Statement Club Nr. 12 zur angedachten Fortsetzung der Bundesliga-Saison mit Geisterspielen

Servus zusammen,

nach den neuesten Entwicklungen möchten nun auch wir als Dachverband der aktiven Bayernfans zur derzeitigen Situation – insbesondere den möglicherweise bevorstehenden Geisterspielen – Stellung beziehen.

Aktuell gehen wir davon aus, dass die Verbände – und zumindest einige Landesregierungen -versuchen werden, ab ca. Mitte Mai wieder Bundesligaspiele zu erlauben. Diese würden dann ohne Fans im Stadion stattfinden und nur für den TV-Zuschauer produziert werden.

Wir lehnen diese Idee weiterhin ab.

Die Gründe für diese Position möchten wir im Folgenden deutlich machen – auch im Hinblick auf das an uns gerichtete Feedback zur Stellungnahme der Fanszenen Deutschlands, die wir in der letzten Woche veröffentlicht haben.

Der Club Nr. 12 versteht sich als unabhängiger Zusammenschluss der aktiven Fans des Fußball-Club Bayern München e.V.

Der Fußball lebt von Emotion, Stimmung und Spannung. Uns ist das Stadionerlebnis, die Unterstützung der Mannschaft, das Zusammensein absolut wichtig. Spiele ohne Fans sind für uns nicht vorstellbar. Selbst Deniz Aytekin, bekanntermaßen Schiedsrichter des bisher einzigen Bundesliga-Geisterspiels Mönchengladbach – Köln, gab nach dem Spiel zu Protokoll: „Es ist wirklich einfach beängstigend und irgendwie hat es mit Fußball auch nichts zu tun.“

Uns ist natürlich auch klar – und das haben wir von Anfang an deutlich vertreten, dass Spiele mit Zuschauern in der aktuellen Zeit nicht möglich, ja sogar verantwortungslos sind.

Nun kann man die Frage stellen, ob es nicht besser sei, Geisterspiele stattfinden zu lassen als gar keinen Fußball zu spielen. Auch innerhalb des Club Nr. 12 wurde das natürlich diskutiert. Denn auch uns geht es – bei allen Differenzen – immer um das Wohl unseres Vereins und unsere Liebe zum Fußball.

Beidem ist aber mit Geisterspielen nicht geholfen.

Es wurde in den letzten Tagen viel über die ominösen 20.000 Tests für die Bundesligaspieler diskutiert. Nun sind wir natürlich keine Virologen. Wir können nicht abschließend beurteilen, ob die rechnerischen Testkapazitäten ausreichen oder nicht.

Für uns ist dabei aber die moralische Frage entscheidender. Es kann für eine solidarische Gesellschaft keine Option sein, dass Geld oder eifrige Lobbyarbeit darüber entscheiden, einen Corona-Test zu bekommen oder nicht! Anscheinend werden beim FC Bayern aber schon jetzt Spieler und Trainerpersonal mehrmals wöchentlich getestet. Dies ist jedenfalls den Kommentaren von Karl-Heinz Rummenigge und Joshua Zirkzee zu entnehmen.

Während eine privilegierte Auswahl an Menschen somit mehrmals (wohlgemerkt ohne Symptome und/oder Kontakt zu positiv Getesteten) und wie selbstverständlich einen Test nach dem anderen beansprucht, wissen teilweise beruflich mit Risikogruppen in Kontakt stehende Personen nicht einmal, ob sie unwissentlich als Überträger des Virus fungieren. Grotesk und heuchlerisch wirkt hierbei die gebetsmühlenartige Betonung der Funktionäre, die wahlweise vorgeben, „keine Sonderrolle zu beanspruchen“ (DFB-Präsident Fritz Keller) oder „keine Sonderrechte zu erwarten“ (DFL-Vorsitzender Christian Seifert).

