Bayerisch-schwäbisches Derby in München – Fußball-Historie

Morgen Nachmittag trifft am 29. Bundesligaspieltag der FC Bayern als eigentlich souveräner Tabellenführer auf den schwäbischen Nachbarn FC Augsburg. Während die Fuggerstädter sich mit zwei Siegen in Folge als nun Tabellen-13. etwas Luft im Abstiegskampf verschafft haben, kann man gespannt sein, wie der FCB in der heimischen Arena mit der ernüchternden Pleite in Villarreal umgeht.

Vor dem Spiel wirft FC Bayern Total einen Blick auf die Fußballgeschichte, die den FC Bayern mit dem „kleinen Fußballnachbarn“ verbindet. Obwohl der FC Augsburg erst 2011 in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, gibt es zwischen ihm und dem FC Bayern eine wesentlich ältere Geschichte als z.B. zwischen dem FCB und dem BVB, welche erst 1965 zum ersten Mal aufeinander getroffen sind.

Der heutige FC Augsburg ist 1969 aus der Fusion vom TSV Schwaben Augsburg und dem BC Augsburg entstanden. Der 1907 gegründete BC gilt dabei als direkter Vorgänger des FC Augsburg, weswegen 1907 auch als Gründungsjahr des FCA genannt wird.

Während der FC Bayern noch in seinem Gründungsjahr 1900 die Vorherrschaft im lokalen Fußball übernommen hatte, gab es in Augsburg bis zum Beginn der 1920er Jahre stärkere Vereine als den BC oder Schwaben Augsburg. So hießen die ersten Bayerngegner aus Augsburg, wenn es um regionale Meisterschaften ging, MTV Augsburg und TV 1847 Augsburg.

Am 12. September 1920 spielten die Bayern erstmals in der Kreisliga Südbayern (damals die höchste Liga) gegen den BC Augsburg und gewannen ihr Heimspiel an der Leopoldstraße mit 7:2. Das Rückspiel zwei Monate später in Augsburg endete mit einem torlosen Unentschieden.

Bayernplatz Äußere Leopoldstraße, Spiel von 1910

Drei Jahre später kam es zu den ersten Begegnungen mit Schwaben Augsburg in der Bezirksliga Bayern (ebenfalls die zu dem Zeitpunkt höchste Spielklasse) und beide Spiele endeten mit einem 5:2 für die Bayern. Das Rückspiel in München am Dreikönigstag 1924 wurde übrigens auf dem Teutonia-Platz am Oberwiesenfeld ausgetragen.

Teutonia-Sportanlage

In den nachfolgenden Jahrzehnten waren jene beiden Vereine die Augsburger Protagonisten, wenn es zu „kleinen Lokalderbys“ zwischen den bayerischen Schwaben und dem FC Bayern kam. Die Vorherrschaft im Augsburger Fußball wechselte bis in die 1930er und 1940er Jahre ständig zwischen diesen zwei Vereinen, welche auch Gründungsmitglieder der nach dem 2. Weltkrieg neu geschaffenen Oberliga Süd waren. In den 18 Oberliga-Jahren waren beide Vereine permanente Gegner des FCB, auch wenn man vor allem den BC Augsburg als „Fahrstuhlmannschaft“ bezeichnen konnte.

Beide Vereine trugen damals ihre Heimspiele im Rosenaustadion aus, genau dort, wo auch die Bayern ihr wichtigstes Spiel, welches sie jemals in Augsburg gespielt haben, spielen sollten: Das Pokalfinale am 29. Dezember 1957 vor 44.000 begeisterten Zuschauern. Die Bayern gewannen damals auf Schneeboden gegen die eigentlich favorisierte Fortuna aus Düsseldorf mit 1:0 und holten ihren ersten von mittlerweile 18 DFB-Pokalsiegen. Der Torschütze hieß damals Rudi Jobst.

Die letzte Oberliga-Saison 1962/63 schlossen die Schwaben als Vorletzter und der BC als Letzter ab. Nachdem aber der FC Bayern – aus sportpolitischen Gründen – auch nicht zu den Bundesliga-Gründungsmitgliedern zählte, spielte man 1963/64 wieder zusammen in einer Liga: In der Regionalliga Süd, eine der fünf Zweiten Ligen der damaligen Zeit. Am Ende der Saison stieg der BC Augsburg in die Drittklassigkeit ab, Schwaben Augsburg zählte dagegen als Vierter zu den Regionalliga-Spitzenteams – und der FCB schaffte es als hoher Favorit nicht, sich in der Aufstiegsrunde für die Bundesliga zu qualifizieren. Dies gelang erst ein Jahr später.

