Das erste Buch zur Fankultur des FC Bayern – Empfehlung für alle Bayernfans

Autor Christoph Leischwitz beschreibt in seinem Buch Mia san die Bayern auf 224 Seiten die Geschichte der Fans, der Fankultur des FCB. Es ist eine sehr vielfältige Geschichte über 120 Jahre, welche in den letzten 50 Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen hat.

Das Buch setzt schon im ersten Jahrzehnt des Vereinsbestehens ein, beschreibt lebhaft das „Fantreiben“ zwischen den Weltkriegen, welches überraschenderweise bereits damals sehr gewalttätig war. Mit den Kuttenträgern in den 1970er-Jahren entwickelte sich zum ersten Mal eine aktive organisierte Fanszene, bereits im Jahrzehnt zuvor gründeten sich die ersten Fanclubs. Dass die FCB-Fanszene aktuell durch einige Ultra-Gruppierungen, deren bekannteste die Schickeria ist, dominiert wird, dürfte den meisten bekannt sein, dass es jedoch mit der „Service Crew“ in den 1980er und 1990er Jahren eine beachtliche Hooligan-Szene und dies in einer außergewöhnlichen, heute schier undenkbaren Konstellation gab, wissen wohl nur ganz wenige Anhänger des Vereins.

Christoph Leischwitz lässt vor allem Fans zu Wort kommen, welche schon sehr lange Zeit dabei sind und facettenreiche Geschichten zu erzählen haben. Mia san die Bayern zeigt dabei zahlreiche bislang unveröffentlichte (Privat-)Fotos, welche sehr authentisch und eindrucksvoll die durchaus außergewöhnliche FCB-Fanszene dokumentieren.

Mia san die Bayern ist tatsächlich das allererste Buch über die Historie der Bayern-Fankultur. Durchaus verwunderlich, gibt es doch solche bereits seit längerem für andere deutsche Fanszenen. Die bekanntesten sind wohl die „Kinder der Westkurve“ (HSV) und „Unser ganzes Leben“ (BVB). Das angebotene Format vom Christoph Leischwitz mag für manchen zwar „überraschend schlank“ sein (224 Seiten, davon wirklich sehr viele Bildmaterial), hat aber den großen Vorteil, dass man sich nicht – wie es vor allem beim „Monumental-Werk“ von den HSV-Fans der Fall ist – frühzeitig langweilt, weil spätestens nach einem Drittel des Buches viele Wiederholungen und Längen auftreten. Mia san die Bayern hat sicherlich nicht den Anspruch, die Fankultur des FCB über 12 Jahrzehnte komplett darzustellen, was bei der Heterogenität der mittlerweile weltweiten Fanszene – u.a. über 50 Millionen Follower auf Facebook – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen wäre, bleibt aber von der ersten bis zur letzten Seite ein kurzweiliges und entspanntes Lesevergnügen. Der Preis von EUR 18,00 ist dafür sicherlich nicht zu hoch angesetzt und wenn man in den aktuellen Corona-Zeiten schon nicht selbst ins Stadion gehen kann, könnte man diese Zeit als FC Bayern Fan sicherlich sehr gut beim Lesen dieses Buches nützen.

https://werkstatt-verlag.de/isbn/9783730705186


Update 4. November 2020

Auf der Facebookseite der Kurt Landauer Stiftung https://www.facebook.com/kurt.landauer.stiftung/ werden 5 Exemplare verlost:

MIA SAN DIE BAYERN -DIE GESCHICHTE DER ROT-WEISSEN FANKULTUR:
VORSTELLUNG UND VERLOSUNG VON 5 BÜCHERN

Zeit wurd’s: Während die Historie des FC Bayern wohl so gut erforscht ist, wie die kaum eines anderen Fussballvereins, hatte sich bisher noch niemand bemüßigt gefühlt, die Geschichte seiner Fanbewegung zu verschriftlichen.

Am Ende war es jetzt mit Christoph Leischwitz keiner aus dem allerinnersten Kern der Szene, sondern ein Bayernfan und Kurvengänger mit journalistischem Background. Das tut seiner Herangehensweise an das Buch auch gut, denn so finden wir kein Opus Magnum mit detaillierten Berichten über alle Auswärtsfahrten der letzten 50 Jahre vor, sondern der Autor nimmt eine recht globale Perspektive auf die diverse und in ihrer Struktur wohl einzigartige Fanlandschaft des FC Bayern vor. Selbstverständlich nimmt er dabei stets auch Fokus auf die in den jeweiligen Jahren tonangebenden Akteure in der Kurve.

