FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf – Fußballgeschichte und Blick auf die morgige Partie

Nach dem wahrscheinlich Meisterschafts-vorentscheidenden 1:0-Sieg beim Tabellen-Zweiten Borussia Dortmund am Dienstagabend sollten sich die Sinne der Bayern wieder schärfen und die Partie morgen Abend gegen Fortuna Düsseldorf mit höchster Konzentration angegangen werden. Allerdings ist die aktuelle Situation der von der „Corona-Krise“ geprägten Saison 2019/20 wesentlich komfortabler als noch vor einem Jahr. Auch damals wurde der BVB am 28. BL-Spieltag (5:0 zuhause) bezwungen, die Tabellenführung mit einem Punkt Vorsprung übernommen und das Auswärtsspiel in Düsseldorf stand an. Nun sind es sieben Punkte Vorsprung und noch sechs Spiele zu spielen.

Dennoch sollte man die Fortuna – gerade im Überschwang des Sieges beim Erzrivalen – keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Obwohl die Rheinländer aktuell in der Tabelle auf dem Relegationsplatz stehen, haben sie unter ihrem „neuen“ Trainer Uwe Rösler nur ein einziges der letzten neun Bundesligaspiele verloren (1:4 in Gladbach; bei allerdings sechs Unentschieden). Auch das Heimspiel aus der Vorsaison sollte als Warnung dienen: Nach 0:2- und 1:3-Rückstand hat die Fortuna auf nahezu unglaubliche Art und Weise einen Punkt aus München entführt und den Bayern zwei „geklaut“.

Die Bundesliga-Gesamtbilanz aus 25 gemeinsamen Jahren in der Erstklassigkeit weist 29 Bayernsiege / 10 Unentschieden / 10 Bayernniederlagen bei einem Torverhältnis von 117:63 aus. Die Heimbilanz der Bayern ist mit 15S / 6U / 3N bei 67:23 Toren natürlich noch wesentlich positiver. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass sich diese Bilanzen hauptsächlich auf die Jahre 1971-1987 beziehen. Damals war die Fortuna 16 Jahre in Folge erstklassig, seitdem kann man sie im deutschen Fußballoberhaus eher als „sporadischen Gast“ bezeichnen.

Folglich ist es auch nicht so sehr verwunderlich, dass die letzten Erfolge der Fortuna gegen die Bayern schon ziemlich lange her sind:

Der letzte Pflichtspielsieg überhaupt wurde am 18. September 1995 mit einem 3:1-Heimspielsieg in der 2. Runde des DFB-Pokals erzielt. Der letzte Bundesligasieg stammt vom 2. April 1991: Ein 1:0-Auswärtssieg im Olympiastadion. Und seit dem letzten Bundesliga-Heimsieg der Fortuna gegen die Bayern sind sogar fast 35 Jahre vergangen: Allerdings erlitt am 28. September 1985 der spätere Doublesieger von der Isar eine saftige 0:4-Klatsche im Düsseldorfer Rheinstadion.

Noch schlimmer geriet der deutsche Rekordmeister am 9. Dezember 1978 u.a. mit den Herren Maier, Augenthaler, Schwarzenbeck, Breitner, Dürnberger, Oblak und Rummenigge in Düsseldorf unter die Räder: Jene 1:7-Blamage ist bis heute zusammen mit den beiden 0:6-Niederlagen 1974 bei den Kickers aus Offenbach und 1975 bei der Frankfurter Eintracht die höchste Auswärtsniederlage der FCB-Bundesligageschichte. Zumindest an Fortuna Düsseldorf rächten sich die Bayern aber in den Folgejahren mit Kantersiegen in Heimspielen im Olympiastadion: 1980 6:0; 1982 7:0 und 1985 wieder 6:0.

Legendär auch der 33. Spieltag der Saison 1974/75: Der frisch gebackene zweimalige Landesmeistercup-Sieger FC Bayern unterlag am 7. Juni 1975 trotz drei Toren von Gerd Müller und einer 3:1 und 4:2-Führung mit 5:6 in Düsseldorf. Das Spiel war allerdings damals für die Bayern völlig bedeutungslos.

