Zum ersten Mal Europas Fußball-Könige – großartige FCB-Geschichte

Nur zwei Tage nach dem 1:1 n.V. im ersten Endspiel des Europapokals der Landesmeister  – https://fcbayerntotal.com/2022/05/15/legendaerer-katsche-vom-adjutanten-des-kaisers-zum-helden/  –  traten die Bayern am 17. Mai 1974 zum Wiederholungsspiel gegen Atlético Madrid im Heyselstadion in Brüssel an. Es war und blieb das einzige Mal in der nun 67-jährigen Europapokalgeschichte, dass das Königsklassenfinale wiederholt werden musste. In den frühen 1980er Jahren wurde das Elfmeterschießen eingeführt. War das erste Finale – trotz „Katsche-Happy-End“ – aus Bayernsicht noch eine Enttäuschung, übertraf dieses zweite Spiel alle Münchner Erwartungen bei Weitem.

Vor 30.000 Zuschauern – dieses Mal nur wenige aus München selbst, dafür eine beträchtliche Anzahl an Bayernfans aus dem restlichen Deutschland – ließ Udo Lattek dieselbe Elf wie im ersten Endspiel beginnen:

Sepp Maier – Johnny Hansen; Schorsch „Katsche“ Schwarzenbeck; Franz Beckenbauer; Paul Breitner – Franz Roth; Rainer Zobel; Jupp Kapellmann – Conny Torstensson; Uli Hoeneß; Gerd Müller.

Nachdem sich jeder einzelne Spieler in bestechender Form präsentierte, nahm der Bayerntrainer keine Auswechslung vor. Diese legendäre Elf sollte jeder Bayernfan kennen, sie lieferte vielleicht das beste Spiel der Vereinsgeschichte.

Anders als im Spiel zwei Tage zuvor übernahmen die Bayern sofort das Kommando, Gerd Müller hatte in der 17. Minute mit einem Kopfball an den Pfosten noch Pech. Das restliche Spiel war ein einziger Traum für die Bayern und ein Albtraum für die Spanier.

Jedes der vier FCB-Tore an jenem Abend war wie ein Gemälde, alle vier Tore wären würdig gewesen, zum Tor des Monats gewählt zu werden.

28. Minute: Paul Breitner schickt auf der rechten Seite Uli Hoeneß mit einem weiten Pass auf die Reise. Dieser lässt im Sprintduell seinem Gegenspieler Adelardo nicht den Hauch einer Chance und vollendet mit einem Beinschuss für Atléticos Torwart Miguel Reina zum 1:0.

1:0 – Miguel Reina ist zum ersten Mal geschlagen.
Jubelnder Uli Hoeneß

57. Minute: Solo Jupp Kapellmann am linken Flügel: Hart von seinem Gegenspieler attackiert, setzt er sich durch und schlägt auf Höhe der Strafraumlinie eine Flanke zum in halbrechter Position frei-stehenden Gerd Müller. Dieser lässt den Ball von der Brust abtropfen und schmettert den Ball aus sehr spitzem Winkel zum vorentscheidenden 2:0 hoch in die Maschen.

Müllers „Torpedo“ zum 2:0
Das 2:0 aus einer anderen Perspektive

70. Minute: Rainer Zobel schaufelt den Ball aus dem Mittelfeld in den Lauf des sich in zentraler Position befindlichen Bombers. Dieser schließt sofort und – für ihn untypisch – noch vor dem Strafraum mit einer perfekten Bogenlampe über den ihm entgegenkommenden Reina zum 3:0 ab. Ein unglaubliches, perfekt ausgeführtes Tor – die endgültige Entscheidung.

Gerd Müllers Bogenlampe zum 3:0 – schlichtweg genial!

82. Minute: Breitners Fallrückzieher im eigenen Strafraum wird von Müller per Kopf zu Uli Hoeneß verlängert. Dieser startet kurz hinter der Mittellinie ein unwiderstehliches Solo, die spanischen Abwehrspieler werden von ihm wie Slalom(kipp)stangen ausgetanzt. Der deutsche Reporter in der Liveübertragung meinte kurz vor seinem Torabschluss – „und jetzt hauen sie ihn um!“ – Nein, der Uli war für alle zu schnell, zu wendig. Am Ende umdribbelt er auch noch den bemitleidenswerten Reina und zirkelt den Ball ins leere Tor – ein absolutes Traumtor zum 4:0!

Uli Hoeneß auf dem Weg zum 4:0 – das damalige Tor des Monats
Auch Reina ist chancenlos!

Dieses Finale am 17. Mai 1974 war eine einzige Machtdemonstration des FC Bayern. Keines der fünf später gewonnenen Königsklassenendspiele – 1975 – 1976 – 2001 – 2013 – 2020 – konnte damit konkurrieren. Die Fußballwelt verneigte sich vor einem großartigen Champion. Die großartige Fußballgeneration um Beckenbauer, Müller, Maier, Schwarzenbeck, Roth & Co. war auf ihrem absoluten Höhepunkt. Leider sollte sie dieses Level nie wieder erreichen.

Die beiden Doppeltorschützen – die Besten der Besten an einem legendären Abend

Hochverdienter Lohn: Jubelnde Bayern – der Kaiser mit dem Bomber – Gerd Müller mit dem Henkelpott – der sympathische „Anti-Held“ Schwarzenbeck – Beckenbauer mit dem Pokal – die Macher des FCB: Walter Fembeck, Wilhelm Neudecker, Robert Schwan.

Nach einer durchgefeierten Nacht mussten die Bayern am nächsten Tag um 15:30 auf dem Bökelberg antreten – „Höchststrafe“ nennt man so etwas wohl … das Ergebnis haben wir gerade vergessen … 😉
18. Mai 1974: Zurück in München – der Jubel kannte keine Grenzen!

Seit 2018 erinnern auch einige Gemälde im Stadionumlauf der Allianz Arena an jenes großartige Spiel. Ehre, wem Ehre gebührt!

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