Die Bayern spielen eine glänzende Bundesligasaison – und fast keiner bekommt es mit!

…. bzw. will es so sehen …

Aus Sicht der aktuellen FCB-Mannschaft möchte man fast sagen, dass sie in den vergangen 10 Jahren zu ihrem eigenen Leidwesen extrem hohe Maßstäbe gesetzt hat, an welchen sie selbst immer wieder gnadenlos gemessen wird. Speziell in dieser Saison haben Verein, Mannschaft und einzelne Spieler immer wieder neue Bundesliga- aber auch internationale Rekorde gebrochen – läuft es einmal ein paar Wochen weniger optimal, scheint dies bei Medien und Fans komplett vergessen zu sein.

Dass die Bayern auf dem besten Weg sind, einen in Europas Topligen einmaligen Bestwert von 10 Titeln in Serie aufzustellen, scheint aktuell eher ein Malus als etwas absolut Besonderes zu sein. Wie müssen sich Spieler wie Manuel Neuer und Thomas Müller fühlen, die seit dem Start zu dieser Rekordserie dabei sind? Denn nicht Bewunderung begleitet diese Rekordserie, es sind vielmehr Äußerungen wie „nicht die Bayern sind so stark, die anderen Teams sind so schwach bzw. unbeständig.“ Aber diese Beständigkeit ist eben gerade die Stärke der Bayern seit 10 Jahren und länger!

Triple – Double – Single …hahaha

Zum ersten Mal musste man sich diesen Blödsinn 2015 noch von Fans anderer Farben anhören: Nach dem bis dahin in der Vereinsgeschichte einmaligen Triple 2013 holte man 2014 das Double („gerade noch akzeptabel!“) und „nur“ die Meisterschaft 2015 war fast schon eine Witznummer. Zwei Jahre nach dem zweiten Triple der Vereinshistorie scheint dieser Wahnsinn nun schon die eigenen Fans angesteckt zu haben. Nur kurz als Randinfo: Das große Real Madrid hat ins seiner ruhmreichen Geschichte noch kein einziges Triple erzielt!

Blick auf die Historie

Die Bayern haben von bisher 58 ausgespielten Bundesligameisterschaften 30 gewonnen (obwohl sie erst zwei Jahre nach der Gründung ins deutsche Fußballoberhaus aufgestiegen sind) – ein überragender Wert. Der beste in allen europäischen Topligen.

Von 1966 bis heute haben die Bayern zudem 19 Mal den DFB-Pokal gewonnen und sind mit insgesamt 20 nationalen Pokalsiegen mit riesigem Abstand Rekordpokalsieger. Seit 1966 haben die Rothosen somit durchschnittlich jedes dritte Jahr den Cup geholt. Dabei sollte man nicht vergessen, dass es dabei aber immer auch große Durststrecken gab: Kein Pokalsieg zwischen 1971 und 1982, keiner zwischen 1986 und 1998.

Den Europapokalsieg der Landesmeister bzw. die Champions League haben die Bayern bislang sechsmal gewonnen (1974-76; 2001; 2013; 2020) und liegen damit auf Rang 3 der ewigen Tabelle hinter Real Madrid (13) und dem AC Milan (7). Madrid gewann übrigens bereits 6 der 13 Titel (1956-66) bevor sich der FCB zum ersten Mal für den Landesmeistercup qualifizieren konnte.

Trotz dieser überragenden Anzahl an Titeln ist es also immer noch etwas besonderes, wenn man mehr als „nur“ einen Titel in der Saison holt. Das sollte nie und nimmer vergessen werden. Die Meisterschaft war, ist und bleibt für immer der ehrlichste Titel. In Pokalwettbewerben kann man schon einmal aufgrund einer suboptimalen Tagesform (diese Saison in Gladbach und Villarreal) überraschend ausscheiden, auch gegen Teams, die vom Potenzial grundsätzlich weit unter dem eigenen anzusiedeln sind.

