferquoten schon die Rekorde von Gerd Müller in Gefahr sahen. (Es kam jedoch anders: Ibisevic erlitt in der Winterpause einen Kreuzbandriss und erlangte nie wieder die Form dieser Halbserie). In „Zeiten eines Robert Lewandowski“ ist dies nun völlig in Vergessenheit geraten.

Ein sensationelles Tor von Philipp Lahm brachte die Bayern zurück ins Spiel und die Roten wollten anschließend unbedingt noch den Sieg: Angriff auf Angriff rollte auf das Tor von Hoffenheim. Als sich in der Nachspielzeit dennoch alle eigentlich schon mit dem Unentschieden abgefunden hatten, ließ sich Bayernkeeper Michael Rensing zunächst bei einem Abschlag unglaublich viel Zeit, was ein Großteil der eigenen Fans bereits mit Unmutsäußerungen begleitete. Rensings weiter Abschlag fand schließlich über Umwege Luca Toni und der machte mit seinem 2:1 die Arena zum Tollhaus.  

Am 10. März 2012 feierte der FC Bayern seinen bis heute höchsten Sieg gegen Hoffenheim: 7:1 hieß es am Ende! Mario Gomez (3), Arjen Robben (2), Franck Ribéry und Toni Kroos schossen bereits bis zur 58. Minute eine 7:0-Führung heraus! Der Ex-Hoffenheimer Luiz Gustavo hatte dann offensichtlich kurz vor Spielende noch Mitleid mit seinen Ex-Mannschaftskollegen und „verkürzte“ mit einem durchaus sehenswerten Eigentor auf 1:7.

Der in diesem Spiel extrem bedauernswerte Torwart auf Hoffenheimer Seite hieß übrigens Tom Starke und wechselte daraufhin wenige Monate später lieber zu den Bayern …

Am 29. März 2014 erwies sich die TSG beim 3:3 in München bei Pep´s Bayern als Spielverderber: Dieses unerwartete Unentschieden – nach zwischenzeitlicher 3:1-Führung der Bayern – beendete die FCB-Rekordserie von 19 Bundesligasiegen in Folge – immer noch Rekord für alle europäischen Topligen! Guardiola und Manchester City wie auch Klopp und Liverpool scheiterten knapp daran, diesen Rekord zu knacken.

Sehr spektakulär auch der 5:2-Sieg der Bayern am 27. Januar 2018 in der heimischen Arena Nach einer frühen 2:0-Gäste-Führung – Serge Gnabry erzielte den zweiten Treffer für die Kraichgauer – drehten die Bayern die Partie spektakulär: Lewandowski und Boateng egalisierten die Hoffenheimer Führung bis zur Pause, Coman, Vidal und Wagner in der 90. Minute sorgten für Jubelstimmung in der Arena.

Titelbild: Südkurven-Choreo vor dem Spiel – Erinnerungstag deutscher Fußball.

Der letzte Auswärtssieg der Bayern bei der TSG am 29. Februar 2020 bleibt (leider) weniger wegen des grandiosen 6:0 der Bayern als wegen der Fanprotestaktionen in der Bayernkurve gegen den DFB und Dietmar Hopp in Erinnerung. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch. Sind die damals beteiligten Hoffenheim-Profis ehrlich, müssten sie zugeben, dass dieses Szenario ihnen womöglich die erste zweistellige (Heim-)Niederlage der Vereinsgeschichte erspart hat: Nach dem 6:0 durch Leon Goretzka in der 62. Minute wurde eigentlich nicht mehr ernsthaft Fußball gespielt.

Das morgige Spiel

Beide Teams haben unter der Woche erfolgreich im Pokal gespielt, beide haben dabei fünf Tore geschossen. Wobei es die Hoffenheimer beim 5:1 gegen S04 am Dienstagabend wesentlich leichter als die Bayern einen Tag später in Augsburg hatten.

Beiden Mannschaften fehlen wichtige Spieler, bei den Bayern sind es u.a. Manuel Neuer, Lucas Hernández, Leroy Sané und Thomas Müller.

Nach der ernüchternden Schlussviertelstunde beim 2:2 in Dortmund sind die Bayern in den letzten drei Pflichtspielen so richtig in Torlaune gekommen: 4:2 in Pilsen (alle FCB-Tore in Halbzeit 1) – 5:0 gegen den SC Freiburg – 5:2 beim FCA. An diese Leistungen gilt es anzuknüpfen – dann steht auch morgen im Kraichgau einem weiteren Dreier auf der Jagd von Union Berlin nichts im Weg.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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