FC Bayern – Saisonperspektiven

Selten traf im vergangenen Jahrzehnt der Begriff „Wundertüte“ auf eine Bayern-Mannschaft so sehr wie auf das aktuelle Team in der Hinrunde zu. Obwohl noch am 6. Bundesligaspieltag Tabellenführer drohte nach dem 14. Spieltag mit Platz 7 die schlechteste Vorrundenplatzierung nach gefühlten Fußball-Ewigkeiten. Gleichzeitig erzielten die Bayern mit 18 Punkten und 24:5 Toren einen neuen Champions League Vorrunden-Rekord. Keine der vielen Weltklassemannschaften war seit der Einführung dieses Wettbewerbs im Jahr 1992 besser als die Bayern von 2019.

Was kann man von den Bayern in der Rückrunde erwarten?

Definitiv eine Frage, die man nur mit einer Unmenge an Konjunktiven beantworten kann. Vieles davon habe ich bereits im meinem Blog nach dem 14. Bundesliga-Spieltag aufgearbeitet und beantwortet  Petersgradmesser – Situation nach dem 14. Spieltag

Wer den Beitrag nicht (noch einmal) lesen möchte, dem biete ich hiermit das Fazit des Beitrags vom 10. Dezember 2019 an:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Wenn die Bayernmannschaft in den verbleibenden 20 Spielen ihr Potential nur ansatzweise ausschöpft, sie von weiteren katastrophalen Verletzungen verschont bleibt, die Schiedsrichter-Teams sich wieder bewusst werden, dass sie eigentlich unparteiisch agieren sollen, dann ist die achte Meisterschaft in Folge immer noch möglich. Und der schon lange inexistente „Bayerndusel“ wäre dann sicherlich auch hilfreich!“

Mit den beiden späten Joker-Toren des 18-jährigen Joshua Zirkzee in Freiburg und gegen Wolfsburg sahen große Teile der Medien zumindest die letzte Voraussetzung („Bayerndusel“) schon wieder erfüllt. Kann man so, muss man aber nicht so sehen. 

Müssen die Bayern in der Winterpause auf dem Transfermarkt tätig werden?

Diese Frage kann ich dagegen nur mit einem ganz klaren JA beantworten. Wie schon nach Ablauf der turbulenten Sommertransferperiode 2019 bin ich immer noch der Meinung, dass der Kader dieser Saison besser als jener der Vorsaison 2018/19 ist.  Petersgradmesser – Einschätzung Kader 2019/20

Aber wie bereits seit dem Amtsantritt von Pep Guardiola am 1. Juli 2013 bin ich jedes Jahr und in dieser Saison noch mehr der Meinung, dass der Kader des FCB (viel) zu klein ist, vor allem in Hinblick auf die durchaus ambitionierten Ziele des Vereins. Natürlich würde nie jemand sagen: Wir müssen die Champions League gewinnen. Bei der Ausgeglichenheit dieses Wettbewerbs kann dies kein Top-Verein in Europa tun. Aber dass man jedes Jahr mit Sehnsucht Richtung Henkelpott blickt, kann keinem Bayernfan verborgen bleiben.

Das Titelbild zeigt den Bayernkader vom 17. Bundesligaspieltag, dem Heimspiel gegen Wolfsburg. (der Facebookseite des FCB entnommen) Wenn man einmal von der durchaus erfreulichen Perspektive „Die Jugend forscht“! absieht, dann ist das Angebot auf der Ersatzbank fast schon eine Bankrotterklärung des FC Bayern. Mit dem 19-jährigen Alphonso Davies, dem Shootingstar der Hinrunde, zählte das Bayernaufgebot gerade einmal 11 Feldspieler aus dem Profikader. Darunter der einzige Profi auf der Auswechselbank, Jerome Boateng, dem in den letzten Wochen jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen zu sein scheint. Als sich zu Beginn der zweiten Halbzeit Javi Martinez – leider auch noch schwerer – verletzt hatte, mussten die Bayern(fans) einige Schrecksekunden überstehen, bis der Weltmeister von 2014 einigermaßen auf Betriebstemperatur kam.

