Pokalhit FC Bayern gegen TSG Hoffenheim – Historie und Einschätzung

Obwohl die TSG aus Hoffenheim bereits 1899 gegründet worden war, erschien der Verein erst vor anderthalb Jahrzehnten so richtig auf der Fußballlandkarte, als er von der Regionalliga  in die Bundesliga durchmarschierte (2006-2008). Die Spiel-Historie des FCB mit der TSG umfasst somit bislang lediglich 23 Bundesliga-Spiele, ein DFB-Pokalspiel gab es bislang noch nicht zwischen den beiden Vereinen.

Die Gesamtbilanz des FC Bayern gegen Hoffenheim ist mit 15 Siegen, fünf Unentschieden und nur drei Niederlagen bei einem Torverhältnis von 51:21 äußerst positiv; die Heimbilanz mit 9S – 2U-1N und 36:11 Toren naturgemäß noch besser.

Allerdings resultieren sämtliche drei Niederlagen aus den letzten sechs Begegnungen: Drei Siege – drei Niederlagen – 12:9 Tore. Und die einzige Heimniederlage ist gerade einmal vier Monate alt: Am 5. Oktober 2019 unterlagen völlig uninspirierte Bayern den Hoffenheimern in der heimischen Arena mit 1:2 – und das nur drei Tage nach dem sensationellen 7:2-Auswärtssieg beim letztjährigen Champions League Finalisten Tottenham!

Vor dem Spiel im Oktober 2019 noch gute Stimmung in der Südkurve

Und noch ein „Achtung FC Bayern!“ – auch im Herbst ging man als frischgebackener Bundesliga-Tabellenführer in die Partie! Dass man die Hoffenheimer wie am 7. Bundesliga-Spieltag, als diese weit unten in der Tabelle standen, auch dieses Mal nicht ernst nehmen wird, sollte bei einem DFB-Pokal-Achtelfinale nahezu ausgeschlossen sein. Hansi Flick und der Titelhunger der Mannschaft sollten das verhindern können.

Kramen wir ein bisschen in der noch nicht allzu langen gemeinsamen Fußball-Historie – Welche Duelle der beiden Teams sind am stärksten in Erinnerung geblieben?

DAS Topspiel zwischen den beiden Vereinen fand ganz sicher bereits im allerersten Aufeinandertreffen statt: Am 5. Dezember 2008, es war das Freitagabendspiel des 16. Spieltags 2008/09, reiste Hoffenheim, damals von Ralf Rangnick trainiert, sensationell als Tabellenführer zum direkten Verfolger nach München.

Heute kaum mehr vorstellbar gab es im Dezember 2008 eine kleine Invasion aus Hoffenheim: Alle Auswärtstickets wurden beansprucht, aber auch im restlichen Stadion waren nicht gerade wenige TSG-Fans. Das Spiel selbst übertraf an Niveau und Intensität sogar die Erwartungen – es war so gut, dass wir auf dem Nachhauseweg das Spielurteil „eines Champions League Viertelfinales würdig“ fällten.

Hoffenheim ging durch seinen damaligen Goalgetter Vedad Ibisevic kurz nach der Halbzeit mit 1:0 in Führung und brachte die Bayern in den Folgeminuten in größte Verlegenheit. Übrigens war der Hype um Hoffenheim und Ibisevic damals derart groß, dass einige Medien durch dessen grandiose Trefferquoten schon die Rekorde von Gerd Müller in Gefahr sahen. (Es kam jedoch anders: Ibisevic erlitt in der Winterpause einen Kreuzbandriss und erlangte nie wieder die Form dieser Halbserie).

Ein sensationelles Tor von Philipp Lahm brachte die Bayern zurück ins Spiel und die Roten wollten anschließend unbedingt noch den Sieg: Angriff auf Angriff rollte auf das Tor von Hoffenheim. Als sich alle eigentlich schon mit dem Unentschieden abgefunden hatten, ließ sich Bayernkeeper Michael Rensing zunächst bei einem Abschlag in der Nachspielzeit unglaublich viel Zeit, was ein Großteil der eigenen Fans bereits mit Unmutsäußerungen begleitete. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Rensings weiter Abschlag fand über Umwege Luca Toni und der machte mit seinem 2:1 die Arena zum Tollhaus.  

