INTERVIEW MIT DEM FANCLUB „GRÜNES HERZ“ – EINEM DER ERSTEN BAYERN FANCLUBS IM OSTEN

Sehr schöner Beitrag der Kurt Landauer Stiftung zum Thema Wiedervereinigung

Nachdem wir Euch gestern das schöne Video mit den ersten Bayern-Fans aus der ehemaligen DDR bei einem Heimspiel in München präsentiert haben, möchten wir Euch heute eine solche persönliche Geschichte erzählen. Dazu haben wir mit Kuno Mordhorst, dem damaligen Vorsitzenden und Gründer des FC Bayern Fanclubs „Grünes Herz“ aus Jüchsen in Thüringen, ein kleines Interview geführt.

Ihr habt euren Fanclub 1989 kurz vor der ersten Fahrt nach München gegründet. Wie kam es dazu?

Wir hatten bei uns im Ort einen Tipp-Klub von mehreren Fußballbegeisterten, die sich natürlich auch für das Fußballgeschehen im Westen interessiert haben, vor allem seit der Gründung der Bundesliga 1963. Ich persönlich bin durch den ersten Europacup-Sieg des FC Bayern 1967 in Nürnberg gegen die Glasgow Rangers zum Bayern-Fan geworden. Die Vereinsgrößen um Sepp Maier, Gerd Müller, „Bulle“ Roth und Franz Beckenbauer blieben uns natürlich hier im Osten auch nicht verborgen und sehr viele Leute begannen sich sich für den FC Bayern zu begeistern. Da es natürlich unmöglich war zu DDR-Zeiten einen eigenen Fanclub zu gründen, mussten wir damit bis nach der Wende warten. Am 12. Dezember 1989 gründete ich schließlich mit 7 weiteren FC Bayern-Anhängern den Fanclub „Grünes Herz“. Thüringen wird ja bekanntlich als „grünes Herz“ Deutschlands bezeichnet, daher fiel die Wahl des Fanclub-Namens darauf. Wir waren damit einer der ersten Fanclubs aus der ehemaligen DDR. Bereits kurz nach der Gründung hatten wir ca. 130 Mitglieder, heute ist es noch etwa die Hälfte. Nach der Wende begann ich für unsere lokale Tageszeitung Sportberichte zu schreiben und besorgte mir oft Pressekarten für das Olympiastadion. Dadurch war ich immer nah am Geschehen dran und konnte einige Kontakte zum Verein knüpfen.

Wie habt ihr die Spiele des FC Bayern in der DDR verfolgt oder euch generell über das Vereinsgeschehen informiert?

Wir in Jüchsen hatten das Glück aufgrund der Nähe zur bayerischen Staatsgrenze Westfernsehen zu empfangen. Die Sportschau war da natürlich Pflichtprogramm für uns, sodass wir die Spiele des FC Bayern verfolgen konnten. 1979 reiste ich mit meinem Freund Kurt zum Auswärtsspiel im Europapokal nach Prag, gegen den FC Bohemians. Durch Zufall landeten wir dabei auch noch im selben Hotel wie die Mannschaft. Das war der Wahnsinn für uns, wir suchten dann natürlich gleich Kontakt zu den Spielern und Offiziellen. Uli Hoeneß schenkte uns dann ein paar Wimpel, Schals und Anstecknadeln. Mein Onkel, der im Westen wohnte, schenkte mir kurz zuvor eine Sofortbildkamera, sodass ich auch noch einige Erinnerungsfotos mit Uli Hoeneß und den Spielern um Paul Breitner und Kalle Rummenigge schießen konnte.

Musstet ihr damals aufpassen eure Begeisterung für den FC Bayern zu zeigen?

Natürlich mussten wir aufpassen unsere Begeisterung nicht zu öffentlich zu zeigen. Auch in der Schule bekam man ab und zu komische Fragen gestellt, wo man einen überprüfen wollte. Unsere Spielbesuche im Europacup in Prag und Warschau blieben der Staatssicherheit auch nicht verborgen, jedoch habe ich persönlich keine Konsequenzen zu spüren bekommen. Man musste sich eben etwas geschickt anstellen, meine geschenkten Fanartikel aus Prag habe ich beispielsweise vor dem Zoll auf der Toilette versteckt.

Wie lief die erste Fanclub-Fahrt nach München ab und welche Gefühle kamen dabei in Euch hoch?

Unsere erste Fahrt war zum Heimspiel gegen den Karlsruher SC am 16. Dezember 1989. Mit zwei Autos, eins davon war ein alter Moskwitsch, knatterten wir Richtung München. Natürlich war das ein absoluter Gänsehaut-Moment für uns alle, als wir am Olympiastadion ankamen. An dem Tag war es für die Jahreszeit auch noch relativ mild und das Licht funkelte durch das große Zeltdach. Vor dem Stadion lief uns dann Kommentator Gerd Rubenbauer über den Weg, den ich durch meine Pressetätigkeit bereits kannte. Er sah unser Spruchpräsent und holte spontan sein Kamerateam herbei. Wir gaben Rubenbauer dann das Präsent mit, der es später Manager Uli Hoeneß für uns überreichte. Den Beitrag in der Sportschau schauten wir nach dem Spiel noch in einer Wirtschaft neben dem Stadion, ehe wir uns wieder auf dem Heimweg machten, wo unser Moskwitsch noch eine Panne erlitt.

Wir bedanken uns recht herzlich für das nette Interview und die zur Verfügung gestellten Bilder. Diese stammen vom besagtem ersten Heimspiel gegen den KSC 1989 mit Gerd Rubenbauer und dem Spruchpräsent, aus dem Mannschaftshotel in Prag 1979, sowie vom Bankett nach dem Weltpokal-Sieg in Tokio 2001 und vom Trainingslager 2015 in China mit Philipp Lahm.

Veröffentlicht von gastautorfcbtotal

Gastautoren von FC Bayern Total

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