Januar 2021: Die Bayern in der Krise? Eine kurze Analyse

2:3 nach 2:0-Führung in Mönchengladbach – 7:8 n.E. in der 2. Pokalrunde bei Holstein Kiel – die Bayern und ihre Fans raufen sich die Haare, das restliche Fußball-Deutschland frohlockt. Zwei Niederlagen innerhalb von nur fünf Tagen, 2020 gab es im ganzen Jahr nur eine einzige Niederlage – stecken die Bayern tatsächlich in einer handfesten Krise? FC Bayern Total versucht die Situation einzuschätzen.

Eine ganz spezielle Saison

Man muss wohl niemanden erklären, wie diese schreckliche Pandemie unser aller Leben beeinträchtigt und so auch im Speziellen den gesamten Ablauf im Profifußball erschwerend beeinflusst. Ein Blick auf den extrem dicht getakteten Terminkalender vor der Saison ließ bereits Böses ahnen – für den FC Bayern, aber auch für alle anderen europäischen Spitzenmannschaften. So erwarteten viele Experten, Fans und offensichtlich auch Hansi Flick, dass so ein „Einbruch“ sogar noch viel früher kommen müsste.

Motivationsproblem?

Manch „Experte“ mag in den letzten Spielen bei vielen Bayernspielern ein „Motivationsproblem“ erkannt haben. Dies ist vielleicht gar nicht so falsch.

Starten wir aber die Argumentation positiv: Erwartet wurde offensichtlich von vielen „Insidern“ ein wesentlich früherer Leistungseinbruch in der laufenden Saison. Betrachtet man die ab November noch siegreich beendeten Spiele, dann ist dieser bereits zu erkennen. Die Mannschaft hatte quasi bei jedem Spiel das (Motivations-)Problem, ins Spiel zu finden und so geriet man in acht(!) Bundesligaspielen in Folge in der 1. Halbzeit mit 0:1 in Rückstand. Nachdem dieses Team jedoch eine sensationelle Moral und Mentalität hat, gelang es ihr jedes Mal, das Spiel ganz (Sieg, fünfmal) bzw. teilweise (Unentschieden, dreimal) zu drehen. Dass jedoch selbst bei den „Willigsten“ Mentalität und Motivation ihre Grenzen haben, zeigten die beiden Niederlagen: Die Bayern gingen jeweils in Führung und fühlten sich dabei wohl am Ziel – „endlich nicht mehr einem Rückstand nachlaufen“. Um weitere bzw. erneute Nackenschläge zu verkraften, war vor allem ihr mentaler Zustand nicht mehr ausreichend in Takt.

2020 – die Bayern die „Corona-Motivations-Monster“

Im Triple- (Quintuple-) Jahr 2020 gab es wohl weltweit keine Spitzenmannschaft im Fußball, die die Situation mit der Motivation in leeren Stadien besser verarbeitet und verkraftet hat als die Münchner. Der FC Bayern war 2020 der einzige Bundesligist, der nach dem Re-Start in der heimischen Arena immer auf die Unterstützung seiner Fans verzichten musste, trotzdem wurde kein einziges Heimspiel verloren.

Dass der Akku aber irgendwann leer sein musste, war klar. Das Spiel in Kiel war dabei nahezu ein Klassiker. Bei grausigem Wind und Schneefall sich gegen einen über sich hinauswachsenden Underdog zu erwehren, ist alles andere als leicht. Viele Bayernspieler werden sich vielleicht sogar gedacht haben: „Was für eine Sch**** hier, normalerweise sind wir genau in dieser Zeit im Trainingslager in Katar bei mehr als kuscheligen Bedingungen!“

Morgen gegen Freiburg in der eigenen Arena sind die Bedingungen aber besser und der landesweite Hohn und Spott sollten wieder für genügend Adrenalin und Motivation bei allen eingesetzten Bayernspielern sorgen! Weiter, immer weiter!

Pokal-Ausscheiden „ungewollt gewollt“?