Hier die ca. 8-minütige Zusammenfassung dieses Spiels auf der FCB-HP

Am 10. März 2012 feierte der FC Bayern seinen bis heute höchsten Sieg gegen Hoffenheim: 7:1 hieß es am Ende! Mario Gomez (3), Arjen Robben (2), Franck Ribéry und Toni Kroos schossen bereits bis zur 58. Minute eine 7:0-Führung heraus! Der Ex-Hoffenheimer Luiz Gustavo hatte dann offensichtlich kurz vor Spielende noch Mitleid mit seinen Ex-Mannschaftskollegen und „verkürzte“ mit einem durchaus sehenswerten Eigentor auf 1:7.

Der in diesem Spiel extrem bedauernswerte Torwart auf Hoffenheimer Seite hieß übrigens Tom Starke und wechselte daraufhin wenige Monate später lieber zu den Bayern …

Dieses 7:1 war auch der Auftakt zu der wohl „torhungrigsten Woche“ des FCB in seiner Profi-Pflichtspiel-Historie. Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League wurde der FC Basel (mit Shaqiri) mit 7:0 pulverisiert und eine Woche später die Hertha im eigenen Stadion mit 6:0 gedemütigt – „Schnick-schnack-schnuck.“ 😉

Am 29. März 2014 erwies sich die TSG beim 3:3 in München bei Pep´s Bayern als Spielverderber: Dieses unerwartete Unentschieden – nach zwischenzeitlicher 3:1-Führung der Bayern – beendete eine FCB-Serie von 19 Bundesligasiegen in Folge. Trotzdem ist jene Siegesserie noch immer der Rekordwert für alle „europäischen Topligen“. Guardiola scheiterte vor Kurzem mit seinem neuen Verein Manchester City daran, diesen Rekord zu knacken: Bei 18 Siegen riss die Serie der Citizens in der Premier League. Und aktuell hat der FC Liverpool bereits 16 Siege in Folge aufzuweisen

Noch bedauerlicher als das Beenden der Rekordserie war beim 3:3 jedoch das rustikale Einsteigen des Ex-Löwen und damaligen Hoffenheimers Kevin Volland gegen Thiago: Die anschließende schwere Verletzung des spanisch-bayerischen Spiritus Rectors beendete letztendlich viele Hoffnungen und Chancen der Saison 2013/14.

Sehr spektakulär auch der 5:2-Sieg der Bayern am 27. Januar 2018 in der heimischen Arena (Das Titelbild aus der Südkurve vom damaligen Erinnerungstag im deutschen Fußball stammt aus dieser Begegnung): Nach einer frühen 2:0-Gäste-Führung – Serge Gnabry erzielte den zweiten Treffer für die Kraichgauer – drehten die Bayern die Partie spektakulär: Lewandowski und Boateng egalisierten die Hoffenheimer Führung bis zur Pause, Coman, Vidal und Wagner in der 90. Minute sorgten für Jubelstimmung in der Arena.

Apropos sehr späte Bayerntore gegen Hoffenheim: In sechs von 23 Partien schossen die Bayern gegen die TSG Tore in der 90. Minute und später:

5. Dezember 2008: Luca Toni zum 2:1

21. September 2010: Daniel van Buyten zum 2:1 in Hoffenheim

18. April 2015: Becks Eigentor bedeutete den 2:0-Endstand in Hoffenheim

22. August 2015: Robert Lewandowski zum 2:1 in Hoffenheim

27. Januar 2018: Sandro Wagner zum 5:2

24. August 2018: Arjen Robben zum 3:1 im Saison-Eröffnungsspiel

Weitere sieben Tore erzielten die Bayern zwischen der 81. und 90. Minute: Somit fielen insgesamt mehr als ein Viertel der Bayern-Tore gegen die TSG nach der 80. Minute – durchaus bemerkenswert!