Dies führt einerseits dazu, dass die Lesbarkeit auch für den Novizen in Sachen Fankultur stets gegeben ist, andererseits aber auch langjährige Südkurvengänger noch über unbekannte Anekdoten und neue Blickwinkel auf besondere Spiele stolpern dürften.

Wenig überraschend ist das Buch chronologisch aufgebaut. Es beschreibt zu Beginn wie sich die Münchner Fußballbegeisterung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bahn brach. Der Autor hat in den Archiven recherchiert. Er erzählt von zweitägigen Radltouren zum Finalspiel und wilden Tumulten aufgrund schlechter Schiedsrichterleistungen oder angehobener Eintrittspreise.

So richtig los geht es mit dem organisierten Fanaufkommen in München aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus einer „Keimzelle“ in der Westkurve des Grünwalder Stadions bilden sich die ersten Strukturen einer Fanszene. Es folgen Streifzüge durch die Jahrzehnte: Kutten, Fussballrocker, die Hooligankultur, Ultras. Die Fankultur erfindet sich zwar nicht alle paar Jahre neu, sie ist aber alles andere als statisch und verschiedenste Ausprägungen bestehen parallel.

Der Abenteuercharakter der 1970/80er, auch begleitet von Gewalteskapaden, tritt irgendwann in den Hintergrund. Dachorganisationen und Strukturbildung werden für die Fans immer wichtiger.
Leischwitz schafft es dabei geschickt nicht nur die Veränderungen innerhalb der Fanszene aufzuzeigen, sondern auch immer daran zu erinnern, dass auch der Verein – Bezugspunkt des Fanhandelns – sich ebenfalls verändert. So erstaunt es nicht, wenn die Kapitel gegen Ende des Buches auch vermehrt auf Konflikte zwischen der Fankurve und dem Verein eingehen – Global Player vs. Do bin I dahoam.

Trotz des chronologischen Aufbaus schafft es Leischwitz den einzelnen Kapiteln stets noch ein Leitmotiv beizumischen. Mal sind es die Umzüge in ein neues Stadion, die Bedeutung der Europapokalreisen für die Anhängerschaft, der Amateurekult oder ein Exkurs zu den Individualisten und Paradiesvögeln, die in der ganzen Kurve berühmt sind.

„Mia san die Bayern“ lebt davon, dass der Autor die Protagonisten der jeweiligen Fangenerationen auch selbst zu Wort kommen lässt. Einen Veteranen der Südkurve’73 begleitet er quasi sogar durch sein gesamtes bisheriges Fanleben, womit er wiederum geschickt den Wandel der Fussballwelt als Hintergrundthema mitfließen lässt.

Das Buch bleibt trotzdem nicht ganz ohne Schwächen. Um es im gut lesbaren Rahmen von 229 (viele sehenswerte Bilder) Seiten zu halten, sind Verkürzungen und Vereinfachungen mancher Sachverhalte nötig, manche Einordnungen scheinen einem als langjährigem Beobachter des Kurvengeschehens in ihrer Wortwahl etwas unglücklich und ob ein recht ausführlicher Bericht über die Ausschreitungen beim Länderspiel in Rotterdam, wo nur wenige Bayernfans anwesend waren unbedingt ins Buch gemusst hätte, ist auch fraglich, selbst wenn er die Faszination und den erlebten Kick durch Gewalt sehr eindrücklich erklärt.

Aber diese leichten Abzüge in der B-Note sollen keinesfalls eine Kaufempfehlung unsererseits abschwächen. Leischwitz schafft es in locker-flockigem Stil die verschiedenen Fangerationen mit einem roten(!) Faden zu verknüpfen. Das Buch unterhält, informiert und macht sich daher bei einem Preis von 18 Euro bei jedem Bayernfan gut im Bücherregal.

Das Buch könnt ihr hier bestellen:
https://www.werkstatt-verlag.de/isbn/9783730705186

Wir verlosen zudem 5 Bücher! Für eine Teilnahme markiert Ihr in den Kommentaren einfach einen Freund oder eine Freundin, die dieses Buch unbedingt braucht! Los geht’s!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

2 Kommentare zu „Das erste Buch zur Fankultur des FC Bayern – Empfehlung für alle Bayernfans

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