Dass Boateng den Verein nach dieser für ihn doch ziemlich verkorksten Hinrunde verlassen möchte und der FCB selbst gar nicht so abgeneigt scheint, ist absolut nachvollziehbar. Aber gerade auf der Innenverteidigerposition ist die Not am größten: Niklas Süle fällt mit seinem Kreuzbankriss wohl bis zum Saisonfinale aus, bei Lucas Hernández ist trotz seiner Trainingsfortschritte nicht abzusehen, wann er der Mannschaft wieder zur Verfügung steht. Martinez nun auch – länger – verletzt. Und bei aller Liebe zum FCB-Nachwuchs, den ich selbst seit Jahren intensiv verfolge: „Lasse“ Mai ist talentiert, aber längst noch nicht auf „FCB-Profi-Niveau“!

Der Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat Hansi Flick die Verantwortung übertragen, Neuzugänge in der Winterpause anzufordern. Man kann nur hoffen, dass der sympathische Hansi nun nicht zu bescheiden auftritt. Eine Aufstockung des Kaders um zwei bis drei „gestandene Spieler“ ist aus meiner Sicht völlig alternativlos.

Übrigens bin ich auf den Beitrag zur Kadereinschätzung von Anfang September 2019 durchaus ein bisschen stolz: Viele Dinge sind genauso eingetroffen, nicht zuletzt die Einordnung des „wertvollsten Neuzugangs“ Manuel Neuer.

Zur Verpflichtung des damaligen Co-Trainers Hansi Flick habe ich folgendes geschrieben:

„Übrigens wurde in diesem Sommer ein weiterer „Verantwortlicher“ verpflichtet, der insgesamt gar nicht so sehr im Fokus steht, aber eine ganz wichtige Rolle in der neuen Saison spielen könnte: Hansi Flick, der Ex-Bayernspieler und Jogis Co-Trainer beim WM-Triumph 2014, ist der neue Assistenztrainer von Niko Kovac. Flick ist ein gewiefter Taktiker und könnte eventuell auch eine entscheidende Rolle bei der Integration von Nachwuchskickern spielen, ob diese nun in den vergangen Monaten verpflichtet wurden oder schon längere Zeit auf dem Campus an der Ingolstädter Straße für den FCB kicken – Oliver Batista-Meier und Joshua Zirkzee wären entsprechende Kandidaten. Vielleicht ein weiteres entscheidendes Bausteinchen für eine erfolgreiche Saison?“

Fazit bzw. Ausblick

Schwierig, schwierig, schwierig …  In der Hinrunde musste man fast alle zwei Wochen die Saisonperspektiven revidieren, so inkonstant waren die Bayern, auch noch unter Flick. Und ist es mir noch einmal erlaubt, sämtliche Konjunktive und den Begriff „Wundertüte“ zu verwenden? Als generell positiver denkender Mensch sage ich jedoch einfach: Für die Bayern ist in dieser Saison definitiv noch ALLES drin – und dieses „Alles“ umfasst wirklich alle Titel. Aber dann muss einiges viel besser, aber auch glücklicher (vor allem bei den Verletzungen) laufen. Aber wenn nun in der Winterpause (neueste „Schreckensmeldung“: auch Serge Gnabry ist angeschlagen, Achillessehnenprobleme!) auf dem Transfermarkt nicht nachjustiert wird, sehe ich persönlich alle gesetzten Saisonziele, sprich nationale und internationale Titel, in weite Ferne rücken. Und das hat speziell national weniger mit der in dieser Saison durchaus beachtenswerten Konkurrenz zu tun!


PS: Auf den Social Media wurde ich mittlerweile für den Beitrag kritisiert, weil ich zwar Spielertransfers fordere, aber keine Namen nenne.

Darauf kann ich nur antworten, dass ich selbst nicht so vermessen bin zu behaupten, den Transfermarkt bestens zu kennen und einschätzen zu können. Natürlich wünscht man sich die (welt)besten Spieler beim eigenen Verein, wenn dieser FC Bayern heißt. Aber die Möglichkeiten, solche Klasseleute zu verpflichten, können nur die Verantwortlichen des Vereins, vor allem dessen Scoutingabteilung einschätzen.

Welche Spieler kommen überhaupt in Frage, wenn es sich um Wintertransfers handelt? Welche Spieler sind wechselwillig? Welche davon können den Bayern ad hoc weiter helfen?

Die meisten der besten Transfers des FCB in den letzten 12-15 Jahren waren übrigens solche, von welchen die Öffentlichkeit lange nichts mitbekommen hat … Diskretion ist angesagt – und ich hoffe und erwarte, dass die Verantwortlichen des FCB in den letzten Monaten ihre Hausaufgaben gemacht haben. Hudson Odoi, Sané & Co soll(t)en in Zukunft nicht mehr vorkommen…

Ich hoffe, dass diese Antwort die „Kritiker“ zufrieden stellt.

