(Profi-)Fußball – wie es weiter gehen könnte

In der aktuellen Spiel-freien Zeit befassen sich sehr viele Fußball-Funktionäre und die Medien mit zunehmender Häufigkeit mit der Frage, wann und wie der Spielbetrieb der Profiligen weiter laufen könnte bzw. sollte. Vor allem der Zeitpunkt ist derzeit rein spekulativ und wird kein Thema in diesem Beitrag sein: Hoffentlich wird dieser durch ein maximales Verantwortungsbewusstsein der Entscheidungsträger geprägt. Über das „Wie es weiter gehen könnte“, kann man aber durchaus schon jetzt diskutieren.

Auf die Gefahr hin sich zu wiederholen: Auch das „Wie“ sollte von maximalem solidarischem Verantwortungsbewusstsein bestimmt werden. Solidarisch wird hier minimal als „europäischer Rahmen“ ausgelegt. Zumindest die Landesverbände der UEFA müssen sich auf eine sinnvolle weitestgehend gerechte Lösung für alle Länder und deren Ligen einigen.

Wann immer der Tag X für den Re-Start – zur Rettung – des Profifußballs gekommen sein wird, er wird wohl leider ohne Fans in den Stadien beginnen müssen. Das ist nur vernünftig.

Und sinnvoll und verantwortungsvoll erscheint auch die Lösung, dass es zur Risikoeindämmung zunächst nur Spiele der nationalen Wettbewerbe geben sollte – die nationalen Meisterschaften und Pokalwettbewerbe sollten zuerst gespielt werden und auch beendet werden, bevor die internationalen (Europapokal) Wettbewerbe wieder aufgenommen werden. Ob diese dann ab dem Viertelfinale wie gewohnt in Hin- und Rückspiel oder nur in einem Spiel an einem neutralen Ort oder wie im DFB-Pokal nach Losverfahren im Stadion eines der beiden Vereine stattfinden, erscheint aktuell zweitrangig. Der große Heimvorteil verschwindet durch den Umstand der drohenden „Geisterspiele“ sowieso.

Aktuell spielen in den beiden Europapokal-Wettbewerben noch 28 Vereine aus 12 verschiedenen Ländern um die beiden Trophäen. D.h. die anderen 43 Landesverbände (die UEFA hat insgesamt 55) könnten sich mit dem Saisonende noch mehr Zeit lassen.

Die aktuelle UEFA-5-Jahres-Tabelle: Diese zeigt auch, welche Verbände noch mit wie vielen Vereinen vertreten sind.

Ein weitergehender Vorschlag wäre, dass die Saison 2020/21 in allen Profi-Ligen (fast) ohne Sommerpause direkt im Anschluss an das noch laufende bzw. gerade ausgesetzte Spieljahr beginnen soll.

Für die noch international beteiligten (großen bzw. größeren) Ligen würde das konkret heißen, dass die Saison 2019/20 abgeschlossen wird und während die international vertretenen Vereine noch spielen, bleiben die anderen Teams im Trainingsbetrieb. Ein bis zwei Wochen nach dem Champions League Finale beginnt der Spielbetrieb der nationalen Ligen. Auch das ist natürlich keine hundertprozentig gerechte Lösung, aber eine durchaus überdenkenswerte.

Je nachdem wie spät man mit dem Fußball wieder beginnen kann, sollte man sich einen adäquaten Modus für die Europapokalwettbewerbe vor allem hinsichtlich der langen Qualifikationsrunden, die sonst immer früh im Sommer beginnen, überlegen und dabei auch flexibel bleiben. Vielleicht kehrt man für ein Jahr auch wieder zum alten Europapokal-Modus – ausschließlich KO-Duelle, keine Gruppenphase – zurück. Stichwort: Solidarität mit den Kleinen. Denn für die „Großen“ im Geschäft bedeutet dies natürlich weitere (TV-)Einnahmeverluste.

Wenn man ganz flexibel ist, könnte man vielleicht bereits im Sommer 2020 eine Spielplan-Anpassung an die unsägliche Winter-WM 2022 in Katar überdenken. Dieses Gedankenspiel erscheint aber vielleicht ein bisschen utopisch 😉

Ein weiteres gesellschaftlich wesentlich wichtigeres Thema als es sich viele vorstellen können, ist der Re-Start aller Amateur-Fußball-Ligen. Dieser dürfte noch wesentlich später stattfinden – ein Drama mit unzähligen Akten.


Titelbild: Eine rappelvolle Südkurve in der Allianz Arena. Was können wir uns wieder über eine solche freuen?


Update 12.04.2020

Der UEFA scheint die Idee von FC Bayern Total zu gefallen 😉

Fußball.news – Medien: 3 Wochen CL und EL im August?

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

11 Kommentare zu „(Profi-)Fußball – wie es weiter gehen könnte

  1. Laut denken anstatt zu spekulieren! Vielen Dank dafür!

    Ja, du hast recht: die nationalen Ligen müssen auf jeden Fall den Vorrang bekommen. Und ich bin gerne bereit auch etwas länger zu warten, wenn das bedeuten würde, keine „Geisterspiele“ machen zu müssen, Dieses vor Allem auch deshalb, damit die kleineren Vereine nicht um die Zuschauereinnahmen gebracht werden.
    Die internationalen Wettbewerbe sind primär prestigeträchtig und sollten deshalb dem Ligafussball untergeordnet werden.