Noch ein Bundesliga-Spieltag wird den älteren Bayernfans (mit einem guten Erinnerungsvermögen 😉 ) im Zusammenhang mit der Düsseldorfer Fortuna in sehr positiver Erinnerung bleiben: Am 11. Mai 1974 machte die Fortuna mit einem 1:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach am 33. Spieltag den FC Bayern zum Deutschen Meister. Die Münchner gewannen damals zeitgleich zuhause gegen die Offenbacher Kickers ebenfalls mit 1:0.

Noch länger muss man zurückblicken, wenn man das wichtigste Spiel, das beide Mannschaften jemals gegeneinander gespielt haben, betrachten möchte: Das Pokalfinale 1957, welches die Bayern mit 1:0 gewonnen haben. Siehe dazu  https://fcbayerntotal.com/2019/12/29/vor-62-jahren-erster-dfb-pokalsieg-des-fc-bayern/

(Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die Pokalsieger-Mannschaft von 1957)

Dazu sei ergänzend erwähnt, dass die Fortuna lange Zeit als eine Art „tragischer Pokalspezialist“galt: Die ersten fünf Endspiele im DFB-Pokal (in den Anfangsjahren „Tschammerpokal“) wurden verloren (1937; 1957; 1958; 1962; 1978), bis man 1979 und 1980 zweimal hintereinander erfolgreich war. Aus jener Zeit stammt auch ein Rekord im deutschen Fußball, den ausnahmsweise nicht der FC Bayern hält: von August 1978 bis Februar 1981 erzielte Düsseldorf mit 18 Siegen in Folge die längste Siegesserie in der DFB-Pokal-Historie.  Aus dieser Zeit stammt auch der größte internationale Erfolg der Fortuna: 1979 unterlag man im Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger dem FC Barcelona – mit Johann Neeskens und Hans Krankl – in Basel nur denkbar knapp mit 3:4 n.V.  Die Helden auf Düsseldorfer Seite hießen damals Klaus und Thomas Allofs, Gerd Zewe und Wolfgang Seel.

Noch eine interessante Sache mit Blick auf die Fußballgeschichte: Fortuna Düsseldorf wurde ein einziges Mal Deutscher Meister – 1933 als Nachfolger der Kurt-Landauer-Meister-Bayern…

Blicken wir noch einmal auf das morgige Spiel des 29. Bundesliga-Spieltags: Bleiben die Bayern konzentriert und fokussiert, sollte auch gegen das aktuell „schwierig zu bespielende, unangenehme“ Düsseldorf ein klarer Sieg herausspringen.

Tipp FC Bayern Total: 5:0 für Bayern. Und Robert Lewandowski wird auch endlich gegen Düsseldorf sein Tor (Tipp: zwei!) erzielen. Gegen alle anderen 17 aktuellen Bundesligisten (ja, natürlich auch gegen Bayern) hat er bereits getroffen. Die Bayern können am Samstag aufgrund der nachfolgenden Spielpause von 7 Tagen Vollgas geben und einiges dafür tun, dass nach 1971/72 endlich wieder einmal die 100-Tore-Grenze geknackt wird.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

16 Kommentare zu „FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf – Fußballgeschichte und Blick auf die morgige Partie

  1. Dann gebe ich auch mal wieder ungefragt meinen Senf dazu……
    Zunächst: Hattest Du in der Vorschau auf das BVB Spiel nicht selbst darauf hingewiesen, dass die gemeinsame Historie mit den Westfalen ja eher überschaubar ist? Daher hat mich hier im Text die Verwendung der Bezeichnung „Erzrivale“ doch etwas irritiert….. 😉
    Da ich ansonsten wie schon früher aufgezeigt der derzeitigen Durchführung der Bundesliga zuminest skeptisch gegenüberstehe, will auch noch eine Erinnerung an „früher“ an die Fortuna erwähnen.
    Nämlich an die Saison 95/96: Mit den einzigen (135) Bundesligaminuten von Mike Probst, dem euphorisch bejubelten (obwohl unbedeutenden) Ausgleich am 34.Spieltag im strömenden Regen (drei Tage nach dem UEFA Cup Gewinn) und den vier Auswechslungen von „Ersatztrainer“ Augenthaler.

