Spitzenspiel gegen den alten Rivalen aus Mönchengladbach – zum heutigen Spiel und ein kurzer Blick in die gemeinsame Geschichte

Wenn heute Abend die Bayern in der Allianz Arena auf den großen Rivalen aus den 70er Jahren treffen, dann ist dies zum zweiten Mal in dieser Saison ein Bundesligaspitzenspiel zwischen diesen beiden Vereinen. Die Vorzeichen sind dabei genau andersherum wie im November 2019 vor dem 14. BL-Spieltag: Damals empfing Gladbach als Bundesliga-Spitzenreiter den Tabellen-Vierten aus München. Nach dem glücklichen Last-Minute-Sieg per Elfmeter war die Borussia den Bayern schon um sieben Punkte enteilt. Heute Abend dagegen grüßt der FCB von der Tabellenspitze den Tabellen-Vierten aus Gladbach und könnte bei einer Niederlage der anderen Borussia aus Dortmund in Düsseldorf mit einem Sieg bereits den ersten Meisterschaft-Matchball verwandeln.

Historie

Duellieren sich die Bayern seit Mitte der 90er Jahre hauptsächlich mit der Dortmunder Borussia um die Deutsche Meisterschaft – 22 der 26 letzten Titel und alle in diesem Jahrzehnt gingen an diese beiden Vereine – dominierten die Münchner von 1969 bis 1977 zusammen mit der Gladbacher Borussia die Bundesliga: Alle neun Meisterschaften wurden in dieser Zeit von diesen beiden Clubs gewonnen: der VfL war fünfmal erfolgreich (1970/71; 1975-77), die Bayern viermal (1969; 1972-74).

Das Jahrzehnt von 1970 bis 1980 war das mit Abstand erfolgreichste der Gladbacher Vereinsgeschichte. Zu den fünf Meisterschaften kam noch ein Erfolg im DFB-Pokal (1973) und zwei UEFA-Cup-Siege (1975 und 1979). Zudem stand die Borussia zwei weitere Male im UEFA-Cup-Finale (1973; 1980) und verlor 1977 das Europapokalendspiel der Landesmeister mit 1:3 gegen den damaligen Seriensieger FC Liverpool (1977, 1978, 1981, 1984).

Als die Borussia 1965 zusammen mit den Bayern in die Bundesliga aufgestiegen ist, konnte niemand ahnen, welche Erfolgsgeschichten beide Vereine schreiben würden. Die ganz große Erfolgsphase der Gladbacher, zumindest was die großen Titel betrifft, endete nach einer Dekade, die der Bayern dagegen wohl noch lange nicht.

Bilanz VfL – FCB

Es ist die insgesamt 52. gemeinsame Bundesligasaison, welche die beiden Aufsteiger von 1965 bestreiten (Gladbach stieg zweimal ab und war insgesamt drei Jahre lang zweitklassig). Von den bisherigen 103 Spielen konnten die Bayern 49 gewinnen, 29 Duelle endeten unentschieden und 25 Mal gewann die Borussia. Das Gesamttorverhältnis lautet 196:130 zugunsten der Bayern – interessant daran ist, dass beide Vereine gegen kein anderes Bundesligateam mehr Tore kassiert haben.

Während  die Auswärtsbilanz in Mönchengladbach –  52 Spiele: 13 Siege – 18 Unentschieden – 21 Niederlagen; Torverhältnis: 72:84 — einen Bundesliga-Negativrekord aus Sicht der Bayern darstellt, sieht es zu Hause schon ganz anders aus: Von den 51 BL-Heimspielen wurden 36 gewonnen, 11 Mal trennte man sich unentschieden und nur vier Mal konnte die Borussia in München gewinnen – Torverhältnis: 124:46 – absoluter Bundesliga-Minusrekord für den VfL.

Im Pokal verlor der FC Bayern dagegen bei sieben Aufeinandertreffen (inkl. Wiederholungsspiel) kein einziges Mal, auch keines seiner drei Spiele in Gladbach. Allerdings war es immer knapp: fünf von sieben Spielen gingen in die Verlängerung, zwei sogar ins Elfmeterschießen – immer mit dem besseren Ende für die Bayern. Unvergessen dabei wohl das Pokalfinale 1984 mit dem „Drama um Lothar Matthäus“.

Aktuelle Situation

Tatsächlich ist nicht damit zu rechnen, dass der BVB heute Nachmittag in Düsseldorf alle Punkte liegen lässt, so dass die Bayern am frühen Abend einen ersten „Meisterschafts-Matchball“ erhalten könnten.