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  2. Ich bin komplett bei dir, was Spekulationen etc angeht. Niemand kann aktuell verlässlich sagen, wann es a) wieder möglich ist, Profifußball bzw. generell Fußballspiele auszutragen, und b) wieder Fans in Stadien dürfen. Ich bin auch noch dabei, wenn man sagt, dass das Kerngeschäft, die nationalen Ligen, Vorrang genießen müssen und, auch wenns mir als leidenschaftlichen Stadionbesucher nicht so sehr gefallen würde, bei den aktuell auf dem Spiel stehenden Summen notfalls als Geisterspiele durchgeführt werden. (Nebenbei bemerkt: Herrn Rummenigge dürften diese Spiele ohne lästige Störenfriede ja dann super gefallen oder etwa doch nicht? 😉 )
    Wo ich allerdings eine andere Meinung vertrete, ist die Forderung, notfalls die Sommerpause zu streichen. Diese ist weder der Gesundheit der Spieler und somit der Attraktivität der Spiele noch der Fairness im Wettbewerb der nationalen Ligen förderlich. In einem solchen Fall wären alle Mannschaften, die international spielen, ja doppelt gestraft, da sie zum einen eine Mehrbelastung haben und zum anderen einen möglichen neuen Kader bis zum Saisonbeginn nicht einspielen/ zusammen trainieren lassen können.
    Ebenso finde ich nicht, dass man die internationalen Wettbewerbe wirklich um jeden Preis durchdrücken muss. Ein Blick auf die aktuelle Lage in der Welt zeigt, wie schlimm gerade in den im Europapokal verbliebenen Ländern die Opferzahlen des Corona Virus sind. Da haben alle Leute gerade andere Sorgen als Fußball.
    Auch wenn die nationalen Ligen (und vlt auch der Europapokal) fertig gespielt werden sollten, es wird in jedem Fall eine Meisterschaft sein, auf die niemand wirklich stolz sein kann bzw die niemand wirklich feiern kann/will/wird.

    Liken

    1. Ich schließe mich da viel eher der Meinung des Ursprungsbeitrags an.

      Die Spiele werden frühestens irgendwann im Mai, eher im Juni wieder aufgenommen werden können. Bis dahin haben die Spieler dann mindestens 3 Monate Spielpause. Diese ist zwar nicht mit Urlaub und Sommerpause gleichzusetzen, aber der Körper kann sich nun extrem erholen. Es existiert ja aktuell nicht mal eine Verletzungsgefahr im Training 😉

      Beispiel FC Bayern: Im besten Fall stehen noch 11 nationale Spiele an (10 mind.) und 1-6 internationale (je nach Modus und Erfolg). Nach ca. 15 Spielen wieder eine längere Sommer- oder in 2020 sogar Herbstpause? NEIN! Quatsch!

      Und gerade in den geraden Jahren (EM; WM) haben doch die wenigsten Vereine unter gleichen sprich fairen Bedingungen die Saison gestartet!

      KEINE Sommerpause macht in 2020 absolut Sinn!

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    2. @ Derbysieger: Ja, das ist auch die Ansicht des Autors.

      Du gibst das Beispiel der bislang erfolgreichen Bayern an. Ein Blick nach Dortmund: Noch 9 BL-Spiele und kein Pokalspiel mehr. Bedeutet: Kurze Wiederaufnahme der Spiele und dann schon wieder „Sommerpause“?! Macht wenig Sinn!

      @Chrish98
      Mit den Sommertransfers 2020 ist das natürlich ein „kleines Problem“, aber auch völlig unabhängig von den zwei Dutzend noch international tätigen Vereinen – die sich ja auch schnell zu insgesamt 16 und dann 8 Mannschaften reduzieren werden…

      Und ist es wirklich eine „Bestrafung“, wenn man die Mehrfachbelastung durch Pokal- und internationale Spiele hat? Eher das Gegenteil!

      Im FC Bayern Total Beitrag steht auch nichts davon, dass man die internationalen Wettbewerbe „durchdrücken muss“. Wenn nicht machbar, dann nicht machbar. Und dann wird es sehr pragmatisch (wenn alle damit einverstanden sind): In extrem betroffenen Ländern wie Spanien, Italien, etc. dürfen dann eben keine Spiele mehr stattfinden: Dann kommt der „ein-Spiel-Plan“ in jeder Runde zur Anwendung – und wohl auch dies als „Geisterspiel-Wettbewerb“.

      Wenn man eine Meisterschaft, einen Pokal gewinnt, gibt es immer etwas zu feiern – vielleicht in 2020 auf eine andere dezentere(?) Art und Weise als zuvor. Und warum man auf so einen Titel (ist ja trotzdem ehrlich errungen) nicht stolz sein kann, musst du erst noch erklären!

      Gefällt 1 Person

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