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    1. Witzig, dass (natürlich) immer jeder das herauslesen will, wie es ihm passt 😉

      Du schreibst: „Hattest Du in der Vorschau auf das BVB Spiel nicht selbst darauf hingewiesen, dass die gemeinsame Historie mit den Westfalen ja eher überschaubar ist? Daher hat mich hier im Text die Verwendung der Bezeichnung „Erzrivale“ doch etwas irritiert…..“

      Ich lese im Beitrag vor dem BVB-Spiel:
      „Aber noch nie gab es einen Verein, der solange mit den Bayern um die Vorherrschaft im deutschen Fußball kämpfte wie der BVB.“
      Das legitimiert für mich persönlich eigentlich dann schon den Ausdruck „Erzrivale“. 😉

      Ja: Stimmt, da war was am letzten Spieltag 1996 … 😉 😉

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      1. Ich muss zugeben, dass ich den alten Beitrag vor meinem Kommentar nicht explizit noch einmal gelesen habe. Ist wahrscheinlich auch eine subjektive/unterbewusste Einstellung zum exakten Wording. „Erzrivalen“ sind für mich halt die Vereine, denen man aus nennen wir es mal „verschiedenen“ Gründen nicht so wohlgesonnen ist. Und das müssen eben gerade nicht (nur) sportliche Gründe sein.
        Alles gut……

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      2. Trifft doch aber wohl auf das Verhältnis zwischen BVB & Fans und FCB & Fans durchaus zu, oder?

        Klar hat die Fan- bzw. Ultraszene mit dem Glubb einen anderen „Hassgegner“, aber auf die „Normalos“ trifft dies weniger zu. Bei diesen ist ganz klar der BVB das „Feindbild Nr. 1“ (übrigens auch ganz weit vor Rasenballsport).

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      3. Naja das stimmt meiner Meinung nach so pauschal nicht. Die Nürnberger sind, wenn sie mal wieder in der Bundesliga spielen, gerade bei den vielen Tausenden Bayernfans in Nordbayern das Feindbild Nummer 1. Gerade in den ganzen Fanclubs. Die Rivalität zu Dortmund ist großteils viel mehr auf das sportliche bezogen. Wenn Dortmund mal nur 6ter ist, dann interessieren die viele Bayernfans überhaupt nicht mehr richtig. Die Rivalität zu Nürnberg oder den Turnern ist trotzdem da.

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      4. Jaja, in Nordbayern gibt es natürlich „viele Tausende Bayernfans“, und dort ist der Glubb natürlich der „Erzfeind“, aber sicher weder in München noch im restlichen Deutschland. Das ist der BVB – und zwar ganz klar.

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      5. Also vielleicht war der Club in den Oberligazeiten ein Rivale, vielleicht bis 1969, als die Bayern ihr erstes Double holten und Nürnberg abstieg. Aber seitdem ist er für eine überwiegende Mehrzahl an Bayernfans eigentlich eher unwichtig. Franken und Ultras vielleicht ausgenommen.

        Die Rivalität mit Borussia Dortmund ist da schon eine ganz andere!

        Aber vielleicht auch ein Generationsproblem? Für Bayernfans, die den deutschen Fußball seit mind. Mitte 90er Jahre verfolgen, ist der BVB definitiv der Hauptgegner.

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      6. Hier werden offenbar zwei verschiedene Betrachtungsweisen zum Thema „Rivalität“ durcheinandergebracht, bzw. vermischt.
        Dass sportlich über die letzten 15 Jahre Dortmund der härteste Rivale ist/war, bleibt ja unbestritten und ist ja anhand der Tabellen auch belegbar.
        In meinen Augen ist eine echte Rivalität aber eben unabhängig von den aktuellen sportlichen Ergebnissen, sondern aus unterschiedlichen Gründen (z.B. eben oft geografische Nähe) „historisch gewachsen“.
        Spontan denke ich an Konstellationen in England, in denen sich die Teams sportlich schon länger nicht in der gleichen Liga gemessen haben, aber es allen Beteiligten völlig klar ist, wer der Rivale des eigenen Vereins ist.
        Beispiele: Stoke v Port Vale / Sunderland v Newcastle / Preston v Blackpool / Norwich v Ipswich