Gerade in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Altersheimen und anderen sensiblen Bereichen wären regelmäßige Tests für alle dort lebenden bzw. arbeitenden Personen sinnvoll und wichtig. Erst wenn dies irgendwann auch einmal in der Realität gewährleistet sein sollte und danach immer noch Kapazitäten frei sind, stellt sich die Frage, ob eine Sonderrolle für den Fußball angebracht erscheint.

Ein weiterer Punkt, der oft diskutiert wurde, ist die wirtschaftlich prekäre Situation der Vereine.

Angesichts bevorstehender Einnahmeausfälle durch das Ausbleiben der Spiele werden Horrorszenarien kreiert, die die Insolvenz des Großteils des Profifußballs heraufbeschwören. Wenn nicht schnellstmöglich wieder gespielt werden könne, sei alles vorbei, so der Tenor. Die einzig fabulierte Option der Rettung: (Die Fortführung des Spielbetriebs dank) Geisterspiele! Am besten schon ab Mai.

Für uns stellt sich hier insbesondere die Frage, ob es wirklich um die Rettung der Vereine und damit einem wichtigen Ort gesellschaftlichen Miteinanders oder vielmehr um die Rettung sechs- bis siebenstelliger (teilweise gar achtstelliger) Gehaltsstrukturen geht.

Während man öffentlich Solidarität propagiert, bleiben tatsächliche Ergebnisse weiterhin aus. In krassem Widerspruch zur angeblich bevorstehenden Masseninsolvenz stehen die allenfalls zur Symbolik taugenden Gehaltsverzichte von 15 oder 20 Prozent, bei denen es sich wohl teils gar nur um Stundungen handelt. Schaut man nach Spanien, verzichten die Spieler (nicht nur) des FC Barcelona auf 70 Prozent ihres Gehalts. Ähnlich verhält es sich in Italien. Dort verzichtet beispielsweise die Mannschaft des AS Rom bereits jetzt auf vier volle Monatsgehälter (März, April, Mai, Juni) und übernimmt zugleich die Gehaltszahlungen der nicht auf dem Platz stehenden Angestellten.

Apropos Arbeitsplätze: Wir verstehen, wenn Bundesligisten auf die Jobs hinweisen, die der Fußball in Deutschland schafft. Aber: Würden diese denn überhaupt mit Geisterspielen gerettet werden?

Um die 56.000 Arbeitsplätze existieren im und um den Profifußball. Davon sind allerdings 34.500 sowieso nur indirekt angestellt. Dies beinhaltet die Caterer, viele der Sicherheitskräfte, ja quasi das komplette Personal am Spieltag. Sie alle würden wohl auch bei Geisterspielen nicht benötigt werden. Hinzu kommen knapp 14.000 Beschäftigte als Teilzeit- oder Aushilfskräfte (alle Zahlen: DFL-Wirtschaftsreport). Man kann wohl davon ausgehen, dass deren Arbeitsverhältnisse längst ruhen, was ungefragt einem (Gehalts-)Verzicht von 100 Prozent gleichkäme. Noch überhaupt nicht mit eingerechnet sind dabei die unzähligen Gastwirte, Bratwurstverkäufer etc., die rund um einen Spieltag ihr tägliches Brot verdienen.

Es gibt also viele Jobs, die an der Liga hängen, aber sehr viele davon hängen eben direkt an den Spielen mit Zuschauern.

Alles in allem stellt sich für uns weiterhin die Frage: Wie wichtig ist der Bundesliga-Fußball? Ist er uns es wert, dass dafür die Gesundheit von Menschen riskiert wird? Ist er uns es wert, dass die Vereine und der Verband eine Sonderstellung bekommen, die Mitarbeiter in wirklich systemrelevanten Jobs nicht haben? Wir für uns haben diese Frage mit einem deutlichen Nein beantwortet. Uns blutet das Herz, aber wir halten Fußballspiele in der aktuellen Situation für nicht vertretbar. Weder mit noch ohne Zuschauer. Hinzu kommt, dass von einem sportlich fairen Wettbewerb ohnehin nicht die Rede sein kann, wie Seifert ja selbst zugibt: „Wir spielen, wenn wir es wieder dürfen, unter absoluten Ausnahmebedingungen. Das ist auch nicht zu vergleichen mit einem normalen Spielbetrieb.“

