Das Südkurvenbladdl – sehr süffisant zum Pokalsieg auf Schalke

So, kaum hatte man mit zwei Spruchbändern für 48 Stunden mal Corona und das menschliche Leiden an Europas Grenzen aus dem Zentrum des Medieninteresses verdrängt, stand auch schon wieder die Fahrt nach Schalke an. An Pokalspiele bei den Knappen haben wir ja eigentlich recht gute Erinnerungen, gerade Arjen Robbens Siegtreffer in der Verlängerung im Halbfinale 2010 dürfte vielen Bayernfans tief im Gedächtnis geblieben sein.

Vor Ort war heute alles recht entspannt. Redebedarf hatten sicherlich einige Leute. Finden wir ja aber auch gut, wenn jemand zu uns kommt und es einen Austausch über Positionen gibt. Einen Bedarf anderer Art hatte der Ordnungsdienst oder zumindest einzelne Ordner, die wohl ihre Anweisungen ganz genau umsetzen wollten. T-Shirt bis zur Brust hochziehen, damit man den Bauch sieht und anschließend die Schrift auf dem T-Shirt kontrollieren. Hatten wir in der Form auch noch nicht gehabt, fanden wir grade bei dem Regenwetter aber wenig prickelnd. Das ist dann schon etwas übertriebene Panikmache, denn selbst wenn wir nochmal ein Spruchband gehabt hätten, wäre davon sicherlich nicht die Gesundheit auch nur eines Zuschauers bedroht worden. 

Spruchbänder gab es heute aber nur auf Seite der Gastgeber und ziemlich gute noch dazu. Sowohl die Ultras Gelsenkirchen in der Nordkurve als auch die Gruppen in Block I griffen, die Debatten der letzten beiden Wochen auf. Sie sparten nicht an Kritik am eigenen Verein. Hielten dem Vorstand seine wenig durchdachten Schnellschüsse ob der Medienhysterie und auch Falschaussagen vor. So hatten die Schalker Offiziellen gegenüber Medienvertretern über Gespräche mit der Fanszene zu dem Thema berichtet. Die Gespräche gab es wohl aber nie. Ebenso wenig hat man mit jemand anderem im Verein gesprochen. Mit Clemens Tönnies hätten die Knappen da ja jemand, der sich zu streitbaren Äußerungen auch einfach etwas zurückhalten könnte, anstatt der Bild ein „menschenverachtend“ in den Notizblock zu diktieren. Auch die Vertreter des „Dementen Fußball Bundes“, die eben ihr eigenes Wort nicht halten konnten oder wollten, jetzt aber versuchen mit der völlig absurden Idee des Spielabbruchs die Fanszenen unter Druck zu setzen. Nur mal so als Tipp, ein Spielabbruch hilft nicht gegen Beleidigungen und auch nix gegen Rassismus. Aber ihr habt ja auch schnell selbst gemerkt, dass ein paar raue Worte nicht gleich Grund für den Einsatz eines Ein- oder Drei-Stufen-Plans sind. Zumindest wenn sie „situativ und situationsbedingt“ fallen. Die Situation war in diesem Fall wohl, dass Bayern gegen Schalke spielte. Aber okay, wenn die Grundbedingung dafür, unfreundliche Worte in einem Fußballstadion zu benutzen, einfach die tatsächliche Durchführung eines Fußballspiels ist, dann kommen wir da sicher irgendwann zusammen. 

Bis dahin müssen sich die Verbände aber noch Kritik gefallen lassen. Den Einsatz zu einem gemeinsamen „Scheiß DFB“ Wechselgesang mit den Schalkern verpassten wir leider, da musste man uns später erst drauf hinweisen. Der Grund ist aber ein positiver, denn der Gästeblock hatte heute richtig Laune und war sowohl auf den Steh- als auch auf den Sitzplätzen sangesfreudig. 120 Jahre FCB, die Konstante, Klassiker, kurze Schlachtrufe – beim ganzen Repertoire zog der Gästeblock an einem Strang. Natürlich mal etwas lauter und mal etwas leiser, aber das war schon echt eine überraschend gute Beteiligung. In der zweiten Hälfte war zwar irgendwann mal die Luft raus und wahrscheinlich hatten auch viele Bayernfans Angst, dass wir uns doch nochmal einen Konter einfahren, aber das gehört halt zu Fußballstimmung auch dazu.

Das Spiel selbst war dabei eher eines für die Taktikfüchse. Wenn eine Mannschaft tief in der eigenen Hälfte ein 4-5-1 Bollwerk aufbaut, dann ergibt sich meistens nicht, was wir Otto-Normal-Fans unter einem attraktiven Spiel verstehen.  Da wir am Ende im Gegensatz zu den Schalkern den Ball aber einmal über die Torlinie gebracht hatten, hat man als Bayernfan auch nicht viel zu meckern. Nach dem wann und wie frägt in Berlin beim Endspiel keiner mehr. Haben wir ja letzte Saison schon gemerkt.

Die letzten Gesänge galten dementsprechend auch dem Pokalfinale, bevor es auf fast direktem Wege wieder nach Hause ging.

Ein Dank geht raus an die Freunde aus Bochum, Jena und Hamburg, die sich auch unter der Woche von einer Reise nach Gelsenkirchen nicht abhalten ließen.

Die Bilder vom Pokalspiel sind in Kürze auf suedkurve-muenchen.org zu finden.


Anmerkung FC Bayern Total: Eigenartigerweise üben fast alle Fanszenen – häufig absolut zurecht – Kritik am Gebahren der eigenen Funktionäre. Eine Ausnahme scheint dabei der Anhang des BVB zu bilden. Obwohl sich die deutsche Fanszene in der „Causa Hopp“ mit den BVB-Fans solidarisiert hat, hat diese „wenig zurückgegeben“ und in Dortmund gilt offensichtlich, dass die eigenen Top-Funktionäre als heilige Kühe betrachtet werden und nicht einmal kurz nach Fasching eine rote Pappnase bekommen … Sollte man sich merken!

Veröffentlicht von gastautorfcbtotal

Gastautoren von FC Bayern Total

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