Legendäre FCB-Geschichte – mit einem 6:0-Sieg gegen Gladbach zum deutschen Rekordmeister

Am 26. April 1986 kam es zu einem denkwürdigen Meisterschaftsfinale im Fernduell Bayern (zuhause gegen Borussia Mönchengladbach) gegen Werder Bremen (beim VfB Stuttgart), an dessen Ende der FCB mit dem damaligen deutschen Rekordmeister, dem 1. FC Nürnberg, mit neun Titel gleich zog. Die Bayern waren die gesamte Saison 1985/86 bis zum letzten Spieltag nie auf dem ersten Platz gelegen und Werder, welches mit 2 Punkten Vorsprung aber dem schlechteren Torverhältnis gegenüber den Bayern in das Saisonfinale ging, hätte vier Tage zuvor beim direkten Duell in Bremen den Sack zumachen können. Michael Kutzop war aber kurz vor Spielende mit einem unberechtigten Handelfmeter am rechten Außenpfosten des von Jean-Marie Pfaff gehüteten Tores gescheitert – das Spiel endete 0:0.

Die Ausgangslage war somit klar: Die Bayern mussten gewinnen und auf einen Sieg des VfB gegen Bremen hoffen. Bei strahlendem Sonnenschein in München erwischten die Bayern einen Traumstart – Lothar Matthäus erzielte bereits in der 1. Spielminute das 1:0. Der wohl noch größere Torjubel brach jedoch im Olympiastadion aus, als Karl Allgöwer für Stuttgart in der 22. Minute im Neckarstadion ebenfalls die 1:0-Führung erzielte. Hunderte von mitgebrachten Transistorradios verbreiteten die frohe Kunde wie ein Lauffeuer und als man die 1:0-Führung auf der Anzeigentafel sehen konnte, explodierte das Stadion nahezu. Kurz darauf das 2:0 in München: Dieter Hoeneß verwandelte das Olympiastadion in ein Tollhaus (25.), welches es (fast) bis zum Schlusspfiff bleiben sollte.

Zur Halbzeit war in München klar, dass die Meisterschaft in Stuttgart entschieden werden würde, der FCB beherrschte die Borussen zu eindeutig, als dass hier etwas passieren konnte. Roland Wohlfarths 3:0 kurz nach der Halbzeit bestätigte diesen Eindruck. Was aber passierte zeitgleich in Stuttgart? Karl Allgöwer legte in der 52. Minute zum 2:0 nach! Das Olympiastadion tobte! War das schon die Entscheidung im Meisterschaftskampf?

Die Bayern spielten wie im Rausch – der VfL in der Statistenrolle – 4:0 Dieter Hoeneß (58.), 5:0 Reinhold Mathy (64.) …  „Oh wie ist das schöööön…!“

Dann kam die Kunde vom 3:0 in Stuttgart – was ist die Steigerung von „Ekstase“? Leider war dies eine Fehlinformation – sogar auf der Anzeigentafel im Olympiastadion. Stattdessen kurz darauf die Ernüchterung: Manfred Burgsmüller verkürzte für Bremen auf 1:2 (79.). Alle in München waren plötzlich unter Schock, Roland Wohlfarth erzielte kurz darauf noch das 6:0, aber dieses schöne Tor ging in der Angst, den Titel doch noch zu verlieren, fast unter …

Alle Ohren an den Transistorradios – Fans, Funktionäre, selbst die FCB-Spieler auf dem Feld. Auf dem Fußballplatz kam es tatsächlich zu einem Stillstand: Die Borussen konsterniert, die Bayern wegen des Werdertores in Stuttgart nur noch am Spiel 200 km wesentlich von München und nicht mehr am eigenen interessiert. Jetzt fieberte und bibberte das ganze Stadion dem Schlusspfiff in Stuttgart entgegen. Gut dass man von jenem Parallelmatch keine Bilder sehen konnte / musste. Werder hatte wohl kurz vor Spielende noch einen Pfostenschuss. Wahrscheinlich hätte es in München ein paar Herzinfarkte gegeben. Ich muss gerade an Schalke 2001 denken …  

Hier ein paar Sequenzen, was damals im Stadion los war: https://www.youtube.com/watch?v=7th03ihG4Vc

Hunderte Bayernfans versammelten sich bereits rund um das Spielfeld. Schlusspfiff – keine Ahnung mehr, ob zuerst in Stuttgart oder in München. Auf alle Fälle löste sich im Olympiastadion innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde die gesamte Anspannung – Erleichterung – Riesenjubel – extreme Glücksgefühle! Und die Fans durften damals bei den Meisterfeiern noch das Spielfeld fluten ….

Deutscher Meister 1986 – Rekordmeister (ein Jahr später alleiniger) – danke VfB!!!

Der Bayernkeeper Pfaff präsentiert stolz die Schale

PS: Eine Woche später besiegten die Bayern den VfB im Pokalendspiel in Berlin mit 5:2 – die bayerische Dankbarkeit Richtung Schwabenland kannte ihre Grenzen – es ging schließlich um das zweite Double der Vereinsgeschichte nach 1969  😉   

3 Kommentare zu „Legendäre FCB-Geschichte – mit einem 6:0-Sieg gegen Gladbach zum deutschen Rekordmeister

  1. Danke Peter für diese wunderbare Erinnerung!

    Ach, selige, analoge Fußball-Zeiten der 80er… Ich war damals als 18-Jähriger im Stadion und habe bis zum Schlusspfiff in Stuttgart betend(!) auf den Stufen der Südkurve gekauert. Das war in der Tat eine ganz besondere Meisterschaft – sie bleibt unvergessen!

    Habe die Ehre, Gemeinde!

    1. dem schließe ich mich an!! Mit dem großen Unterschied, dass ich damals NICHT im Stadion war! @eltren du hattest glaube ich sogar ein Ticket für mich, doch ich musste an dem Tag bei meinem eigenen Verein SV Pullach spielen… bzw. nicht-spielen, denn ich saß fast das ganze Spiel auf der Bank 🙈🙈🙈 dass ich dieses legendäre Spiel im Oly verpasst habe, hat mich lange Zeit gezwickt. Zumindest bis „Haching 2001“ 😉

  2. @flobe22,
    das stimmt, wir wollten tatsächlich zusammen hin! Ich hab am Ende halt dann „für zwei gelitten“…😉. Weil es letztendlich ausgegangen ist, war’s dann nur noch halb so tragisch. Und: wir haben – Gott sei Dank – ja noch eine ganze Menge anderer toller Spiele zusammen gesehen (und werden das sicher auch weiterhin tun…).

    Es lebe der Sport, er ist gesund und macht uns hart💪💪💪!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: