Beispiel Coco Tolisso – wie mediales FCB-Bashing betrieben wird

Es ist Fußball-Sommerpause (die ominöse Nations League lassen wir außen vor), viele Sportseiten und –blogs suchen händeringend nach Inhalt, um Clicks zu generieren. Und wie bekommt man diese aktuell fast schon geschenkt, weil es einfach so schön (und) einfach ist: Man haut auf Brazzo, Olli & Co drauf. Ob berechtigt oder nicht, macht eigentlich keinen Unterschied, weil es einer Masse an FCB- und auch anderen Fußballfans immer gefallen wird.

Anfang der Woche gab der FC Bayern – nicht völlig überraschend – den Abschied von Corentin Coco Tolisso bekannt. Der Franzose war 2017 für die damalige FCB-Rekordablösesumme von 41,5 Millionen EURO nach München gekommen, zeigte durchaus gleich von Beginn gute Leistungen und wurde ein Jahr später mit Frankreich Fußball-Weltmeister. Danach begann seine fast schon unheimliche Leidenszeit: Von 2018 bis 2022 war er mehr verletzt als einsatzfähig. Seine Gesamtbilanz in München: 118 Einsätze, 21 Tore und 15 Assists in fünf Jahren. Der Mittelfeldspieler hat damit nicht einmal die Hälfte aller möglichen Bayern-Partien seit seiner Ankunft gespielt!

Seit gestern tauchen vermehrt Beiträge und Twittermeldungen wie folgende auf:

Auch Tolisso beschwert sich über die Kommunikation beim FC Bayern!“ oder „Katastrophal, wie beim FC Bayern mittlerweile mit Spielern umgegangen wird. Der Club zerstört auf diese Weise einen Teil seiner DNA.“

Ausgangspunkt war ein Interview von Tolisso mit L`Equipe, bei welchem er sich (angeblich) wie folgt geäußert haben soll (wobei die Übersetzungen vom Französischen ins Deutsche besser als die vom Polnischen funktionieren sollten):

Wir haben mit dem Klub vereinbart, dass ich beim letzten Spiel noch keine Blumen und einen Abschied bekomme wie etwa Niklas Süle, weil die Entscheidung des Vereins noch nicht klar war. Dann habe ich drei Wochen lang nichts mehr gehört. „Ich habe meinen Berater gebeten, die Verantwortlichen anzurufen – und dann stand die Entscheidung plötzlich …“ 

Im Gegensatz zu den Medien zeigte sich der Franzose jedoch gegenüber dem Verein nicht kritisch. „Schlussendlich war es ein guter Abschied. Ich habe mein letztes Spiel für die Bayern vor meiner Familie gespielt. Das ist das Wichtigste“.

Warum sollte er auch. Der FC Bayern bot ihm nämlich offenbar folgendes an:  Sollte der bald 28-Jährige keinen neuen Klub finden, wäre eine Verlängerung möglich gewesen – natürlich zu (nach unten) angepassten Bezügen.

Dies gefiel aber dem Coco gar nicht, denn laut BILD wollte er sein Jahressalär gewaltig aufstocken. Bisher soll Tolisso sechs bis sieben Millionen Euro brutto pro Jahr verdient haben. Er selbst wollte aber mindestens elf! Fast das doppelte Gehalt, obwohl er nicht einmal die Hälfte der Spiele absolvierte. Ganz ehrlich – eine angesichts der Umstände (fast schon) unverschämte Forderung. Deshalb trennen sich nun die Wege.

Der FC Bayern hat sich in dieser Angelegenheit absolut seriös verhalten, auch wenn es den Verantwortlichen sicherlich schwer gefallen sein dürfte, den ehemaligen Rekordtransfer-Spieler ablösefrei ziehen zu lassen. Und eigentlich ist Coco auch ein verdammt sympathischer Typ. Aber was sagt man über die Beziehung zwischen Geld und Charakter?


Titelbild: Mit diesem Beitrag aus seiner Kindheit hat Coco sofort die Herzen der FCB-Fans gewonnen. Würde er doch auch jetzt lieber auf sein Herz als auf den Geldbeutel hören … Dass ein Bayernspieler jemals verhungert wäre, ist nicht bekannt … und wir kennen sogar die Storys vom 2. Weltkrieg und der Zeit kurz danach …

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

3 Kommentare zu „Beispiel Coco Tolisso – wie mediales FCB-Bashing betrieben wird

  1. Es (die Medien?) wird (werden) immer verrückter 😏

    Angeblich soll Coco der L `Equipe gesagt haben:

    „Schauen Sie sich an, wie Bayern Alaba, Gnabry, Boateng und mich behandelt hat und vergleichen Sie das mit ihrem Umgang mit Goretzka, Neuer und Müller. Da stellt man sich irgendwann die Frage: ‚Liegt es an meiner Hautfarbe? Ich denke, das muss ernsthaft hinterfragt werden.“

    Zunächst einmal kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen, dass er es so gesagt und gemeint hat. Wenn tatsächlich, sollte er aktuell bei Lewy und Sané nachfragen – welche Hautfarbe und wer fühlt sich aktuell „mehr wertgeschätzt“? Was würden ihm die FCB-Legenden Élber und Sergio dazu sagen?

    https://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_92293596/corentin-tolisso-unterstellt-fc-bayern-muenchen-rassismus.html?fbclid=IwAR1jGVRTtuJp4XfWJf2pwsIX4ROrIjwEarvBC0eEmF96z5-_eKdTGd_v4gk

    1. Wie nicht anders zu erwarten das Dementi von T-Online:

      „Berichtigung: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, Tolisso habe dem FC Bayern systematische Diskriminierung vorgeworfen. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Ein von einem Parodie-Portal verbreitetes Zitat wurde fälschlicherweise dem Interview aus der „L’Equipe“ zugeordnet. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.“

      Bittere journalistische Tätigkeit – aber wie viele Clicks T-Online (und ein paar andere) wohl dafür bekommen haben? Grauenvoll!!!!

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