1967 – mit einem 4:0 über  Uwe Seeler & den HSV zum Rekordpokalsieger

…  und später zum ersten Mal Mannschaft des Jahres in Deutschland

Am 10. Juni 1967 trafen die Bayern – zehn Tage nach dem Europapokal-Triumph gegen die Glasgow Rangers – im Stuttgarter Neckarstadion im Pokalfinale vor 69000 Zuschauern auf den Hamburger SV, der mit seiner Vereinslegende Uwe Seeler auflief. Beide hatten keine gute Bundesligasaison gespielt – der HSV sogar zusammen mit Schalke 04 und Werder Bremen gegen den Abstieg. Auch der FCB war eigentlich nie im Meisterschaftskampf involviert gewesen, nach dem 8. Spieltag sogar Tabellen-16., wäre aber dennoch Meister geworden, wenn er die letzten sechs Spiele gewonnen hätte. In den Pokalwettbewerben lief es jedoch viel besser: Europapokalsieger der Pokalsieger und nun stand man nach einem souveränen 3:1-Halbfinalsieg gegen den Giesinger Lokalrivalen im DFB-Pokal-Finale.

Der FC Bayern ging natürlich als Favorit ins Endspiel und wurde dieser Rolle über die 90 Minuten absolut gerecht, auch wenn der HSV überraschend mutig und offensiv begann. Die Vorentscheidung fiel bereits mit dem 1:0 von Gerd Müller nach Vorarbeit von Franz „Bulle“ Roth in der 23. Minute. Dies war übrigens der erste Treffer des Bombers in einem großen Finale, viele – im WM-Finale, im EM-Finale, in Landesmeistercup-Endspielen und im Pokalfinale – sollten noch folgen.

Anschließend gerieten die Bayern – auch der langen anstrengenden Saison geschuldet – zwar etwas in den Verwaltungsmodus, die Hamburger blieben aber weitestgehend ungefährlich, so sehr sich ihr Idol „Uns Uwe“ auch bemühte. In alten Spielberichten ist zu lesen, dass der sympathische Uwe allein auf weiter Flur stand, zudem wurde er vom FCB-Kapitän Werner Olk bestens bewacht.

So plätscherte das Spiel lange Zeit dahin. Dazu der Kommentar des Bundestrainers Helmut Schön: „Die Bayern sind technisch besser, kein Zweifel. Aber sie gehen das schleppende Tempo des HSV mit. Gefährlich sind sie nur dann, wenn sie schnell spielen ..“

Genau das taten sie dann auch in den letzten 20 Spielminuten.

In der 72. Minute das 2:0 durch Rainer Ohlhauser nach einem schönen Diagonalpass von Dieter Brenninger.

Nur vier Minuten später ein Kopfball-Torpedo von Müller zum 3:0 – die Flanke kam wiederum von Brenninger.

Und wenige Minuten vor Spielende verwandelte der „Mucki“ selbst einen Foulelfmeter zum 4:0. Damit war er an drei von vier Toren maßgeblich beteiligt und präsentierte sich ein Jahr nach seinen beiden Finaltoren gegen den Meidericher SV abermals als DFB-Pokal-Finalspezialist.

Der Widerstand der Hanseaten war längst gebrochen. Bei etwas größerer Konzentration in der Schlussphase hätte es zu einem Debakel für Uwe & Co kommen können.

Uwe Seeler selbst hätte in der Schlussminute fast noch den Ehrentreffer erzielt. Dazu ist in der 75-Jahres-Chronik des FCB zu lesen: „Das Ehrentor, das weniger die Mannschaft als vielmehr ihr vorbildlicher Kapitän verdient hatte, verhinderte Maier, als er in der 89. Minute nach einem gefährlichen Schuss den Ball im Rückwärtsfallen über die Latte boxte. „Gar nix geht bei mir“, schmunzelte der Sepp – und Uwe staunte …“

Herrlich entspannte Fußballzeiten! 😉

Fehlerfreier Sepp – der Franz staunt 🙂
„Uns Uwe“ und die Hamburger klatschen dem verdienten Sieger Beifall. Seeler – ein großes Idol und beispielhaft in seiner Fairness.

Die Pokalsieger:

Oben von links nach rechts: Franz Beckenbauer; Franz Roth; Manager Robert Schwan; Gerd Müller; Dieter Brenninger; Rudi Nafziger; Schorsch Schwarzenbeck; Hans Novak (ohne Einsatz); Peter Kupferschmidt.

Unten: Präsident Wilhelm Neudecker; Tschik Caijkowski; Sepp Maier; Werner Olk; Rainer Ohlhauser; Dieter Koulmann – für viele damals der überragende Spieler des Endspiels.

Ehrenrunde: vorne Kupferschmidt, Koulmann mit dem Pokal, Ohlhauser und Roth

Deutschlands Mannschaft des Jahres

Am Jahresende wurden die Bayern zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte zur Mannschaft des Jahres gewählt. Eine riesige Ehre. Sportlerin des Jahres wurde übrigens die Diskuswurf-Legende Liesel Westermann (mehrfache Weltrekordlerin; erste Frau über 60 Meter) und bei den Männern siegte der Zehnkampf-Weltrekordler Kurt Bendlin.

Dem FC Bayern wurde diese Ehre erst wieder im Jahr 2001 beim ersten Champions League Sieg nach 25 Jahren zuteil. Die legendäre 1970er Mannschaft mit dem Titel-Hattrick (1974-76) im Europapokal der Landesmeister hatte man völlig vergessen – der Europapokalsieg war offensichtlich zur Gewohnheit geworden! (1974 wurden sieben Bayernspieler – die Weltmeister mit Deutschland  – dennoch als Mannschaft des Jahres geehrt).

Bislang wurde der FCB insgesamt viermal als  Mannschaft des Jahres geehrt: 1967 – 2001 – 2013 -2020. Bei anderen deutschen Fußballmannschaften (BVB, Kaiserslautern) schienen die Hürden geringer zu sein ….

Pokalmannschaft des Jahres: Zwei Pokalsiege in einem Jahr – Europapokal und DFB-Pokal – gelangen den Bayern erst wieder in den Triple-Jahren 2013 und 2020. In den Jahren 1974, 1975, 1976, 1996 und 2001 war spätestens im Halbfinale des DFB-Pokals Schluss.

Rekordpokalsieger

Mit dem dritten Pokalsieg nach 1957 und 1966 zog man mit dem 1. FC Nürnberg (1935; 1939; 1962) als Rekordpokalsieger gleich. Seit 1969 sind die Bayern alleiniger Rekordpokalsieger.

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