„Die Bayern nicht so stark, die anderen so schwach bzw. unbeständig“

Dieses Argument hat man von einer Vielzahl von FCB-Fans auf die aktuelle Bundesligatabelle serviert bekommen, welche den FCB nach 30 Spieltagen mit 72 Punkten und überragenden 89:29 Toren als souveränen Tabellenführer ausweist – 9 Punkte vor Dortmund. Tenor: FCB mittelmäßig, BVB schwach und zu unbeständig, Leipzig in der Hinrunde katastrophal.

Ein Blick auf die Bundesligageschichte zeigt jedoch, dass die aktuell BL-Bilanz der „Nagelsmänner“ eine ausgezeichnete ist, wenn man die vergangenen 58 Jahre betrachtet. Die Wahnsinnsbilanzen der Bayern der vergangenen neun Jahre haben jedoch die Sinne etwas getrübt.

Dazu ein paar Statistiken:

  • Nur ganze fünf von den 28 BL-Meistern, die nicht FC Bayern hießen, hatten am Saisonende, d.h. nach 34 Spieltagen, mehr als 72 Punkte (1963/64; 1964/65 und 1991/92 wurden auf 34 Spieltage umgerechnet).
  • Selbst die Bayern feierten in 11 von 30 Fällen Meisterschaften mit einer schwächeren Bilanz als die aktuellen Bayern nach nur 30 Spieltagen.
  • Rechnet man die aktuellen 72 Punkte mit dem bisherigen Punkteschnitt hoch, kämen die Bayern am Saisonende auf 82 Punkte. Nur sie selbst – 2012/13 – 91 Punkte; 2013/14 – 90; 2015/16 – 88; 2017/18 – 84 – hatten vier Mal einen höheren Punktewert.
  • Mit den nun geschossenen 89 Toren haben die Bayern immer noch den legendären Torrekord aus der Saison 1971/72 mit 101 geschossenen Toren im Blickfeld.

Die Bundesliga ist nach wie vor eine Topliga

In der UEFA-Rangliste liegt die deutsche Eliteliga derzeit auf Rang 4 hinter England, Spanien und Italien. Mit dem Streichen des aus BL-Sicht sehr schwachen Resultats der Saison 2017/18 rückt sie zu Beginn der kommenden Saison auf Rang 3 vor die Serie A. Eine „ganz schwache Liga“ sieht anders aus. Dies bewiesen zuletzt international auch Eintracht Frankfurt und RB Leipzig.

Es ist schade, dass die Bayern nicht im CL-Halbfinale stehen, wohin sie nach der Summe der gezeigten Saisonleistungen auf alle Fälle gehören würden. Saisontiefpunkt zum schlechtest möglichen Zeitpunkt – das ändert aber nichts an einer insgesamt souveränen Meisterschaft – dem ehrlichsten Titel!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

3 Kommentare zu „Die Bayern spielen eine glänzende Bundesligasaison – und fast keiner bekommt es mit!

  1. Obwohl mir das Ausscheiden aus Pokal und Champions-Liga auch weh tat, bin ich zufrieden mit meinem FCB und stolz seit 1967 ein treuer Fan zu sein ☝️ ✌️🍀🍀🍀👍

    1. Auch in der Rückrunde gab es starke Leistungen: 4:0 in Köln, 4:1 bei Hertha, das 3:2 gegen RB – die einzige Niederlage der Leipziger in 2022, das 1:0 in Frankfurt (hätte viel höher ausfallen müssen), die ersten 30 Minuten gegen Leverkusen, 4:0 gegen Union (Ergebnis natürlich zu hoch), das 7:1 gegen Salzburg, das 4:1 in Freiburg (v.a. die 2. Halbzeit).

      Insgesamt bleibt Fußball aber natürlich ein Ergebnissport. Von den Milanfans will heute keiner mehr wissen, wie die meisten Europapokalsiege errungen wurden … 😉

      PS: Und ja, natürlich war die Hinrunde insgesamt besser!

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