😉

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

11 Kommentare zu „FC Bayern – Saisonperspektiven

  1. Gute Zusammenfassung! Die Rückrunde wird auf jeden Fall spannend werden, nicht zuletzt wegen der vielen Überraschungen, die sich noch ergeben werden.

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  2. Wäre es mal eine Idee, Perisic als Aussenverteidiger zu testen? Er ist ja an sich Linksfuß, passt also nicht 100% auf die rechte Seite. Dann eben vielleicht links, Davies könnte dann zurück in den Sturm (und mit seinen „neuen“ Defensivqualitäten dem Gegner den Ball gleich dort abnehmen).

    Dieses Wintertransferfenster ist anders als die letzten Jahre. Spieler, die jetzt wechseln, können in der CL eingesetzt werden. D.h. alle CL-Clubs können Spieler holen, aber auch abgeben. Darum wird sich sehr wahrscheinlich noch etwas tun. Man sieht ja beim BVB, dass ein Verein, wenn er will, den Kader sogar ganz grundlegend verbessern kann.

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    1. Ganz ehrlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Perisic für hinten links eine Option ist. Diese Umstellung kommt zu spät, auch wenn er durchaus seine Defensivfähigkeiten hat.

      Ja, diese Änderung der Transferstatuten ergibt sicherlich noch mehr Möglichkeiten.

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  3. Erneut ein super Beitrag!

    Zum PS: Ja ja … die lieben immer alles besser wissenden Fans in den Social Media! Manchmal zum Fremdschämen, manchmal zum Schmunzeln … am besten ignorieren. Wenn man natürlich als Autor attackiert wird.

    Ich werde weiterhin Petersgradmesser treu bleiben, trotzdem hier vermehrt hereinschauen.

    Danke für deine Mühen.

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  4. Nach Hansi Flicks gestrigen Äußerungen – „Wir brauchen auf jeden Fall noch Verstärkung…Ich denke da an mindestens(!) zwei Spieler – auf jeden Fall einen für die Defensive und vielleicht auch für die offensive Außenbahn.“ – gewinnt dieser Beitrag noch einmal an Bedeutung!

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  5. Servus Peter,
    erstmal Glückwunsch zur neuen Seite, sieht klasse aus und dann kommentiere ich mal wunschgemäß hier anstatt zu mailen 🙂
    Zu Kovac / Flick: Ich habe Ende August mit unserem Azubi (totaler Bayernfan) gewettet, dass Kovac vor Weihnachten gehen muß. Wir haben den 12.12. als Stichtag gewählt weil es gut zu merken war UND weil der Wetteinsatz folgender war: Wer verliert, muß zur Weihnachtsfeier auf dem Tollwood mit einem !!selbstgekauften!! 60-er Fanschal auftauchen 🙂 Es gibt Fotos und den Kassenbeleg hab ich auch – mehr gibts dazu nicht zu sagen :))

    Zum Trainer: Ancelotti war für mich von Beginn an nicht überzeugend, Kovac auch nicht (guter Typ, aber Bayern halt nicht seine Kragenweite). Hatte sehr gehofft, dass Tuchel kommt, aber da hätte es sicher mit Hoeneß bald gescheppert. Florian sagte mir im Spätsommer, dass Mourinho angeblich schon deutsch lernt – ein Schock, war sehr erleichtert als ich hörte, dass Tottenham ihn sich „geschnappt“ hatte 🙂 Flick ist aus meiner Sicht derzeit eine der besten Optionen überhaupt.

    Zum Kader: …. naja, in der Tat etwas klein, wie die ganzen Jahre zuvor auch, da hast Du aus meiner Sicht völlig recht, daher verstehe ich auch nicht, wieso Thiago evtl. wechseln soll und Coutino überzeugt mich auch noch nicht so wirklich. Ich hoffe auch dass der Verein so schlau ist, Boateng im Winter nicht abzugeben.

    Guten Start ins neue Jahr und weiter so mit Deiner neuen Internetseite!

    Schöne Grüße, Matthias

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  6. Vielen Dank für den Tipp auf Facebook!

    In der Tat sehr interessant gerade so einen Beitrag noch einmal nach der Saison zu lesen …

    Mit vielem hattest du wieder einmal recht 🙂

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