Unabhängig davon, wie ihr das persönlich für euch beantwortet, möchten wir mit einem Wunsch schließen: Bleibt solidarisch, haltet Abstand, tut persönlich das, was möglich ist, um die Ausbreitung von Covid-19 weiter zu reduzieren. Helft Mitmenschen, die eure Hilfe benötigen.

Bleibt menschlich. Denn das ist am Ende wichtiger als alles andere.

Club Nr.12


Kommentar FC Bayern Total hierzu:

Um hier ein möglichst großes Spektrum an Meinungen zur Situation anzubieten, hat sich FC Bayern Total entschlossen, diesen C12-Beitrag zu veröffentlichen. Die (Mehrheits-)Meinung des Club Nr. 12 wird hiermit ausdrücklich respektiert, auch wenn FC Bayern Total bekannterweise eine andere vertritt.

Sagen wir es einmal so: Letztendlich verhält sich in unserer heutigen Gesellschaft fast jeder nur mit der Sache solidarisch, die für ihn persönlich opportun erscheint. Und wenn Fankurven ehrlich zu sich selbst sind, trifft dies auch auf sie zu. Einige Einzelgespräche haben dies auch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Nichts Verwerfliches, aber heutzutage sollte eben keiner den ersten Stein werfen, wenn er selbst im Glashaus sitzt.


Zusätzliche Informationen

Nachdem im C12-Beitrag die Vergleiche zu anderen großen Ligen gezogen werden, hier zur Vervollständigung die Situationen in diesen, was eine Saison-Fortsetzung betrifft:

Bekanntermaßen sind Italien, Spanien und England wesentlich stärker als Deutschland von der Pandemie betroffen. Trotzdem arbeitet man auch dort mit Vehemenz auf eine Weiterführung der Saison hin:

Italien / Serie A: Geplanter Trainingsbeginn am 4. Mai – Hoffnung auf Fortsetzung der Ligaspiele Ende Mai

https://www.kicker.de/774339/artikel/serie_a_klubs_hoffen_auf_trainingsbeginn_am_4_mai

Spanien / Primera División: Warnung des Ligachefs an „unwillige Vereine“

https://www.kicker.de/774492/artikel/spaniens_liga_chef_tebas_warnt_wer_nicht_spielt_verliert_punkte

England / Premier League: Ligastart im aktuell besonders stark von der Pandemie betroffenen England am 8. Juni?

https://www.kicker.de/774474/artikel/times_premier_league_startet_am_8_juni

Österreich / Bundesliga: Die Pläne ähneln sehr stark denen in der Deutschen BL

https://www.kicker.de/774457/artikel/oesterreichs_geisterspiel_konzept_beschlossen

Die vom Corona-Virus sehr stark betroffenen Niederlande (sehr hohe Todesrate) brechen ihre Liga ab – hierzulande z.T. als „gutes Beispiel“ bezeichnet, in Holland selbst nennt man die Art und Weise jedoch auch „größte Schande in der Geschichte des niederländischen Sports“

https://www.kicker.de/774461/artikel/_groesste_schande_in_der_geschichte_des_niederlaendischen_sports

