FC Bayern – Beste Europäische Tormaschine

Undank ist (auch) der (Fußball-)Welt Lohn! Auch wenn sich Nagelsmanns Bayern aktuell in einer etwas schwächeren Saisonphase befinden, bot die Mannschaft in der bisherigen Spielzeit fast ausschließlich ein Offensivspektakel. Kein Team in Europas Topligen schoss in der heimischen Liga und in der Champions League annähernd so viele Tore wie die Bayern. Anstelle sich über diese „Lust am Toreschießen“ zu freuen, kritisieren jedoch die Medien und größere Teile der eigenen Fans permanent die Abwehr.

Torhungrigste europäische Spitzenteams

FC Bayern Total vergleicht dabei die treffsichersten Mannschaften der sechs führenden Ligen in der UEFA-5-Jahreswertung: England – Spanien – Italien – Deutschland – Frankreich – Portugal:

Natürlich muss in diesem Zusammenhang angemerken, dass es auch unter den europäischen Topligen beträchtliche Qualitätsunterschiede gibt. Aber es gibt wohl auch beträchtliche Unterschiede in der taktischen Ausrichtung.

Die Bundesliga scheint die offensivfreudigste, die „wildeste“ Liga zu sein: Torverhältnisse Bayern 74:26, BVB 63:36, Leverkusen 60:39.

In der aktuell weltbesten Liga, der englischen Premier League, scheint dagegen die Dominanz der Gruppe der Topmannschaften am größten zu sein: Torverhältnis ManCity 63:17, Liverpool 64:20. Ein ähnliches Bild in Liga Nr. 6 in Portugal: FC Porto 58:16, Benfica 60:22.

In Italien, etwas überraschend aber auch Frankreich (der Weltklassesturm von PSG!) und aktuell sogar in Spanien, sind die Spitzenvereine wesentlich weniger torhungrig. Es ist noch nicht so lange her, da trafen sowohl Real Madrid (mit CR7), vor allem aber Barcelona mit Messi in jeder Saison weit über 100 Mal ins gegnerische Tor. Davon ist aktuell sogar der königliche Tabellenführer meilenweit entfernt.

Offensivspektakel – eine Bundesligaschwäche?

Wenn man die jüngsten Ergebnisse der Bundesligisten – BVB-Pleite zuhause gegen die Rangers – betrachtet, möchte man dies spontan mit einem „natürlich“ beantworten. Auf den FCB trifft dies jedoch definitiv nicht zu. Die Mannschaft war auch in der Gruppenphase der Champions League das torhungriste Team, auch das Torverhältnis war das eindeutig beste.

Ein kleiner Beleg für das internationale Offensivspektakel der Bayern: Benfica Lissabon hat in dieser Saison in insgesamt 29 Spielen (23 Meisterschaft; 6 CL) 31 Tore kassiert – neun(!) davon in den beiden Partien gegen Bayern (0:4; 2:5).

Nach 30 Saisonspielen (23 BL; 7 CL) haben die Bayern bereits sensationelle 97 Tore geschossen (bei 30 Gegentoren). Nie zuvor in der Nachkriegs-Vereinsgeschichte traf der FCB auf diesem Toplevel besser. Weder die legendäre Mannschaft um Beckenbauer, Müller, Hoeneß & Co., die 1974-1976 dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister holte, noch die Triple-Sieger von 2012/13 und 2019/20. Die bisherige Saisontrefferquote der Bayern ist einmalig in der Klubhistorie.

Ansatzweise in die Bereiche der Bayern kommen in dieser Saison lediglich die beiden englischen CL-Favoriten ManCity (86 Tore in 33 Spielen) und Liverpool (83 Tore in 32 Spielen).

Lewy trifft (fast) wie er will

Die bayerisch-polnische Tormaschine befindet sich schon wieder auf einem exzellenten Weg, den „BL-Torrekord für die Ewigkeit“ von Gerd Müller ein weiteres Mal zu knacken. Wie in der letzten Saison steht er bei sagenhaften 28 Toren nach 23 Bundesligaspielen.