Zudem treten die „Super-Bayern“ von 2020 trotz aller überragenden Serien unter Hansi Flick in diesem Kalenderjahr stark ersatzgeschwächt an: Zu den Langzeitverletzten Süle, Coutinho und Tolisso kommt der frisch operierte Thiago dazu. Aber am schwersten wiegen die Gelbsperren von Lewandowski und Müller aus dem Leverkusen-Spiel (hierfür noch einmal einen herzlichen Dank an SR Manuel Gräfe!).

Serge Gnabry kann heute hoffentlich nach seinem kurzfristigen Ausfall gegen Frankfurt im Pokal wieder auflaufen. Fällt auch er aus, wird es im Sturm sehr schwierig. Apropos  Pokalspiel gegen Frankfurt: Während sich die Borussia seit über einer Woche für das heutige Spiel schonen und vorbereiten konnte, haben die Bayern am Mittwoch sicherlich einige Körner gelassen – hoffentlich nicht zu viele. Sich so spät in der Saison noch einmal ausführlicher mit dem viel zu kleinen Kader auseinanderzusetzen, bringt wohl an dieser Stelle nichts mehr.

Übrigens haben die Bayern zwar drei der letzten fünf BL-Spiele gegen Gladbach verloren. Alle drei Niederlagen erlitten sie jedoch in der Hinrunde, während  die beiden letzten Rückrundenspiele jeweils mit 5:1 gegen den VfL gewonnen wurden. 2018 in der AA (Titelbild), 2019 im Borussenpark.

Tipp FC Bayern Total: So ein bisschen wird die Partie heute Abend schon vom „Vorspiel“ des BVB am Nachmittag geprägt sein. Verlieren die Dortmunder tatsächlich unerwartet, dann könnte dies einige zusätzliche Kräfte bei den Bayern frei setzen. Gewinnt der BVB und rückt auf vier Punkte in der Zwischentabelle an die Bayern heran, wird es deutlich mehr ein Nervenspiel. Deswegen: Verliert Dortmund, gewinnt Bayern anschließend und ist schon heute Deutscher Meister. Gewinnt Dortmund, ist – unter den gegebenen Umständen – auch ein 1:1 ein akzeptables Ergebnis … Schaun mer mal 😉

😉

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

13 Kommentare zu „Spitzenspiel gegen den alten Rivalen aus Mönchengladbach – zum heutigen Spiel und ein kurzer Blick in die gemeinsame Geschichte

  1. Cuisance, Hernandez, Perisic, Zirkzee – von den vier Nicht-Stammspielern gestern dürften gestern Cuisance und Zrkzee die beiden besten gewesen sein. Was zeigt uns das?

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    1. Die BILD hat (von Maxi Eberl beeinflusst? 😉 😉 ) Cuisance abgekanzelt.
      Und mit Hernandez sollte man einfach mehr Geduld haben. Er hat verletzungsbedingt eine ganz ganz schwierige Saison hinter sich. Dann hat er keine feste Position, sondern muss zwischen linker Defensive und IV hin- und her pendeln. Ich erinnere mich noch bestens an das Statement von Diego Simeone im letzten Jahr: Der hat Lucas aus Atlético-Sicht als wesentlich schmerzhafteren Abgang als Griesmann bezeichnet. Er wird noch zeigen, was er kann.

      Von einem (schwierigen) Spiel auf das große Ganze zu schließen, halte ich für keinen adäquaten Ansatz.

      Auch Perisic hat einen wichtigen Beitrag zum 8. Titel in Serie geleistet, sollte man auch nicht vergessen.

      PS: Ich hätte gestern lieber OBM als Otschi gesehen. Aber der sympathische Otschi hat damit wohl auch ein (Meisterschafts-)Abschiedsgeschenk bekommen.

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      1. Schließe mich hier weitestgehend der FCB Total Seite an.

        Spätestens seit der Amtsübernahme von Hansi Flick spielen die Bayern trotz extrem dünnen Kader eine Klassesaison. Trotzdem greifen sich die Medien und die eigenen Fans immer wieder eigene Spieler heraus, um diese nieder zu machen.

        PS: Leidtragende des sehr kleinen Profikaders sind heute einmal mehr die Amateure )-:

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    2. Mir ging’s um Folgendes: Ein teurer Spieler ist nicht automatisch besser. Wir haben diese Saison eine unglaubliche Qualität bei den Jungprofis und im Nachwuchs. Was ja auch einiges kostet. Es wäre ziemlich falsch, einem Cuisance jetzt einen Havertz vor die Nase zu setzen, und am Ende spielt dann doch Müller. Das Ziel solle jetzt schon sein, den einen oder anderen aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft einzubauen.

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      1. Das FCB Campus ist tatsächlich so etwas wie ein „Corona-Gewinner“. Viele der U19-Jungs (Musiala sogar noch U17) konnten sich bei den Amateuren bewähren und nicht wenige haben (wenn auch fast ausschließlich auf der Bank) schon BL-Luft geschnuppert.

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  2. Zum Tipp von FC Bayern Total: Klasse antizipiert – auch wenn dann aus dem 1:1 noch ein 2:1 wurde. Darüber sind wir aber alle nicht unglücklich, oder? 😉

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  3. Zu den beiden Franzosen:
    Dass Gladbach Cuisance so schnell, bereitwillig und geräuschlos hat gehen lassen, lag wohl weniger an seinen vorhandenen Fähigkeiten. Die lachen sich doch heute noch kaputt, so eine Ablöse bekommen zu haben, für jemanden, den sie sowieso loswerden wollten.
    Tja, und Hernandez? Die erwähnte „Geduld“ bringe ich gerne auf, aber leider hat man bei dem einen oder anderen Spielern von Anfang an den Eindruck, dass das nichts mehr wird. Klar, ich hoffe auch das Beste. Aber ich fürchte, das wird nichts mehr. Wenn ihn Brazzo für 25 Mio nach San Sebastian oder Sevilla verscherbelt bekommt, können wir froh sein.

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    1. Ich bin da wesentlich optimistischer.

      Zu Lucas Hernandez habe ich ja schon weiter oben einiges geschrieben. Und man sollte um Himmels Willen nicht denselben Fehler wie bei Renato Sanches machen.

      Die Begleitumstände von Cuisance´s Abgang aus Gladbach beschreibst du jetzt aber auf die ironische Art und Weise („schnell, bereitwillig und geräuschlos“). 😉 Rumpelstilzchen Eberl und Rose haben sich darüber ziemlich aufgeregt, was ein Beleg dafür ist, dass man mit dem Spieler noch so einiges vor hatte.

      Hansi Flick ist für solche Spieler genau der richtige Trainer.

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      1. Das war keineswegs ironisch gemeint. Noch einmal: Die stellen immer noch jeden Tag eine Kerze auf, dass der weg ist.
        Einen zweistelligen Millionenbetrag einkassiert, für einen, der eine Handvoll Bundesligaspiele hatte und den man sowieso loswerden wollte, ist aus deren Sicht ein Geschenk.

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      2. @ Martin:
        Ich habe das auch ganz anders in Erinnerung. Eberl hat sich beim Wechsel von Cuisance fürchterlich aufgeregt. Das beweist doch eher, dass ihm der Abgang nicht gefallen hat. Wenn man heilfroh über so einen Abgang ist, dann verhält man sich ruhig und genießt im Stillen.

        Und 2-stelliger Mio-Betrag: Kolportiert wurden 10 Mio EURO … das ist heute eher ein Schnäppchen.

        Zudem: Die „Handvoll Bundesligaspiele“ waren eher SIEBEN Hände voll (35!). Tatsache ist, dass er als 18-Jähriger in seiner ersten Profisaison bei Gladbach (2017-18) davon 24 gespielt hat und soweit ich mich richtig erinnere, sogar „der Spieler der Saison“ im Borussentrikot war. Also: so ganz gerne hat man ihn sicher nicht abgegeben. Er ist (noch) 20 Jahre alt … und hat seine ganze Fußballkarriere noch vor sich.

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  4. Also, damit wir uns nicht missverstehen: Ich wünsche mir bei jedem Transfer, das es eine Verstärkung ist (und sich die Transfersumme, bzw. das Handgeld bei ablösefreien Spielern idealerweise in einem angemessenen Rahmen bewegt).
    Bei Cuisance würde ich die Hoffnung auch tatsächlich nicht aufgeben. Dass er aber bei Gladbach „nicht mehr willkommen“ war (und das nicht aufgrund seiner sportlichen Leistungen), ist aber ein Fakt.

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    1. Das mag stimmen, liegt aber zum großen Teil an der beleidigten Leberwurst Maxi Eberl. Deswegen ist übrigens dieser für mich nie eine Option für den Sportdirektor/-vorstand-Posten beim FCB (gewesen). In gewissen Bereichen verhält sich der gute Maxi immer wieder kindisch und unprofessionell.

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