Veröffentlicht von gastautorfcbtotal

Gastautoren von FC Bayern Total

13 Kommentare zu „Statement Club Nr. 12 zur angedachten Fortsetzung der Bundesliga-Saison mit Geisterspielen

  1. „Nichts Verwerfliches, aber heutzutage sollte eben keiner den ersten Stein werfen, wenn er selbst im Glashaus sitzt.“
    In welchem Glashaus soll denn hier jemand sitzen, außer der DFL?
    Die einzigen, die einen (vermeintlichen) Nutzen aus dieser selbstgerechten Aktion haben, sind die Vereine.
    Wenn dann aber behauptet wird, ohne eine (baldige) Fortsetzung des Spielbetriebs, würden etliche Clubs in Konkurs gehen, dann fragt man sich schon, auf was dann tatsächlich die Finanzierung solcher Clubs gründet (mal abgesehen von den anderweitigen Problemfällen in Sinsheim, Wolfsburg oder bei RB)???
    Bei Geisterspielen fallen ja „sonstige spieltagsbezogene Einnahmen“ jedenfalls weg und wenn alles nur (oder offenbar vor allem) an den Fernsehgeldern hängt, dann ist das ja unabhängig von irgendwelchen Pandemien ein Zukunftsmodell…… Spart man sich ja auch eine Menge an Kosten.
    Wenn das schon eine so tolle Lösung sein soll, warum sind dann alle Clubs ab spätestens der 3.Liga abwärts dagegen?

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  2. Ich bin pro Geisterspiele.

    Eine Fortführung der Bundesliga mit Geisterspielen ist ganz klar eine NOTLÖSUNG. Das Wort bedeutet eben „Lösung in der Not“, nicht mehr und nicht weniger. Wir alle hätten lieber normale Zeiten mit normalen Spielen in vollen Stadien. Aber die normalen Zeiten sind vorerst vorbei, und ich persönlich halte die Idee von Geisterspielen für akzeptabel. Es ist zumindest die derzeit sportlichste Lösung, die Ligen zu Ende zu spielen.

    Fußball ist aber auch – sogar in leeren Stadien – ein Gesellschaftsphänomen, samstags wird leidenschaftlich über Spielzüge, Fouls, Tore, Schiedsrichterentscheidungen, den Tabellenstand, die nächsten Spiele und alles mögliche diskutiert. Und das fehlt gerade! Es täte uns, mir persönlich, aber auch der Gesellschaft im Allgemeinen, sehr gut, wenn es – wenigstens am Wochenende – in den Nachrichten nicht immer nur um Corona ginge, sondern auch mal um andere, positive und „beschwingte“ Themen. Fußball ist ganz klar ein solches Thema und ich würde mich darauf freuen, wenn die Saison, auch in leeren Stadien, bald weiter gespielt würde. Ablenkung von den Sorgen in der Krise, „Brot und Spiele“, wie FC Bayern Total neulich geschrieben hat, „positive Energie für’s Volk“, ein gesellschaftlich-psychologisches Thema, das wir nicht unterschätzen sollten. Die Coronazeiten sind für viele eine große Belastung, gesundheitliche und finanzielle Sorgen, Verlust des Arbeitsplatzes, wie geht es weiter? Ablenkung täte da hin und wieder gut, und Fußball ist Ablenkung, Hobby, Leidenschaft. Geisterspiele sind da wie gesagt nur eine Notlösung, sie sind keinesfalls ein gleichwertiger Ersatz zum „normalen Fußball“, wie wir ihn kennen und lieben. Aber sie sind immer noch besser als nichts! Aber „nichts“ ist derzeit wohl die Alternative, und die gefällt mir nicht. Zu sportlichen Alternativen zu Geisterspielen, also Saisonabbruch oder Verschiebung der restlichen Spiele auf Herbst/Winter oder wann auch immer, habe ich vom C12 übrigens nichts gelesen. Mich würde sehr interessieren, was da die Meinung ist.

    Grundvoraussetzung für eine baldige Fortsetzung der Ligen ohne Zuschauer ist aber natürlich eine ausreichende Verfügbarkeit von Corona-Tests für die betroffenen Personen (Spieler, Trainer, Schiedsrichter etc.), ohne die Gesellschaft damit medizinisch zu „belasten“. Das ist eines der Hauptargumente der C12-Schreiber im obigen Artikel gegen die baldige Fortsetzung der Ligaspiele. Ob das der Fall ist kann ich nicht beurteilen, ich halte das aber für realistisch oder zumindest vertretbar. Entscheiden müssen das zum Glück andere. Ein weiteres Argument ist, dass mit Geisterspielen vielen Arbeitnehmern (Caterer, Sicherheitspersonal, Gastwirte, Bratwurstverkäufer etc.) nicht geholfen ist. Sicherlich richtig, aber bei einem Abbruch der Ligen, aus meiner Sicht das einzig alternative Szenario, ist ihnen auch nicht geholfen. Dieses Argument zählt also aus meiner Sicht nicht.

    Schönen Sonntag, flobe22 (übrigens C12-Mitglied)

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  3. @ flobe22: Ja, mir sprichst du z.B. aus dem Herzen!

    @ Martin: Ich zitiere dich „In welchem Glashaus soll denn hier jemand sitzen, außer der DFL?
    Die einzigen, die einen (vermeintlichen) Nutzen aus dieser selbstgerechten Aktion haben, sind die Vereine.
    Wenn dann aber behauptet wird, ohne eine (baldige) Fortsetzung des Spielbetriebs, würden etliche Clubs in Konkurs gehen, dann fragt man sich schon, auf was dann tatsächlich die Finanzierung solcher Clubs gründet.“

    Ich nehme an, dass du einer der Verfasser des C12-Statements bist. Denn nur aus solchen Kreisen kommen aktuell solche Kommentare. Diese sind aus meiner Sicht entweder polemisch oder unwissend und naiv (oder beides).

    Bundesligavereine sind u.a. auch mittelständische Unternehmen und in solchen Zeiten auch als solche einzuschätzen und zu bewerten. Wenn also Vereine wie u.a. Schalke nun um ihre Existenz bangen, dann ist das das gleiche Szenario wie bei 95% der anderen mittelständischen Unternehmen in ALLEN Branchen.

    Und wenn sich der (Profi-)Fußball selbst mittels Geisterspielen retten kann, dann ist dies ausschließlich positiv zu sehen. Den hervorragenden Ausführungen von flobe22 ist diesbezüglich nichts hinzuzufügen.

    Bin übrigens auch C12-Mitglied

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  4. Dass Geisterspiele nicht ideal sind und eine „Notlösung“ bleiben, darüber sind sich wohl alle einig. Inwieweit der Einzelne sich damit anfreunden kann („Besser als nichts“) oder es eher ablehnt, bleibt dann jedem selbst überlassen.
    Darum geht es mir auch gar nicht. Vielmehr stört mich die selbstgefällige, nonchalante Art der Vereins/Verbandsoberen, mit welcher Selbstverständlichkeit auf die Weiterführung des Spielbetriebs hingewiesen wird. Da ja sonst alles auf dem Spiel stehen würde und Vereine pleite gehen müssten.
    Nochmal: Wenn man sich so abhängig macht von den Fernsehgeldern, sollte man vielleicht auch mal seine Ausgabenseite hinterfragen. Wenn mal 4-5 Heimspiele „ausfallen“ und dann das gesamte Finanzkonzept wackelt, dann liegt wohl mehr im Argen als „nur“ ein Virus.
    „Komischerweise“ wird ja umgekehrt im – auch ambitionierten – Amateurfussball mit deutlicher Mehrheit für einen Abbruch der laufenden Wettbewerbe plädiert.

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    1. Derbysieger 2020 hat dir darauf schon die Antwort gegeben, die auch die der Seite wäre. Es geht aktuell wirklich fast allen mittelständischen Unternehmen so. Fallen Einnahmen weg, mit denen man fest gerechnet hat, und das über Monate, dann droht die Insolvenz. Auch darüber sollte kein Zweifel bestehen.

