Tanguy Nianzou – die IV-Zukunft des FC Bayern?

Der französische Juniorennationalspieler Tanguy Nianzou kam im Sommer 2020 ablösefrei von PSG zum FC Bayern. Damals wurde er als eines der größten Abwehr-Talente Europas gefeiert. Viele Verletzungen, aber auch Corona, warfen ihn in seiner Entwicklung zurück, nicht wenige zweifelten bereits an seinen Fähigkeiten. Aufgrund der kurzfristigen Ausfälle von Niklas Süle und Benjamin Pavard kam er am Samstagabend gegen Union zu seinem insgesamt 18. Bundesligaeinsatz für den FCB, seinem zweiten Startelfeinsatz in dieser Saison, erzielte dabei das wichtige 2:0 per Kopfball und konnte insgesamt überzeugen.

Julian Nagelsmann zufrieden mit der Leistung von Tanguy

„Mit Tanguy war ich insgesamt sehr zufrieden. Man sieht, dass er einen sehr guten Charakter hat, dass er alles reinwirft. Er hat eine unglaubliche Aggressivität und eine Winner-Mentalität, die schon außergewöhnlich ist“.

„Als Trainer hat man immer die Hoffnung, dass er nahezu fehlerfrei spielt, aber das kannst du nicht erwarten, wenn du ihm so wenig Spielzeit gibst. Du bist als Trainer schon ein bisschen selbst verantwortlich.“

„Er ist unglaublich kopfballstark, wahrscheinlich unser stärkster Kopfballspieler“.

Statement Joshua Kimmich – „Auffressmodus“

Nianzous Teamkollege Kimmich schloss sich dem Lob des Trainers an und dehnte dies auch auf den zuletzt hart kritisierten Dayot Upamecano aus:

„Ich fand es gut von den beiden. Es hat sich relativ sicher angefühlt, die beiden hinter sich zu haben. Sie waren im Auffress-Modus.

Die Bayern blieben gegen Union (erst) zum dritten Mal im Jahr 2022 ohne Gegentor, nach ein paar Wacklern zu Beginn der Partie steigerte sich das Innenverteidiger-Duo des FCB im Minutentakt. Dass es dabei zum Teil auch einigermaßen rustikal zuging, erfreute Nagelsmann sicherlich, hatte er doch sinngemäß vorgegeben, dass die Bälle gerne auch einmal auf der Tribüne landen dürften und nicht jede Situation spielerisch gelöst werden müsste. Pep Guardiola wäre zum Rumpelstilzchen geworden. Nicht wenige Fußballfans sind dagegen erleichtert, dass Nagelsmann an einige Grundregeln des Fußballs erinnert.

Vertrag bis 2024 – Ausleihe im Sommer?

Nachdem der 19-jährige Franzose sich am Samstag wieder einmal etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit spielen konnte, spekulierten die Boulevardmedien tags darauf bereits, wie es mit ihm weitergehen könnte. Weil Nagelsmann in Anbetracht des Abgangs von Niklas Süle nach dieser Saison ein Nachrüsten auf der Innenverteidigerposition fordert, wurde mit einem Abgang bzw. einer Ausleihe Nianzous spekuliert, um ihm mehr Spielpraxis zu verschaffen. FC Bayern Total schlägt einen anderen Weg vor.

Tanguy Nianzou – ab Sommer mehr Einsätze für den FCB?

Innenverteidiger, nicht nur beim FC Bayern, sind erfahrungsgemäß Spieler, die aufgrund ihrer Position und Spielweise häufig ausfallen – verletzungsbedingt, gesperrt. Selten schafft es eine Mannschaft, wie es z.B. in früheren Zeiten bei Franz Beckenbauer und Katsche Schwarzenbeck der Fall war, dass ein „Stamm-Duo“ einen längeren Zeitraum gemeinsam durchspielt. Vier, fünf ähnlich starke Innenverteidiger sind erforderlich. Bei Bayern sind dies aktuell Niklas Süle, Dayot Upamecano, Lucas Hernández, Benjamin Pavard – und Tanguy Nianzou. Die beiden französischen Weltmeister Hernández und Pavard können auch die Außenpositionen einnehmen. Süle wird durch einen Neuzugang – hoffentlich adäquat –ersetzt, Tanguy sollte in München bleiben und mehr spielen.

„Er ist unglaublich kopfballstark, wahrscheinlich unser stärkster Kopfballspieler“

Julian Nagelsmann war wenig überrascht vom Kopfballtor des jungen Franzosen, die Fans vielleicht etwas mehr, hatte man bislang doch so wenig von ihm gesehen.

Sollte dieser Ausspruch des Bayerntrainers den Tatsachen entsprechen, woran es keine Zweifel geben sollte, dann ist dies ein ganz großes Argument pro Tanguy. Diese Qualität vermisst der FCB nämlich seit einiger Zeit.

Mats Hummels (1,91m) und Jerome Boateng (1,90m) waren zu ihren besten Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes „Türme in der Schlacht“ – hinten die Lufthoheit haben, vorne treffen. Dass Pep Guardiola – wenn auch aus der Not geboren – 2016 im Frühjahr mit den „Zwergerln“ (zumindest für IV-Maßstäbe) Joshua Kimmich (1,77m) und David Alaba (1,80m) agierte, war seiner speziellen Spielauffassung geschuldet (s.o.).

Vom aktuellen Kader haben weder Dayot Upamecano  (1,86m) noch Lucas Hernández  (1,84m) noch Benjamin Pavard  (1,86m) Gardemaß. Niklas Süle hätte es mit seinen 1,95m, ist aber mit 99kg definitiv zu schwer, um im Strafraum die Lufthoheit zu gewinnen. Durchaus ein aktuelles FCB-Manko.

Tanguy Nianzou ist dagegen mit 1,91m und 85kg der prädestinierte Kopfballspezialist, wenn noch die Technik dazu kommt, wie es offensichtlich der Fall ist.

Ein Innenverteidiger mit Kopfballschwäche geht eigentlich gar nicht. Anschauungsmaterial lieferte gestern el Clásico: Der Ex-Bayer Alaba ständig zu klein und mit schlechtem Timing …

Tanguy Nianzou – die IV-Zukunft des FCB!


Titelbild: Tanguy Nianzou im Trainingsduell mit seinem Landsmann Kingsley Coman

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

3 Kommentare zu „Tanguy Nianzou – die IV-Zukunft des FC Bayern?

    1. Bleiben wir mal positiv.
      Er ist auf alle Fälle der fehlende Kopfballspezialist und seine Trainingsleistungen sind durchaus auch ansprechend.

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