Dagegen zählen die Kraichgauer gegen die Bayern zu den Schnellstartern: Sowohl am 21. September 2010 als auch am 22. August 2015 gingen sie sogar bereits in der ersten Spielminute in Führung. Genutzt hat es bekanntermaßen wenig, weil eben in beiden Spielen den Bayern Last-Minute-Siegtreffer gelangen!

Die Top-Torschützen der Bayern gegen Hoffenheim: Lewandowski (wer sonst?!) mit acht Toren, Robben (6), Müller und Gomez (je 5), Ribéry (4).

Die Einschätzung zum Pokal-Spiel morgen:

Sollten die Bayern ähnlich konzentriert und konsequent wie in den bisherigen Bundesliga-Partien im Jahr 2020 zu Werke gehen, dann sollte einem Weiterkommen ins Pokal-Viertelfinale nichts im Weg stehen. Hoffenheim hat hoffentlich bei seinen zuletzt doch sehr schmeichelhaften Bundesligasiegen sein aktuelles Quantum Glück aufgebraucht.

Spannend wird auch die Aufstellung von Flick sein: Wird – auch in Anbetracht des anstehenden Spitzenspiels gegen RB Leipzig – etwas rotiert oder beginnt er wieder mit denselben 11 Spielern wie gegen Schalke und in Mainz?

Tipp FC Bayern Total: 2:0 für den deutschen Rekordmeister und –pokalsieger!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

7 Kommentare zu „Pokalhit FC Bayern gegen TSG Hoffenheim – Historie und Einschätzung

  1. Schöner Bericht mit vielen Details! Eine kleine Zusatzinfo/Randnotiz möchte ich mir dennoch erlauben…… 😉
    Auch die Bayern-Amateure waren in der RL Süd „damals“ tatsächlich 12x gegen die TSG im Einsatz und erlaubten sich dabei nur eine Niederlage (05/06 mit 0.1). Trainer in Hoffenheim damals? Hans-Dieter Flick……..

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    1. Schöner Beitrag, klasse Zusatzinfo 😉

      Zwischen Bayern und Hoffenheim ist ja auch in den letzten Jahren so einiges gelaufen: Leihen Alaba und Gnabry, Starke, Gustavo, Rudy und Süle zu Bayern. Hat nicht der Niki Süle auch schon einmal in ganz jungen Jahren gegen Bayern getroffen?

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  2. Thema „hartes Einsteigen“. Es sind leider gerade die Vereine wie Hoffenheim, die vermeintlichen Underdogs (und oft auch die Aufsteiger), die bei Schiedsrichtern einen Extrabonus haben. Gerade so ein Pokalspiel ist da nicht ungefährlich. Ganz Deutschland schaut zu, und kein Schiedsrichter will sich dem „Vorwurf“ aussetzen, bei ihm gäbe es einen „Bayernbonus“ ..

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    1. Mal bitte den Teufel nicht an die Wand, Wipf!!

      Die Hoffenheimer „Übeltäter“ der letzten Jahre spielen aber (für morgen Abend Gott-sei-Dank!) nicht mehr im Kraichgau: Volland (mit Eishockeyvater und Löwen-Vergangenheit!) in Leverkusen und Schulz (Coman!!) bei Dortmund.

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      1. Da war ich wohl auf dem falschen Dampfer – es gibt ja inzwischen den VAR – der hilft genug, hartes Einsteigen ist nun unnötig.

        Wann gab es eigentlich die letzte VAR-Entscheidung pro Bayern?

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      2. Die letzte VAR-Entscheidung pro Bayern?

        Eigentlich sollte man diese immer sehr schnell parat haben, weil es pro Saison immer max. eine pro Bayern (bei gefühlten 50 gegen FCB) gibt …

        War es die Elfmeter-Entscheidung am ersten Spieltag gegen Hertha, als Linienrichter und SR – unverständlicherweise – ein klarstes Foul an Lewandowski „übersehen“ haben?

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