      Der Amateurfußball plädiert doch aber nicht für einen Abbruch der Saison im Profifußball, sondern für die eigene Wettbewerbe bis in die untersten Ligen. Deswegen hält FC Bayern Total dies für kein adäquates Argument.

      Nachdem sich aber eine große Mehrheit der Fußballfans (im persönlichen Umfeld inkl. der Amateurkicker) für eine Fortsetzung der BL-Saison ausspricht, sollte man dies (als Fanszene) auch beachten und nicht permanent von einem Alleingang der DFL o.ä. sprechen. Diese Mehrheit existiert übrigens immer noch, obwohl sie von den Öffentlich-Rechtlichen Sendern (mit offensichtlich zu wenig Übertragungsrechten für Geisterspiele) fast schon in die andere Richtung manipuliert wird. Herr Lauterbach wird dort zu einer Ikone des Widerstandes gegen Geisterspiele aufgebaut, obwohl er permanent Argumente von gestern und vorgestern bringt. Das ist z.T. schon peinlich.

      Zum kritisierten „Glashaus“-Argument: In mehreren Einzelgesprächen ist durchaus durchgedrungen, dass es vielen Fanszene-Mitgliedern schon auch um „persönliche Dinge“ geht, wie z.B. „ich gehe seit x Jahren zu jedem Bayernspiel, diese Serie würde durch Geisterspiele unterbrochen werden.“ Wer ein paar Groundhopper oder „Alles-Fahrer“ kennt, weiß, dass dies ein sehr realistisches Szenario ist.
      Wenn ARD und ZDF aktuell mittels Lauterbach die Geisterspiele torpedieren, dann liegt es vlt. auch daran, dass sie davon wenig bis nicht profitieren und man sich, wenn die Konkurrenz einen größeren Schaden hat, besser für zukünftige Übertragungsrechte in Position bringen kann.
      Fast jeder sucht immer (noch) seinen eigenen Vorteil, da ist die BL sicherlich keine Ausnahme.

      Zudem macht die DFL aktuell einen seriösen Job. Deswegen zum Vergleich auch die Beiträge zu den anderen Ligen. Dort geht es nicht immer so seriös und zimperlich zu.

      Fußball & Emotionen: Dazu flobe22. Wie schon geschrieben: Das spricht wohl den meisten Fußballfans aus dem Herzen, übrigens auch den meisten C12-Mitgliedern, die persönlich kontaktiert wurden.

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  5. Schade. Hier werden zu viele Argumente vermischt. Ich bin im Übrigen nicht Verfasser (und auch nicht Beteiligter) des Statements.
    Noch mal möglichst kurz: Ich finde Geisterspiele (wie wohl alle, im Vergleich zu Spielen mit Zuschauern) nicht besonders attraktiv, habe aber unter den gegebenen Umständen aber nicht grundsätzlich/automatisch etwas dagegen.
    Aber es jetzt als Art Allheilmittel darzustellen und die Öffentlichkeit, Politik und/oder Fans praktisch vor die Alternative zu stellen, Geisterspiele ODER Pleite, ist heuchlerisch, schwach und deutet eben eher auf eine einseitige Finanzierungsbasis hin. Darum geht es mir und das darf (und sollte) mal hinterfragt werden.
    Wenn die TV Verträge tatsächlich so angelegt sind, dass bei Abbruch nicht mehr (alles) bezahlt wird, dann ist es zumindest erstaunlich, dass Spielergehälter grundsätzlich weiterbezahlt werden müssten (obwohl auch hier die Leistung nicht erbracht wird/werden kann), auch wenn z.T. freiwillig auf gewisse Summen verzichtet wird.
    Und dass der Anteil der Personalkosten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen ist, muss ja wohl nicht weiter ausgeführt werden.

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    1. Warum „schade“?
      Es werden hier von den Diskutierenden nicht „zu viele Argumente vermischt“, sondern unterschiedliche Aspekte angesprochen.
      Vielleicht schade, dass du selbst ein bisschen eindimensional in der Argumentation bist. Immer nur auf eine Sache fokussiert.
      „Aber es jetzt als Art Allheilmittel darzustellen und die Öffentlichkeit, Politik und/oder Fans praktisch vor die Alternative zu stellen, Geisterspiele ODER Pleite, ist heuchlerisch, schwach …“
      Die „Öffentlichkeit“ selbst (= Fußballfans) will doch mehrheitlich eine Fortsetzung der Saison. Und die Politik kennt wohl auch die Bedeutung des Fußballs in der Geschichte, auch ich verwende nun hier den Ausdruck „Brot und Spiele“. Deine Darstellung der Situation ist einfach unzutreffend. Und wenn man deine Kommentare hier sonst so liest, bist du doch ein FCB-Experte … auch irgendwie schade, deine Sichtweise im Vergleich zu deinem Wissen …

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  6. Also, meine „Darstellung der Situation“ ist vereinfacht, dass suggeriert wird, ohne Geisterspiele geht „der Fussball“ und/oder der eine oder andere Verein insolvent. Das ist jedenfalls explizit oder verschlüsselt von DFL und einigen Vereinen zu vernehmen und nicht eine Schlußfolgerung. Wäre schön, wenn diese Darstellung tatsächlich „unzutreffend“ wäre, aber sie entstammt nicht meiner Feder.
    Und alle Argumente mögen für sich vielleicht plausibel sein (ebenfalls „eindimensional“), mir geht es nur darum, diese Abhängigkeit von Geisterspielen (bzw. den damit offenbar verbundenen TV Geldern) zu hinterfragen.

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    1. Um dir in deiner Argumentation entgegen zu kommen: DFL-Boss Christian Seifert macht eigentlich einen sehr guten Job und präsentiert ein sehr seriöses Konzept. Da sind wir in Deutschland sicherlich einigen anderen Ländern, die stärker von der Pandemie betroffen sind, weit voraus.
      ABER er argumentiert tatsächlich (fast) ausschließlich wirtschaftlich (er kommt ja auch aus der Wirtschaft). Dabei lässt er (leider) eigentlich das stärkste Argument des Fußballs außen vor: Nämlich dass der Fußball tatsächlich eine absolute Ausnahmestellung (nicht nur) in Deutschland genießt, womit eine „Lex Bundesliga“ auch gerechtfertigt wäre. Aber diese Trumpfkarte wird wohl (bewusst) nicht gezogen, weil man sich dann die Wut aller anderen Sportarten zuziehen würde. Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, auszusprechen, ist nicht immer einfach.

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      1. Haha … wollte gerade ganz ähnlich argumentieren! Muss ich jetzt nicht mehr. Aber volle Zustimmung.
        Wenn du, Martin, das so meinst, dann kann man es nachvollziehen.

