Die Medien treiben den FC Bayern vor sich her …

… aber der bleibt nach wie vor passiv!

Kommentar eines ratlosen Petersgradmesser

Zehnte Deutsche Meisterschaft in Serie – einmalig in der Geschichte der europäischen Topligen. Aber niemand beim FC Bayern und in seinem Umfeld scheint sich darüber zu freuen. Scheinbar unzufriedene Spieler verlassen den Verein, die Vereinsbosse bzw. –verantwortlichen stehen in der Dauerkritik der Fans. (Nicht nur) In den (Boulevard-)Medien breitet sich eine Grundregel aus: „Je negativer du über den deutschen Rekordmeister schreibst, umso mehr Leser, Clicks etc. wirst du bekommen!“ Und der Verein selbst? Der taucht in diesem gefährlichen Orkan scheinbar total unter. Bewusst? – man kennt das Szenario. Oder doch mittlerweile Ausdruck einer völligen Hilflosigkeit?

Ganz ehrlich: Als FCB-Fanseite, die dem Verein seit vielen Jahrzehnten sehr nahe steht, fühlt man sich selbst hilflos, ratlos. Man möchte positiv dazu beitragen, dass die eigenen Fans, die Mitglieder, ja die gesamte Fußballwelt den Verein endlich wieder etwas positiver wahrnehmen. Aber wie? Man fühlt sich durch die Passivität des Klubs im Stich gelassen.

Die Medien sticheln, machen sich gar lustig über den FCB – Beispiel fussball.news: „Transfersommer 2022: Wie oft verliert der FC Bayern noch gegen Borussia Dortmund?“ Dabei spielt es schon gar keine Rolle mehr, wie unsinnig diese Headline ist und wie abstrus die Argumente im Beitrag zum Teil sind. Nahezu die gesamte FCB-Gemeinde lässt sich von einem Negativgefühl, welches sich wie ein Virus ausbreitet, anstecken. Die Diskussionen unter den FCB-Fans, speziell in den Social Media, werden härter, unsachlicher – die (Werte-)Verteidiger des eigenen Vereins weniger, schwächer …

Diese Situation um den FCB herum ist wahrlich keine neue, bereits 2015 habe ich, u.a. nach einem längeren Telefonat mit dem damaligen Mediendirektor Markus Hörwick, auf meinem damaligen Blog folgendes veröffentlicht:

Aber: Nie schien der FCB in den letzten Jahren, Jahrzehnten so zerbrechlich wie gerade eben.

PS: Ein nicht unbekannter FCB-Fan hat folgenden Tweet abgesetzt: „Die Verzwergung des FC Bayern setzt sich fort. Es ist ein Jammer…“ Möge er unrecht haben und vieles sehr schnell besser werden! Die ersten robusten Schritte dazu muss aber endlich der Verein selbst gehen … Denn es ist u.a. für FC Bayern Total unmöglich, alles / vieles schönzuschreiben – der Verein selbst muss wieder die Kontrolle übernehmen!


Titelbild: Die immer treuen FCB-Fans – hier beim Pokalfinale 2016 in Berlin.

11 Kommentare zu „Die Medien treiben den FC Bayern vor sich her …

  1. Du hast ja so recht, aber ist da nicht auch der Neid auf den Erfolg, zehnte Meisterschaft in Folge, ich würde sagen da spricht der pure Neid. Der Verein wird sicher alles geben auch noch die elfte Meisterschaft in Folge zu holen.

    1. Lieber Anton, wenn es „nur“ die Medien und Fans von anderen Vereinen wären …

      Aber die meiste Kritik kommt mittlerweile von den eigenen Fans … das ist bitter, traurig … und es sind beileibe nicht nur „Erfolgsfans“ …

  2. „Die Medien sticheln, machen sich gar lustig über den FCB – Beispiel fussball.news: „Transfersommer 2022: Wie oft verliert der FC Bayern noch gegen Borussia Dortmund?“” – Entscheidend ist, was auf dem Platz passiert. Und dort wird der BVB nächstes Jahr deutscher Rekordvizemeister.

    1. Lieber Cătălin,
      wahrscheinlich kannst du dir gar nicht vorstellen, was hier derzeit in Fußball-Deutschland bei den FCB-Fans abgeht … das ist beängstigend. Wie schon im Beitrag selbst geschrieben: Die 10. Deutsche Meisterschaft in Serie ist mittlerweile weniger als eine Randnotiz … und wenn es am nächsten Sonntag bei der Meisterschaftsfeier am Marienplatz dort nur 2, 3 freie Plätze geben wird, geht das Bashing schon wieder los …

  3. Medien kann man beeinflussen ! Leider liegt das Problem des Clubs nicht auf dem Rasen sondern in der Vereinsleitung ! Wer verkörpert eigentlich den Verein nach Außen ? Wer gibt die Richtung vor ? – dort sind die Hausgemachten Probleme ! Klar daß sich Fans Sorgen machen und die Medien dies ausschlachten .

    1. Die Verkörperung der Außendarstellung übernimmt ganz klar Julian Nagelsmann. Der zeigt wiederum immer demonstrativ Geschlossenheit mit Oli Kahn und Brazzo Salihamidzic.

  4. Der FC Bayern hat ein Führungsproblem, die verantwortlichen Personen machen genau das nicht, was ihre originäre Aufgabe wäre: Führungsverantwortung zu übernehmen. Jedenfalls wirkt das so in der Außendarstellung. Die mediale Deutungshoheit haben sie leider längst verloren und erscheinen in der Tat wie Getriebene. Die Medien nutzen dieses Führungsvakuum weidlich aus, schließlich müssen sie keine Konsequenz in Form rhetorischer Watschn à la Uli Hoeness mehr befürchten.

    Nur zu gerne wird der wortgewandte Julian Nagelsmann als Anchorman nach vorne geschoben während sich Hainer, Salihamidzic und Kahn im medialen Schatten dahinter aufhalten.
    Peinlichkeiten, wie die JHV, als der Vorstand schlecht vorbereitet war und eine desaströse Ausstrahlung (ignorant bis arrogant) an den Tag legte, tun ihr Übriges und eröffnen völlig unnötige Nebenkriegsschauplätze.

    Ferner lässt man sich nicht nur von den Medien treiben, sondern auch von Spielern & deren Beratern. Wer auch noch die letzte Million aus dem Verein herausquetschen möchte und dabei von dem unsäglichen Wort „Wertschöpfung“ faselt (was im Übrigen keine Einbahnstraße darstellt) hätte ein konsequentes Vorgehen wie im Falle Michael Ballack verdient mit entsprechender Kommunikation nach außen.

    Stattdessen gibt man auch in den Vertragsverhandlungen das Heft des Handelns aus der Hand und agiert einfach nicht. Robert Lewandowski verriet einer erstaunten Öffentlichkeit, dass noch niemand bezüglich Vertragsverhandlung mit ihm gesprochen hätte, was offenbar der Wahrheit entspricht, denn Brazzo meinte ja auf Nachfrage, man habe alle Zeit der Welt und würde ohnehin im Tagesgeschäft sprechen. Auch hier wirken die handelnden Personen zögerlich, unentschlossen und planlos. Wahrlich keine gute Außendarstellung.

    Weiters ist für mich auch nicht nachvollziehbar, was denn ein Kaderplaner Marco Neppe für Ziele verfolgt. Einen klaren Plan vermag ich bei der offensichtlich vorhandenen Unwucht des Kaders nach wie vor nicht zu erkennen, da helfen auch keine wiederkehrenden Beteuerungen, wie toll der Kader doch aufgestellt sei. Als Fan fühle ich mich dabei wenig mit- & ernstgenommen.

    Fazit: Die Medien tragen sicher ein gehöriges Maß an der derzeitigen Situation bei, allerdings muss sich der Vorstand bzw. die sportliche Leitung hier schon auch dringend und stark selbst hinterfragen, denn Führungsstärke haben sie in meinen Augen bislang nicht bewiesen.

  5. KAHN: Oft heißt es, um den FC Bayern zu führen, gäbe es kein Handbuch. Das kann ich mehr als bestätigen. Wobei ich mitunter das Gefühl habe, dass für die Öffentlichkeit das Wort „führen“ in Bezug auf einen Fußballverein bedeutet, dass man zwingend laut sein muss. Das hat für mich aber nur bedingt was mit Führung zu tun – wenn überhaupt. Ich denke, ich habe ein Gespür dafür, wann ich nach außen hin präsent sein muss und wann nicht. Führung findet für mich vor allem intern statt. Die Leute im Club müssen wissen, was unsere Ziele für die Zukunft sind und wie wir sie umsetzen wollen. In meiner ersten Saison als Vorstandsvorsitzender habe ich jedoch auch gelernt, dass es für die Öffentlichkeit von großer Bedeutung ist, dass die handelnden Personen des FC Bayern in der Außenwahrnehmung präsent sind – und zwar dauerhaft präsent. Weil das Identität stiftet.

    1. Grundsätzlich hat Oli mit einem dezenten, sachlichen Auftreten als Zeichen von Führungskompetenz schon Recht, allerdings nimmt sich er so zurück, dass er öffentlich quasi nicht in Erscheinung tritt. Und das geht als Führungs-person eines Vereins oder besser: einer Organisation wie dem FC Bayern, gar nicht. Ja, Führung findet in erster Linie intern statt, doch selbst das klappt ja nicht. Es dringen viel zu viele Details nach außen. Auch das wurde schon besser gelöst, wobei dies beim FCB nie gänzlich vermeidbar sein wird. Unglücklicherweise zeichnen jene Infos, die den Medien zugespielt werden, überwiegend kein gutes Bild. Und das alles Fake News sein sollen, halte ich für unwahrscheinlich.

      Ich unterstellte, Kahns größtes Problem besteht darin, dass er selbst (noch) keine klare Vorstellung hat, wo die Reise hingehen soll und wie er sich positionieren muss. Den FCB kannte und kennt er hauptsächlich aus seiner Funktion als Teil der Profi-Mannschaft. Seine Vorbereitung auf die Funktionärslaufbahn bestand schwerpunktmäßig in seiner Rolle als TV-Experte, für die er professionell gecoacht wurde und wofür er auch entsprechend inhaltliche Briefings erhielt. Und natürlich im Volontariat bei KHR. Ferner hat er ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert. In Anbetracht der Projektes „FC Bayern Ahead“ entsteht für mich der Eindruck, als würde er seine Führung analog zu einem Wirtschaftsunternehmen aufbauen. Das ist grundsätzlich nicht ungeschickt, jede Führungsfunktion bedarf einer fundierten, sachlichen Basis. Sie allein darauf beschränken zu wollen (und das ist derzeit mein Eindruck) ist jedoch grundfalsch!

      Ich bin selbst im Vorstand eines e.V., der mit 126 Mitgliedern natürlich lächerlich klein im Vergleich zum FCB erscheint. Doch selbst dort gilt: Dialog mit den Mitgliedern, Präsenz zeigen, Entscheidungen vorstellen, erklären und moderieren. Kritische Stimmen gibt es überall, auch in einem kleinen Verein. Aber die Mitglieder muss ich mitnehmen und mich nicht hinter anderen Führungspersonen verstecken oder Pseudo-Workshops abhalten. Im Zuge von „FC Bayern Ahead“ sollten ja u.a. die Werte des FCB, bzw. jene, für die der FCB stehen will, eruiert werden. Sorry, wenn ich dazu einen Workshop benötige, stimmt etwas nicht. Und trotz Workshop läuft dann die JHV derart aus dem Ruder? Da muss ich sagen, hätte man sich die Zeit dafür sparen können.

      Hoffnung macht der Umstand, dass Kahn selbst die Bedeutung der Außenwahrnehmen erkannt hat und er diese mit entsprechender Präsenz auch lenken und gestalten kann. Je eher er diese Rolle annimmt und auch mit Inhalten füllt, umso besser!

      1. Ganz genau, sehr gut geschrieben. Sachlichkeit ist für einen Vorstand sicher nicht verkehrt, zumal es um Millionen geht.
        Allerdings darf diese Sachlichkeit nicht Emotionen und auch Werte des Vereins hinter sich lassen.
        Ein Beispiel: Ich glaube, Oli Kahn und dem Präsidium war im letzten Jahr und ist es wahrscheinlich immer noch nicht bewusst, dass es doch einige Mitglieder gibt, die das Qatar Sponsoring partout ablehnen. Ich zähle dazu. Sollte dieses Thema bis zur JHV im November nicht vom Tisch sein, droht ein ähnliches Szenario wie im letzten Jahr.
        Ein anderes Beispiel: Der Startschuss Workshop “FC Bayern AHEAD” wurde, wie die Amazon Doku des Vereins zeigts, von den Mitgliedern des Vorstands im luxuriösen Umfeld eines Golfhotels in Österreich durchgeführt. Die anschließenden “Mitgliederfragestunden” waren ein Witz, 1,5 Stunden Vorstellung des Projekts und 3 fragen in 5 Minuten zum Schluss (ich war bei einer solchen Veranstaltung dabei). Kritisches kam da gar nicht vor.
        Ich weiß nicht recht, ob mir das so gut gefallen kann😕

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