Etwas zum Staunen: Der Pariser „Wundersturm“ mit Mbappé (12 Tore in 23 Ligaspielen), Messi (2/14), Neymar (4/11) und CR7 bei ManUnited (9/22) haben zusammen – in 70 Meisterschaftsspielen – weniger Tore als Lewy geschossen: 28:27! Kaum zu glauben.

Große Kritik an der aktuellen FCB-Defensive

Wie schon einleitend erwähnt, erfreuen sich viel zu wenige eigene Fans am Offensivspektakel der Bayern und kritisieren stattdessen ebenso ausdauernd wie gehässig die eigene Abwehr, speziell die Innenverteidigung. Diese sei nach den „unnötigen Abgängen“ der „Führungsspieler“ Alaba und Boateng in einem erschreckenden Zustand.

Die meisten Kritiker von Upamecano, Hernandez, Süle, Nianzou und Pavard vergessen dabei – absichtlich? – dass die o.g. Abgänge in der letzten Saison mit haargenau denselben Kritiken überzogen wurden. Kurzer „numerischer Vergleich“: Die Bayern haben bislang in 23 Spielen 26 Gegentore in der Bundesliga kassiert. Mit den genannten „Legenden“ waren es in der Vorsaison am Saisonende 44(!) Gegentore.

„Schwächste FCB-Defensive, an die ich mich erinnern kann“

Diesen stellvertretenden Ausspruch kannte man tatsächlich in den Social Media von einem Vereinsanhänger lesen, welcher sicherlich – zumindest gemessen am Lebensalter – schon viele Jahrzehnte als „Fan“ hinter sich haben könnte … Was aber ist mit seinem Gedächtnis?

FC Bayern Total erinnert an das Torverhältnis der Saison …

1968/69: Die erste Doublesaison des FCB, die erste Bundesligameisterschaft. Das Torverhältnis lautete am Ende: 61:31. 31 Gegentore – aus heutiger Sicht (fast) ok – aber wirklich nur 61 selbst geschossene Tore?! Die heutige Fangemeinde empfände die Meisterschaft wahrscheinlich sogar als „unverdient“, „unwürdig“ etc.  😉

1971/72: 101:38 – bis heute noch die Rekordsaison bezüglich der selbst geschossenen Tore.

1973/74: 95:53(!) – dem Team gelang in jener Saison der Titelhattrick, der erste Europapokalsieg der Landesmeister und Deutschland wurde mit der bayerischen Defensive um Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck und Breitner Fußballweltmeister! Der Tabellenzweite Gladbach hatte übrigens am Ende ein Torverhältnis von 93:52.

1974/75: 57:63(!)

1975/76: 72:50(!) Titelhattrick im Europapokal.

1976/77: 74:65 – letzte Saison mit Beckenbauer. Qualifikation für den UEFA-Cup.

1980/81: 89:41 – das beste BL-Jahr von „Breitnigge“.

1981/82: 77:56 – Bundesligadritter, DFB-Pokalsieger, Endspiel Europapokal

1984/85: 79:38 – erste Meisterschaft nach vierjähriger Pause.

1987/88: 83:45 – Jupp Heynckes übernahm die „Hatrick-Mannschaft“ von Lattek und führte sie auf den 2. Platz.

1991/92: 59:61 – das schlechteste BL-Jahr der FCB-Geschichte.

1992/93: 74:45 – die Meisterschaft wurde am letzten Spieltag „verspielt“.

1995/96: 66:46 – Rehhagel scheiterte in München, Beckenbauer gewann mit dem eigentlich glänzend aufgestellten Team zumindest den UEFA-Pokal.

2000/01: 62:37 – das schwächste Torverhältnis, mit dem der FCB jemals die BL-Meisterschaft holte … und kurz darauf den CL-Titel!