In den folgenden 46 Jahren, bis zum Aufstieg des FCA in die Bundesliga im Jahr 2011, gab es im Männerbereich kein Punktspiel mehr zwischen der ersten Mannschaft des FC Bayern und einer Augsburger Fußballmannschaft. In jener Phase kristallisierte sich eher eine gewisse Rivalität zwischen dem FC Augsburg und dem TSV 1860 heraus.

Am 7. Oktober 1983 kehrten die Bayern dennoch wieder an den Ort ihres ersten Pokal-Triumphs zurück. In der 2. Runde des DFB-Pokals wurde der FC Augsburg, der in der Saison zuvor in die Bayernliga (damals 3. Liga) abgestiegen war, mit 6:0 aus dem eigenen Stadion gefegt. Zu den Torschützen des FCB zählte u.a. Kalle Rummenigge und am Ende der Saison gewann der FC Bayern zum siebten Mal den Pokal.

Nachdem der FC Augsburg nach der Saison 1999/2000 sogar für zwei Jahre viertklassig gespielt hatte –  während die Bayern genau in jener Phase die Champions League gewannen – gelang ihm in den folgenden neun Jahren der Durchmarsch bis in die 1. Bundesliga.

Seitdem gab es drei Pokalspiele, welche die Bayern alle gewonnen haben, und 21 Bundesliga-Duelle: 16 Bayern-Siege stehen drei Augsburger Erfolgen bei zwei Unentschieden gegenüber, und dies bei einem Torverhältnis von 52:17. Einen dieser drei Siege erzielten die Augsburger allerdings durchaus überraschend im Hinspiel (2:1).

Die BL-Heimbilanz des FCB gegen den FCA lautet: 8 Siege / 1 Unentschieden / 1 Niederlage – Torverhältnis 27:6.

Die einzige Heimniederlage gegen die Fuggerstädter erlitt der FC Bayern am 9. Mai 2015: Die Meisterschaft war längst eingefahren und Pep Guardiola schraubte wie auch im Jahr zuvor das Bundesliga-Engagement seiner Truppe ganz stark herunter. Die 0:1-Niederlage lag direkt zwischen den beiden CL-Halbfinalspielen gegen Barcelona. Pep schonte gegen Augsburg einige Stammkräfte, darunter auch Manuel Neuer. Nach dem Platzverweis seines Stellvertreters Pepe Reina wurde der heutige FCB-Kapitän jedoch schon in der 13. Minute (für Philipp Lahm!) eingewechselt und hielt sogleich den Foulelfmeter von Paul Verhaegh. Die Niederlage der numerisch dezimierten und insgesamt wenig inspirierten Münchner konnte er letztendlich aber auch nicht verhindern. Als Augsburg in der 71. Minute in Führung ging, wechselte Guardiola Lewandowski und Müller (u.a. für Rafinha!) aus. Die beiden trafen zwar drei Tage später beim 3:2 gegen Barca, die Bayern schieden trotzdem aus. Peps Gedankenspiele in der Schlussphase der Saison gingen abermals schief.

Zur Erinnerung: Die damalige Heimniederlage gegen den FCA war eine von drei BL-Niederlagen in Serie im Mai 2015. Sie betteten das Ausscheiden gegen Barcelona ein. In der Rückrunde 2014/15 erlitten Peps Bayern satte fünf Niederlagen!

Das letzte Heimspiel am 34. Spieltag 2020/21 gewannen die Bayern mit 5:2. Eigentlich ging es in dem Spiel nur darum, ob Robert Lewandowski den Torrekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 wird brechen können. In der buchstäblich letzten Saisonminute gelang ihm das: 41 Saisontreffer – legendär!

Tipp FC Bayern Total für morgen: 2:1 für den FC Bayern.

Augsburg wird ein unangenehmer Gegner sein. Nach dem Wechseltheater von Freiburg müssen die Bayern das Spiel gewinnen, werden aber Villarreal im Hinterkopf haben. Sehr vorteilhaft wäre ein äußerst konzentrierter Spielbeginn mit möglicherweise frühen Toren – dann sei Nagelsmanns Truppe der Verwaltungsmodus gestattet 😉

Titelbild: Prächtige Ganzstadion-Choreografie anlässlich des 120. Geburtstags des FCB am 8. März 2020. Ein leider im negativen Sinne geschichtsträchtiges Fußballdatum: Das letzte Heimspiel vor der Corona-Pandemie. Eine über zwei-monatige Spielpause folgte.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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