Die Bayern gegen Bielefeld – Fußball-Historie und ein kurzer Blick auf das morgige Spiel

Wenn die Bayern am morgigen Samstagabend am 13. Bundesliga-Spieltag in der heimischen Allianz Arena gegen die Arminia aus Bielefeld antreten, dann tun sie das trotz aller aktuellen Widrigkeiten – wie eigentlich immer in den bislang gemeinsamen 18 Bundesliga-Jahren – als haushoher Favorit. Die Gesamtbilanz spricht eindeutig für die Bayern, es gab insgesamt wenig überraschende und herausragende Ergebnisse – und trotzdem war der einzige Bielefelder Sieg in München der Anfang vom Ende der längsten Präsidentschaft in der Geschichte des FC Bayern.

Historische Bilanzen

Gesamtbilanz (inklusive zweier Pokalsiege, einer in München, einer in Bielefeld):

38 Spiele – 28 Bayernsiege – 5 Unentschieden – 5 Niederlagen  – 82:39 Tore

Heimbilanz FCB

19 Spiele – 15 Bayernsiege – 3 Unentschieden – 1 Niederlagen – 46:19 Tore

Bemerkenswert bei diesen historischen Bilanzen ist, dass es eigentlich keinen einzigen FCB-Sieg gibt, schon gar keinen spektakulären, an den man sich so richtig gut erinnern kann. Obwohl die Bielefelder fast immer ein Abstiegskandidat waren, eine sog. „Fahrstuhlmannschaft“ (bislang sechs BL-Abstiege), gab es nur sehr wenige klare Bayernsiege. Ein 5:0 und ein 6:2 ragen dabei schon heraus.

Spiele mit Erinnerungscharakter

Nur am Rande erwähnt sei, dass Bielefeld als Aufsteiger 1970 das erste Aufeinandertreffen beider Vereine am 3. Oktober 1970 mit einem 1:0 auf der heimischen „Alm“ gewann.

Das „herausragende Spiel“ in der Geschichte der beiden Vereine war leider ein absolutes Negativerlebnis aus Bayernsicht. Am 10. März 1979 zerlegten die Arminen (Trainer Otto Rehhagel!) den FCB im heimischen Olympiastadion vor lediglich 11.000 Zuschauern(!) mit 4:0. (siehe Titelbild)

Die Bayern spielten in jener Zeit keine große Rolle in der Bundesliga. Der große Hoffnungsträger war damals Paul Breitner, der zu Saisonbeginn für eine damalige BL-Rekordtransfersumme von 1,75 Millionen DM von Eintracht Braunschweig (zurück-)geholt worden war.

Die Enttäuschung über den Saisonverlauf war riesengroß. Der heutige Ehren-Präsident Wilhelm Neudecker (amtierend von 1962-1979) drohte nach jenem desaströsen Spiel mit dem bei den Spielern extrem unbeliebten Trainer Max Merkel. Neudecker einigte sich mit den „Anführern“ der Mannschaft (Paul Breitner, Sepp Maier) kurzfristig scheinbar darauf, dass Coach Pal Cernai bleiben dürfe, wenn aus den anstehenden beiden Auswärtspartien drei Punkte (bei der damaligen 2-Punkte-Regelung) geholt werden würden. Jedoch schon nach dem 0:0 in Braunschweig schien sich der heute Ehrenpräsident des FCB nicht mehr an die Vereinbarung halten zu wollen. Die Mannschaft rebellierte – Neudecker schmollte und trat zurück. Die längste zusammenhängende Präsidentschaft – 17 Jahre von 1962 bis 1979 – in der Geschichte des FCB war beendet.

Der Rest ist „legendäre FCB-Geschichte“: Völlig entfesselte Bayern stürmten am darauf folgenden Wochenende den Bökelberg und verpassten beim 7:1 den Gladbachern eine „historische Klatsche“. Die Bayern spielten bis zum Saisonende noch eine gute Serie und landeten auf dem 4. Platz, der die Qualifikation für den UEFA-Pokal bedeutete. Und die Arminia? Soll man vom „Fluch des Siegs“ gegen den FCB sprechen? Nach dem 4:0-Sieg in München lediglich zwei Punkte hinter den Bayern liegend, stieg sie am Ende der Saison als Tabellen-Sechzehnter ab.

Aus heutiger Sicht schier unglaublich: Am 33. Spieltag der Saison 1981/82 gewann der FCB zuhause gegen die Arminia mit 3:2. So weit, so gut. Aber auch für ein Freitagabendspiel und die Gewissheit, dass die Bayern die Saison „nur“ als Tabellendritter beenden würden, war die Zuschauerkulisse von 5000 aus heutiger Sicht ein schlechter Witz. Warum war es überhaupt ein Freitagspiel? Der DFB wollten den Bayern einen Tag länger Zeit zur Vorbereitung auf das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen Aston Villa in Rotterdam geben (alle Europapokalendspiele fanden damals am Mittwoch statt). Die Bayern auf dem Weg zum Triumph in der Königsklasse – und sie werden von den eigenen Fans nicht richtig verabschiedet? Kein Wunder, dass das Finale, wenn auch extrem unglücklich, mit 0:1 verloren ging.

Am 16. September 2006 verloren die Bayern zum letzten Mal gegen bzw. in Bielefeld. Nach einer Länderspielpause sorgte zwar Neuzugang Mark van Bommel früh für die 1:0-Führung, am Ende behielt aber Bielefeld mit 2:1 die Oberhand. Der Anfang vom Ende der aus heutiger Sicht letzten „ganz schlimmen FCB-Saison“, welche in einer heftigen Umstrukturierung im Kader in der Folgesaison mündete. Die folgenden fünf BL-Spiele gegen die Arminia gewann der FCB alle – alle traditionell unspektakulär, dreimal mit 1:0. Am Ende der Saison 2008/09 stiegen die Arminen zum sechsten Mal aus der Bundesliga ab.

11 Jahre später, in der Saison 2019/20, stieg Bielefeld durchaus überraschend wieder in die Bundesliga auf und ebenso überraschend in der vergangenen Saison nicht wieder ab. Die Bayern gewannen das Hinspiel in Bielefeld souverän mit 4:1, mussten sich aber im Rückspiel, dem ersten Spiel kurz nach der gewonnenen Klub-WM in Katar – ersatzgeschwächt und auf Schneeboden in der heimischen Arena – nach zweimaligem Zwei-Tore-Rückstand mit einem 3:3 zufrieden geben.

Zum morgigen Spiel

Nach der Niederlage in Augsburg, den nicht enden wollenden „Corona-Diskussionen“, der gestrigen tumultartigen Jahreshauptversammlung wäre ein positives spielerisches Zeichen der Nagelsmann-Truppe morgen für die gesamte FCB-Familie sehr wünschenswert. Allerdings geht eine Rumpfelf, die noch dazu am Dienstag bei Schneeboden in Kiew ein paar Körner gelassen hat, ins Spiel. Fünf Profis (allen voran Joshua Kimmich) fehlen, fünf sind nach Corona-Erkrankungen bzw. –Quarantäne laut Nagelsmann keine Option für die Startelf.

Tipp FC Bayern Total:  3:1

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: