Ausländische FCB-Torhüter: Darunter drei Vereinslegenden

Nach einem wohl für alle Seiten nervenaufreibenden Transferpoker ist der Schweizer Nationaltorhüter Yann Sommer seit gestern offiziell Spieler des FC Bayern. Er unterschrieb an der Säbener Straße einen Vertrag bis 2025, seine Vorfreude auf die Zeit beim deutschen Rekordmeister demonstrierte das Strahlen in seinem Gesicht eindrucksvoll. Die Erwartungen von Verein und Fans an den 34-Jährigen sind groß, er soll ein wichtiges Mosaiksteinchen bei der Gestaltung einer erfolgreichen Rückrunde – wenn möglich in allen drei Wettbewerben – sein. Er ist der dritte ausländische Torhüter des FCB in seiner 58. Bundesligasaison, aber auch zuvor hüteten schon bedeutende ausländische Keeper das Tor der Münchner.

Zehn Jahre nach der Gründung des FC Bayern am 27. Februar 1900 verpflichtete der Verein – er firmierte zu der Zeit als FA Bayern des MSC (Fußballabteilung Bayern des Münchner Sportclubs), Geschichts-interessierte FCB-Fans wissen, dass dies der Start der Rothosen war – den österreichischen Nationaltorhüter Karl Pekarna vom Lokalrivalen FC Wacker. Der deutsche Reichstrainer Dr. Otto Nerz (1926-36), der direkte Vorgänger des legendären Sepp Herberger, bezeichnete Pekarna als den „welt-)besten Torhüter seiner Zeit. Er galt auch als „der erste letzte Mann, der mit richtigem Torwartspiel, nämlich mit nicht nur effekt-, sondern auch wirkungsvollen Paraden zu begeistern wusste.“

Pekarna spielte 1910/11, 1913/14 und 1919/20 für die Bayern, er absolvierte bei diesen drei Engagements insgesamt 33 Pflichtspiele für die Rothosen und gehörte zur Mannschaft, die 1911 Bayerischer Meister wurde.

Von 1950-52 stand der in Prag geborene Ladislav Jirasek in der Oberliga Süd im Tor des FC Bayern. In seiner ersten Münchner Saison bestritt er 25 von 30 Ligaspielen, in seiner zweiten verlor er seinen Stammplatz und absolvierte nur ein einziges Oberliga-Spiel. Folgerichtig verließ er den Verein. Der gebürtige Tschechoslowake bestritt ein Länderspiel für das Saarland und wurde zur Torwartlegende bei Borussia Neunkirchen.

Legendär war die Episode des fünfmaligen ungarischen Nationalkeepers Arpad Fazekas von 1957 bis 1961 ebenfalls noch zu Oberliga-Zeiten beim FCB. Fazekas war zu Zeiten der ungarischen Wunderelf zweimal mit dem MTK Budapest (1951 und 1953) ungarischer Meister geworden und 1956 während des ungarischen Volksaufstandes nach Deutschland geflüchtet. Er spielte vier Jahre beim FCB und absolvierte exakt 100 Ligaspiele. Sein wichtigstes Match für den Verein spielte er gleich zu Beginn, er war Mitglied der Bayernmannschaft, die am 29. Dezember 1957 den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte holte.

Auf Schneeboden: der legendäre erste Pokalsieg des FC Bayern – FC Bayern Total

Bei der FCB-Wahl 2005 zur Jahrhundertelf landete er bei den Torhütern hinter Sepp Maier, Oliver Kahn, Raimond Aumann und Jean-Marie Pfaff auf dem fünften Platz.

Dies ist auch ein guter Übergang zum bisher wohl populärsten ausländischen Torhüter beim FCB, Jean-Marie Pfaff, welcher von 1982 bis 1988 das FCB-Tor hütete. Der belgische Nationaltorwart, bester Keeper der WM 1986 in Mexico, war nicht nur zwischen den Pfosten Weltklasse, auch als Sympathieträger erreichte er bei den Fans absolute Topwerte.

Mit dem FC Bayern wurde er von 1985 bis 1987 dreimal in Folge Deutscher Meister und 1984 (Elfmeterschießen gegen Gladbach) und 1986 Pokalsieger. Beim ersten verlorenen DFB-Pokalfinale der FCB-Geschichte 1985 gegen Bayer Uerdingen stand übrigens sein Erzrivale Aumann im Tor. Pfaffs schlimmste Niederlage im Bayerntrikot war wohl das Landesmeistercupfinale 1987 in Wien gegen den FC Porto (1:2).

Noch heutige ist der Jean-Marie gern gesehener Gast in der Allianz Arena oder an der Säbener Straße, aber auch in kleineren Münchner Fußballhallen 😉

Ein eher unglückliches Intermezzo als Ersatzmann von Manuel Neuer hatte der 36-fache spanische Nationaltorhüter Pepe Reina in der Saison 2014/15. Der Weltmeister von 2010 und Europameister von 2008 und 2012 (bis auf ein Spiel bei der EM 2008 allerdings als Ersatztormann hinter Iker Casillas) hatte seine beste Zeit von 2005 bis 2013 als Stammtorhüter beim FC Liverpool, die Spielzeit in München würde er wahrscheinlich lieber vergessen. Dreimal nur durfte er in der Bundesliga als Ersatz für den verletzten bzw. geschonten Neuer ran. Bei seinem dritten Einsatz beim Heimspiel gegen den FC Augsburg wurde er bereits in der 13. Minute wegen einer Notbremse vom Platz gestellt. Besonders bitter, denn eigentlich wollte Pep Guardiola zwischen den beiden CL-Halbfinalspielen gegen Barcelona möglichst viele Stammspieler schonen. Durch Reinas Lapsus ging diese Taktik völlig schief, die Bayern mussten fast das gesamte Spiel in Unterzahl agieren. Der (für Philipp Lahm) eingewechselte Neuer hielt an jenem 9. Mai 2015 zwar den von Pepe verursachten Elfmeter, war dann aber später beim 0:1 durch Bobadilla machtlos. Ein gebrauchter Tag für Pepe Reina, für den FCB.

Reina und der FC Bayern: Das passte schon historisch nicht. Pepes Vater Miguel Reina stand 1974 im Tor von Atlético Madrid, als der FC Bayern zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Europapokal der Landesmeister gewann (1:1 n.V.; 4:0).

Zum ersten Mal Europas Fußball-Könige – großartige FCB-Geschichte – FC Bayern Total

Und nun Yann Sommer: Hoffen wir, dass sich der Torhüter der Nati in die Reihe der Pekarnas, Fazekas und Pfaffs einordnen wird – was die (internationalen) Titel betrifft, können alle Drei aber gerne noch vom sympathischen Schweizer übertroffen werden.


Titelbild: Jean-Marie Pfaff wird von den FCB-Fans in der Südkurve nach dem UEFA-Pokal-Spiel gegen PAOK Saloniki am 2. November 1983 gefeiert. Es war das Rückspiel in der 2. Runde, beide Spiele endeten mit einem torlosen Unentschieden. Beim Stand von 8:8 im Elfmeterschießen hielt der Belgier zuerst den Schuss eines griechischen Spielers, um dann anschließend selbst das alles entscheidende 9:8 zu erzielen. Legendär!

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