2001/02: 65:25 – viel besseres Torverhältnis als im „Superjahr“ zuvor, aber am Ende nur Dritter.

2006/07: 55:40 – der FCB verpasste zum bislang letzten Mal die CL-Quali (als BL-Vierter).

2008/09: 71:42

2011/12: 77:22 – nur 22(!) Gegentore, aber am Ende nicht Meister.

2015/16: 80:17 – die wenigsten Gegentore in der BL-Geschichte, aber waren die Fans mit Peps Bayern nach dem CL-Halbfinal-Aus gegen Atlético wirklich zufrieden?

Fazit

Natürlich reicht die aktuelle Performance des FCB nicht aus, um in der entscheidenden Phase der CL eine Rolle zu spielen. Aber lieber jetzt eine – hoffentlich nicht zu lange – „Krise“ als im April / Mai. Dazu muss man hoffen, dass Neuer, Davies und Goretzka möglichst bald und in „Bestform“ wieder auf den Fußballplatz zurückkehren – und keine weiteren Leistungsträger langfristig ausfallen.

Aber warum kann man sich nicht an der geballten Offensivpower von Nagelsmanns Bayern in dieser Saison entsprechend freuen? Die Devise sollte lauten: immer ein Tor mehr als der Gegner schießen – das gilt sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League, in welcher zudem die umstrittene Auswärtstorregel abgeschafft wurde.

Der FCB hat in seiner glorreichen Geschichte bislang acht große europäische Titel gewonnen. Die BL-Torverhältnisse jener Erfolgsjahre lauteten: 62:47 (1967) – 95:53 (1974) – 57:63 (1975) – 72:50 (1976) – 66:46 (1996) – 62:37 (2001) – 98:18 (2013) – 100:32 (2020). Sieht man sich diese Liste an, dann kann man klar erkennen, dass nicht nur die Defensive Meisterschaften bzw. große Titel gewinnt …

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

4 Kommentare zu „FC Bayern – Beste Europäische Tormaschine

  1. Die Sorge der Fans um unsere Verteidigung ist meiner Meinung nach berechtigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Mannschaften wie Liverpool, City, Chelsea oder PSG schlagen können, wenn die Abwehr so ​​unsicher spielen wird. Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Trophäen.

    1. Es scheint so, als wäre meine Message nicht (wirklich) bei dir angekommen 😉

      Die ganze Mannschaft ist aktuell nicht in CL-Sieger-Form. Aber besser jetzt einen Durchhänger als zu Guardiolas (Un-)Zeiten (April, Mai) …

      Die genannten Spieler müssen unbedingt in (sehr) guter Form zurück kommen. Auch wenn z.B. viele meinen, dass Ulreich bislang keine (großen) Fehler gemacht hat, kenne ich doch auch einige Fans, die sich sicher sind, dass Neuer in Bochum / Salzburg den einen oder anderen Ball gehalten hätte. Nicht weil Ulle schlecht wäre, aber Manuel ist DER BESTE. Und Neuers Spieleröffnung ist einmalig – da kommt überhaupt kein Torwart weltweit mit.

      Und am wenigsten scheint mein letzter Absatz – mit den international erfolgreichsten FCB-Teams der Geschichte – angekommen zu sein: Nur die 2013er Triple-Sieger waren defensiv signifikant besser, die meisten anderen sogar wesentlich schlechter (unsicherer) …

      Alle europäischen Topmannschaften /CL-Aspiranten haben ebenso wie der FCB Schwachstellen … und sind alles andere als unbesiegbar. Nachdem die Bayern Chelsea 2020 (Februar und August) noch auseinander genommen haben (Gesamtscore 7:1!!), wer hätte gedacht, dass gerade Chelsea die CL 2021 gewinnen würde (9 Monate nach der 2. Demütigung in München) …

      Der CL-Titel ist immer nur ein Kann-Titel (wenn alles perfekt läuft), nie ein Muss-Titel … das gilt für alle Favoriten.

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