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  7. Also im Großen und Ganzen stimm ich persönlich flobe22 zu: Sog. Geisterspiele sind meiner Meinung nach ein „notwendiges Übel“ und ein legitimes Mittel, um die aktuelle Struktur des Profifußballs in Deutschland zumindest so zu retten, dass kein größerer nachhaltiger Schaden für die 1./2. Bundesliga und die Vereine an sich entsteht. Man muss bedenken, dass womöglich auch die nächste Saison betroffen ist und man so im schlimmsten Fall ganze 14-15 Monate ohne jegliche Einnahmen händeln müsste. Da braucht man kein Hellseher sein, dann müsste auch ein FC Bayern kleinere Brötchen backen und Spielerverträge kündigen/auslaufen oder ändern lassen – von kleineren Vereinen wie Regensburg oder Bochum will ich da an der Stelle gar nicht erst anfangen. Herr Schäfer(ehem. Vorstand bei F95 Düsseldorf) hat heute im Doppelpass wieder einmal verdeutlicht, was es in letzter Konsequenz bedeuten würde, wenn man die Geisterspiele komplett untersagen und somit auf über eine halbe Milliarde TV Gelder verzichten müsste: Nichts weiter, als dass der Profifußball an vielen Standorten in seiner jetzigen Form auf diesem hohem Niveau keine Überlebenschance hat. Da ich trotz aller Nostalgie auch der Meinung bin, dass man Fußballvereine als Wirtschaftsunternehmen betrachten muss, stelle ich mal folgende Frage: Welches Unternehmen könnte einen Total-Ausfall – das wäre ja im Fußball ein Aussetzen der Spiele bis man wieder komplett volle Stadien mit Zuschauer bekommen würde – von möglicherweise bis zu drei bis vier Quartalen komplett abfedern?
    Weitere Frage: Welcher der genannten Arbeitsplätze könnte dadurch mehr gerettet werden, wenn man auf Geisterspiele verzichtet? Ich würde in meinem jugendlichen Leichtsinn behaupten, kein einziger.
    Am Rande bemerkt zur Stellung der anderen Sportarten zum Thema Bundesliga Sonderweg: Stefan Kretzschmar, seines Zeichens Vorstand Sport des Handball Bundesligisten Füchse Berlin, hat im neuen Podcast „Lauschangriff“ ua. von Frank Buschmann wie ich meine klar gemacht, dass er dem ganzen, insofern das medizinisch machbar ist, nicht entgegensteht, dass die Fußball Bundesliga diesen Weg bekommt, um die TV Gelder zu retten.

    Ich bin, wie manche sicher wissen, auch C12 Mitglied und unterstütze von dem Statement eigentlich nur den letzten Absatz, der Rest ist auch nur auf Mutmaßungen basiert. Wie Marcel Reif, dessen Frau Direktorin der Frauenklinik im Klinikum rechts der Isar ist, heute im Doppelpass nochmal betont hat, sind ja mittlerweile weitaus genügend Testkapazitäten vorhanden. Dass man diese noch nicht flächendeckend nutzen kann, liegt auch an der Frage der Finanzierbarkeit. Diese hat nicht der Fußball zu klären, sondern die Politik. Wenn man also diese Testkapazitäten, wie auch der Laborchef schon bestätigt hat, ausreichend hat und man somit der Gesellschaft überhaupt nicht zur Last fällt, sondern mit neuen Spielen nur mögliche neue Unterhaltung schaffen kann, ja warum soll man das nicht machen? Dadurch wäre ja das Kernargument des Schreibers des C12 maßgeblich außer Kraft gesetzt.

    Ebenfalls will ich auf die Aussage von Herrn Reif verweisen, dass man Solidarität nicht erzwingen darf. Gehälter sind Gehälter, man sollte sich weniger dazu anmaßen, Profis zu erklären, ihr habt jetzt für wie viele Monate auch immer zu verzichten. Das ist kein guter Ansatz- grad beim FC Bayern erleben wir doch eine große Hilfsbereitschaft der Spieler, nicht nur für den Verein, sondern auch für die Gesellschaft. „We kick Corona“, initiiert von Leon Goretzka und Joshua Kimmich, ist eine extrem vorbildliche Initiative, um denjenigen zu helfen, die es wirklich brauchen. Robert Lewandowski hat gemeinsam mit seiner Frau ebenfalls gespendet. Thomas Müller an einem Freitag für die Region um seine Heimat Pähl Helferessen spendiert. Diese Liste könnte man noch weiter führen.
    Der genannte Club FC Barcelona dagegen stand am Anfang der Krise massiv in der Kritik, da viele Spieler anscheinend nicht bereit waren auch nur einen Teil des Gehalts abzutreten. So rosig war/ist es dort also sicher nicht.
    Viele Teile des deutschen Profifußballs zeigen sich in der Krise durchaus solidarisch. Ich bin durchaus dafür, der Bundesliga die Chance einzuräumen, die TV Gelder einzuspielen und sich selbst finanziell auf gesündere Beine zu stellen.

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