„One Love“-Debatte: Kahn kritisiert FIFA und verteidigt die Spieler

Der DFB hat gemeinsam mit neun anderen europäischen Verbänden vor der Weltmeisterschaft in Katar die „One Love“-Aktion ins Leben gerufen. Mit einer besonderen Kapitänsbinde wollte man bei diesem WM-Turnier ein Zeichen gegen Homophobie und Rassismus setzen und sich zeitgleich für Menschenrechte und Frauenrechte einsetzen. Es war bereits eine abgeschwächte Variante der bereits zu anderen Anlässen getragenen Regenbogenbinde. Trotzdem verbietet die FIFA den europäischen Teams – offenbar unter Androhung drastischer Strafen – die „One Love“-Kapitänsbinde zu verwenden. Grund: Die Binde würde als politisches Signal betrachtet.

Diese gescheiterte Aktion sorgt nun für viel Wirbel. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern Oliver Kahn hat sich nun dazu in einem Gespräch mit der BILD geäußert und die Spieler ausdrücklich in Schutz genommen, die FIFA dagegen kritisiert.

Er machte deutlich, dass er kein Verständnis für das kurzfristige FIFA-Verbot hat: „One Love‘ ist vor vielen Wochen vorgestellt und erklärt worden. Die FIFA hätte sich viel früher mit den nationalen Verbänden dazu kurzschließen können“.

Kahn weiter: „Ich wünsche mir allerdings, dass man die Wut über die Entscheidung jetzt nicht an den Spielern auslässt.“

Medien (Jochen Breyer gestern stundenlang im ZDF) und Fans werfen u.a. DFB-Kapitän Manuel Neuer vor, dass sich dieser nicht an sein eigenes Wort halten würde, weil er nicht dazu bereit sei, eine persönliche Strafe in Form einer Gelben Karte für das Tragen der Binde hinzunehmen. Die diffus in die Öffentlichkeit hinausgeblasenen Drohungen der FIFA ließen aber befürchten, dass es keineswegs bei dieser Strafe bleiben sollte.

Dazu gestern der Oranje-Kapitän Virgil van Dijk nach dem Spiel gegen den Senegal auf die Frage, ob er nicht darüber nachgedacht habe, die One Love-Binde trotz aller Widerstände zu tragen:

Nein! Ich bin ein Spieler, den man nicht mit einer Gelben Karte vorbelastet sehen will. Ich stehe für ein politisches Statement, aber ich bin ein Fußballspieler. Ich will diese Turniere spielen! … Die Leute sagen, ich sei ohne Rückgrat. Aber so ist es nicht. Wir wollen einfach nur Fußball spielen. Viele Meinungen? Das kann man nicht verhindern. Ich hätte mit der Armbinde gespielt – aber nicht, wenn ich mit Gelb bestraft werde.“

Absolut nachvollziehbare Aussagen eines Profi-Fußballers, der mit seinem Team auch für sein Land Weltmeister werden möchte.

Leider spaltet diese Diskussion unsere demokratischen Gesellschaften tief. Es scheint nur noch extreme Meinungen zu geben. Die einen wollen Sport und Politik kategorisch getrennt sehen, die anderen fordern von Sportlern in dieser Hinsicht mehr als von der Politik selbst, der Wirtschaft und letztendlich natürlich auch in Konsequenz von sich selbst.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: