3:2 gegen den VfB – Jupps Bayern komplettieren das erste Triple der Vereinsgeschichte

Am 1. Juni 2013, eine Woche nach der unvergleichlichen Wembley-Nacht mit dem fünften „Königsklassen-Triumph“, wollten die Bayern eine perfekte Saison abrunden und mit dem Pokalsieg über den VfB Stuttgart das erste Triple der Vereinsgeschichte holen. Das große Problem vor diesem Pokalendspiel in Berlin war es wohl, nach dem absoluten Saison-Höhepunkt die Konzentration hoch zu halten. Die Mannschaft hätte sicherlich lieber die ganze Woche durchgefeiert als sich auf ein weiteres, wenn auch wichtiges Spiel, vorzubereiten.

Der Tabellen-Zwölfte der abgelaufenen Bundesliga-Saison 2012/13, der VfB Stuttgart, schien dagegen ein für diese Aufgabe und die Konstellation angenehmer Gegner zu sein. Nach dem zweiten Double der FCB-Geschichte im Pokalfinale 1986 gegen den VfB (5:2) nun das erste Triple?

Die FCB-Kurve in Berlin: Mindestens genauso titelhungrig wie das Team

Jupp Heynckes in seinem vermeintlich letzten Spiel auf der Bayernbank – das Scheitern von Ancelotti im Herbst 2017 verschaffte ihm das insgesamt 3. FCB-Comeback – ließ folgende Mannschaft auflaufen:

Manuel Neuer – Philipp Lahm; Daniel van Buyten; Jerome Boateng; David Alaba – Javi Martinez; Bastian Schweinsteiger; Thomas Müller – Franck Ribéry; Arjen Robben; Mario Gomez.

Zwei Veränderungen im Vergleich zum 2:1-CL-Finalsieg gegen den BVB:

Van Buyten für Dante, welcher tatsächlich vom brasilianischen Fußballverband für dieses Pokalendspiel nicht freigestellt wurde und darüber untröstlich schien.

Mario für Mario: Gomez für Mandzukic. Der empathische Heynckes dankte damit Gomez für seine Loyalität während der gesamten Saison und ließ ihn gegen seinen Ex-Verein beginnen. Gomez war von 2009 bis 2012 der Topscorer der Bayern gewesen, er war 2010/11 trotz Schwierigkeiten mit Louis van Gaal Bundesliga-Torschützenkönig mit 28 Toren gewesen. 2011/12 hatte er 26 BL-Tore auf seinem Konto gehabt und seine Treffer in der Champions League waren mitentscheidend gewesen, dass das Finale dahoam überhaupt erreicht worden war. Mit der Verpflichtung von Mandzukic zur Saison 2012/13 war ihm trotzdem ein neuer (Stamm-)Mittelstürmer vor die Nase gesetzt worden. In fast allen wichtigen Saisonspielen war Mandzukic in der Startelf gestanden. Gomez hatte trotzdem nie – zumindest nicht öffentlich vernehmbar – gemurrt. Als fairer Mannschaftssportler hatte er sich untergeordnet und trotzdem in 21 BL-Spielen (meist nur als Einwechselspieler) starke 11 Tore gemacht. Als Mandzukic im Champions League Halbfinal-Hinspiel in München beim legendären 4:0-Sieg über Barcelona gelb-gesperrt gefehlt hatte, war Gomez ein gleichwertiger Ersatz gewesen und hatte das wichtige 2:0 erzielt. Im CL-Finale war er in der Nachspielzeit für Mandzukic gekommen und im Pokalhalbfinale hatte er beim 6:1 über den VfL Wolfsburg nach seiner Einwechslung in der 77. Minute noch drei Tore erzielt. Heynckes hatte allen Grund, ihn mit einem Startelf-Einsatz im Finale zu belohnen und Gomez dankte es ihm auf seine typische Art und Weise: Mit Toren.

Insgesamt merkte man den Bayern an jenem Samstagabend in Berlin an, dass sie in der vorangegangenen Woche wohl nicht so konzentriert trainiert hatten wie in den Wochen und Monaten zuvor. Die erste Halbzeit war zäh, man benötigte einen Elfmeter, um in der 37. Minute durch Thomas Müller trotzdem durchaus verdient in Führung zu gehen.

Als Mario Gomez in der 48. und 61. Minute ein Doppelpack gelang, schien das Spiel eigentlich entschieden, obwohl Manuel Neuer sein nicht hundertprozentig konzentriertes Team schon in dieser Spielphase immer wieder vor einem Gegentreffer bewahrte.

Unter dem tosenden Applaus der Bayernfans wechselte Heynckes Gomez unmittelbar nach seinem zweiten Tor aus, Mandzukic kam für ihn ins Spiel. Und wer erstaunlicherweise noch besser ins Spiel kam, waren die Schwaben, die trotz eines 0:3-Rückstandes nie aufgaben. Den immer unkonzentrierteren Bayern, die den VfB in der Bundesliga zuhause mit 6:1 abgefertigt hatten, merkte man dagegen immer mehr die Feierwoche nach dem CL-Triumph an. Hätte das Spiel ein paar Wochen vorher in der Bundesliga stattgefunden, wäre die Packung für den VfB wohl mindestens genauso hoch wie bei der Schlappe in München ausgefallen.

Der Österreicher Martin Harnik verkürzte in der 72. und 80. Minute auf 2:3. Die Bayern, die sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch daher kamen, rissen sich dann aber noch einmal zusammen, hatten sogar noch Konterchancen zum 4:2 – aber die letzte Konsequenz, Konzentration fehlte. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung bei Mannschaft und Fans riesengroß. Beinahe wäre die Mission Triple auf der Zielgeraden auf eine für die Bayern in jener überragenden Saison untypische Weise noch schief gegangen.

Die große Jubelfeier konnte beginnen und Jupp Jupp Jupp Heynckes stand im Mittelpunkt. Der eigentliche Held des Abends war aber Mario Gomez. In seinem letzten Spiel für den FCB erzielte er noch einmal einen Doppelpack und er verabschiedete sich nach vier Jahren und 75 Toren in 115 BL-Spielen aus München. Er passte nicht in das Spielkonzept des neuen Trainers Pep Guardiola, er – und wohl auch Jupp Heynckes vor dem Pokalendspiel – wusste bzw. erahnte  das an jenem Abend schon.


Titelbild: Übernächtigte aber glückliche Bayern feiern am Sonntagnachmittag das Triple auf dem Marienplatz. Das Wetter spielte leider gar nicht mit – es schüttete den ganzen Tag lang.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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