Hier noch eine kleine Randbemerkung zum Spiel in Kiel und dem Pokal-Ausscheiden: Dort fehlten u.a. Kingsley Coman und Leon Goretzka. Bei der Trainingseinheit am Freitag zeigten sie sich aber schon wieder voll einsatzbereit für das BL-Spiel gegen Freiburg am Sonntag. Ein Robert Lewandowski wurde in Kiel sehr lange geschont. Ganz offensichtlich lag der Fokus von Hansi Flick viel mehr auf der schweren BL-Begegnung gegen den SC aus Freiburg als auf der Pokalpartie bei den „Störchen“. Und vielleicht vielleicht war das – eigentlich nicht erwünschte – Ausscheiden im Pokal der Schlüssel zu einer wesentlich besseren Ausgangslage in der Meisterschaft und in der Champions League. 2000/01 hat genau das sensationell gut funktioniert! 😉

Die „Neuen“ funktionieren nicht

Ein viel diskutiertes Thema. Aktuell ist es sehr schwer zu beurteilen, ob die Herren Choupo-Moting, Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa tatsächlich nicht „das Bayern-Niveau“ haben, wie von vielen Seiten kritisiert, oder ob es immer noch an der bislang fast nicht möglichen Integration in das nicht ganz so simple FCB-System unter Hansi Flick liegt. Eventuell an beidem. Forderungen von „Bayernfans“, den Neuzugang Leroy Sané baldmöglichst zu verkaufen, kann man jedoch nur mit einem Kopfschütteln quittieren.

Tatsache ist aber auch, dass die Neuzugänge von Flick bislang nicht allzu viele Spielminuten bekommen haben, um die arrivierten Stammkräfte zu entlasten.

„Flick´s Spielidee entschlüsselt“

Schon nach der Niederlage in Hoffenheim Ende September (der ersten nach knapp 10 Monaten!) konnte man dies teilweise in den Gazetten lesen.

Ja, wenn man vor allem die Entstehung der Gegentore, die aktuell fast alle nach demselben Muster fallen, zum Maßstab nimmt, könnte man ganz oberflächlich betrachtet so etwas behaupten.

Schaut man aber etwas genauer hin, dann kann man durchaus auch erkennen, dass es keineswegs daran liegt, dass die Spielidee des FCB entschlüsselt wurde, sondern viel mehr, dass die Mannschaft derzeit nicht in der Lage ist, diese nur ansatzweise so umzusetzen, wie dies speziell im August 2020 der Fall war. Übrigens gab es von einigen Seiten aber selbst damals schon – nach einem 3:0-Sieg im CL-Halbfinale!! – Kritik.

Die öffentliche Frage nach einer „Systemumstellung“ stellt sich folglich nicht. Hansi Flick spricht diesbezüglich auf jeder PK immer von einer „Systemanpassung“. So und nicht anders muss es gehen. Wenn die Spieler hoffentlich bald mental und physisch wieder etwas fitter sind, dann wird die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen.

Prognose FC Bayern Total

Als hoffnungsloser Optimist glaubt man immer an seinen Verein, seine Mannschaft.

Gegen Freiburg werden die Bayern aus vielerlei Gründen die beste Leistung seit Wochen zeigen und auch (souverän) gewinnen.

Das bittere Ausscheiden in Kiel wird sich für den weiteren Saisonverlauf noch als sehr positiv herausstellen. Die Deutsche Meisterschaft geht sowieso nur über die Bayern und in der Champions League gibt es so viele Faktoren, dass man dazu nur sagen kann: Können die Bayern wieder ihre Bestform abrufen, dann zählen sie auch 2021 zu den Topfavoriten.


Titelbild: Von der Homepage des FC Bayern übernommen. Elfmeterschießen am späten Abend bei Schneetreiben und in kurzen Hosen … Ganz ehrlich: schlimmer geht es eigentlich nicht!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Ein Kommentar zu “Januar 2021: Die Bayern in der Krise? Eine kurze Analyse

  1. Wer bitte ist Holstein Kiel und was bitte ist dieser DFB-Pokal? Völlig Wumpe, es zählen nur die Grand Slams.

    Eine Anmerkung zu den Neuen. Ich denke nicht, dass das alles Fehleinkäufe sind. Flick steht aber vor der Aufgabe, sie an die erste Elf heranzuführen. Wenn das in einer Saison ohne Vorbereitung und ohne Winterpause nur über schlechte Spiele geht, dann muss man eben diesen Weg gehen. Flick hat den Kredit im Vorstand, bei der Presse und bei den Fans, auch mal ein paar Niederlagen auszuhalten.

    Allerdings ist wohl Perisic mal wieder auf dem Markt – zuschlagen, der kann verschiedene Positionen spielen.

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