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      7. Das ist sicherlich richtig: Man kann dabei zwischen einer „Lokalrivalität“ und einer „sportlichen Rivalität“ unterscheiden. Verschärft wird die Situation, wenn sich beide Formen mischen …

        DER Lokalrivale des FCB ist dann natürlich der Turn- und Sportverein. Diese Rivalität gilt aber v.a. für die Münchner selbst, vielleicht das oberbayerische Umland, aber fast kaum für die restlichen Bayern-Fans in Deutschland, Europa und weltweit … Die Löwen existieren hier kaum.
        Zum Glubb: siehe oben.

        Der BVB ist dagegen seit 25 Jahren der sportliche Hauptkonkurrent in Deutschland. Und jetzt kommen wir zum Hauptgrund, warum die allermeisten FCB Fans („weltweit“) den BVB als „Hauptrivalen“ bis hin zum „Hassobjekt Nr. 1“ sehen – dies sind die explodierenden sozialen Medien. Eigene Erfahrungen (ob auf Petersgradmesser, FC Bayern Total oder auf anderen FCB- oder BVB-(Fan-)Seiten) zeigen dies eindeutigst: Schreibst du was über die Löwen, interessiert dies kaum jemanden, ein Beitrag über den BVB bringt dagegen „Quoten“ …

        Diese Entwicklung zwischen den FCB- und BVB-Fans habe ich selbst sozusagen hautnah miterlebt: Beim Pokalfinale 2014 begegnete man sich in Berlin noch mit so etwas wie Respekt. 2016 war dies jedoch schon ganz anders: Die Aggressionen von Dortmunder Seite in der ganzen Stadt waren schon lange vor dem Anpfiff nahezu unerträglich …

        Einigen wir uns auf folgende Hauptrivalen: Regional /lokal – TSV; national – BVB; international – Real Madrid.

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      8. Eine kleine Bestätigung zur aktuell gewaltigen Rivalität zwischen den FCB- und BVB-Fans:

        https://www.90min.de/posts/die-unbeliebteste-elf-unter-den-fans-des-bvb-01eafbgpzram/partners/44334

        Unter den 11 unbeliebtesten Spielern bei den BVB-Fans sind (trotz S04; Auba & Dembele) satte 5 FCB-Spieler dabei.

        Wenn Götze und Hummels nicht zurück nach Dortmund gewechselt wären, wären die auch noch dabei.

        Andersherum verhält es sich (siehe fast alle FCB-Fanseiten) nicht anders: Von der Klofrau beim BVB über Watzke, vor allem aber Dickel bis hin zu Reus sind alle Protagonisten beim BVB den FCB-Fans „unsympathisch“ (sehr vorsichtig ausgedrückt).

        So eine Situation gab es noch nie zuvor (nicht lokal, nicht Gladbach, HSV, Bremen etc…)

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    2. Haha, langsam wird es schwierig mit den Begriffen für das BVB-Spiel.

      Dieses Mal wurde extra der Begriff „Deutscher Clásico“ rausgelassen, weil er immer kritisiert bzw. angezweifelt wurde …

      Nun „Erzrivale“ … 😬😬

      Für mich persönlich treffen beide Ausdrücke für Partien gegen den BVB zu, mehr und eher als zu jedem anderen Spiel.

      Achja, der Mike Probst, Torwart mit „bewegender Karriere“ 😉

      1980–1981 TSV 1860 München
      1981–1983 MTV München 1879
      1983–1986 BSC Sendling München
      1986–1989 SpVgg Unterhaching
      1989–1991 SV Lohhof
      1991–1992 SV Türk Gücü München
      1992–1995 SV Lohhof
      1995–1997 FC Bayern München 2 (0)
      1997–2001 TuS Geretsried
      2001 TSV Eching
      2001–2002 SpVgg Landshut
      2002–2003 FC Miesbach

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  2. Da darf man sich doch einmal selbst loben:

    „Tipp FC Bayern Total: 5:0 für Bayern. Und Robert Lewandowski wird auch endlich gegen Düsseldorf sein Tor (Tipp: zwei!) erzielen.“ 😉 😉

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