Heute vor 50 Jahren – überragende legendäre FC Bayern Premiere im Olympiastadion

Der 34. Spieltag der Saison 1971/72 am 28. Juni 1972 war aus mehreren Gründen legendär: Die Partie FC Bayern – Schalke 04 ist bis heute das einzige direkte Endspiel der Bundesliga-Geschichte, in welchem der Tabellenführer und der Tabellen-Zweite aufeinander trafen und beide noch Deutscher Meister werden konnten. Zudem war es das erste Pflichtspiel der Bayern im fünf Wochen zuvor eingeweihten Münchner Olympiastadion und die Bayern beendeten die Saison mit einem bis heute nicht gebrochenen Bundesliga-Torrekord.

Präsident Neudecker kämpft um die Stadionpremiere im Olympiastadion

Eigentlich sollten die Bayern erst ab der folgenden BL-Saison 1972/73 nach den Olympischen Sommer Spielen vom 27. August bis 11. September 1972 im neuen Olympiastadion spielen. Die Bayern benötigten aber ganz dringend Geld, um die Mannschaft finanzieren zu können. Der damalige Präsident Wilhelm Neudecker kämpfte um den vorzeitigen Einzug in das 80.000 Zuschauer fassende Stadion. Letztendlich genehmigte die Stadt München dieses Vorhaben – die Konstellation im Meisterschaftsrennen war sicherlich auch hilfreich – und die Bayern konnten sich erstmals in ihrer Vereinsgeschichte über eine Millionen-Einnahme freuen. Von der Brutto-Rekord-Einnahme von 1,2 Millionen blieben zwischen 600.000 und 700.000 Mark.

Das Meisterschaftsfinale gegen Schalke 04

Nachdem die Bayern nach der Hinrunde noch drei Punkte (Zwei-Punkte-Regelung) hinter den Gelsenkirchnern gelegen waren, überholten sie diese in einer überragenden Rückrunde. Vor dem letzten Spieltag lagen sie mit einem Punkt Vorsprung und dem wesentlich besseren Torverhältnis, welches aber aufgrund der Konstellation keine Rolle spielte, an der Tabellenspitze. Somit war klar, dass ein Unentschieden zur Meisterschaft reichen würde.

Nur zehn Tage zuvor waren sechs Bayern, aber mit Erwin Kremers nur ein Schalker Europameister geworden.    https://fcbayerntotal.com/2022/06/18/deutschlands-jahrhundertelf-mit-sechs-bayernspielern-erstmals-europameister/

Auch diese Konstellation beinhaltete vor dem Finale jede Menge Zündstoff. Der Hintergrund war jedoch keine Böswilligkeit von Bundestrainer Helmut Schön, sondern vielmehr der sich bereits abzeichnende Bundesliga-Bestechungsskandal. Das Spiel S04 – Bielefeld aus der Saison 1970/71 stand unter Manipulationsverdacht. Nach dem Ungarn-Länderspiel Ende März 1972 wurden Klaus Fichtel und Stan Libuda nicht mehr eingeladen, und die Debüts von Norbert Nigbur und Rolf Rüssmann verschoben. Die Schalker drohten den Europameistern vor dem Spiel, dass dies ihren Ehrgeiz weiter anstacheln würde.

Von Beginn an dominante Bayern

Jedoch waren die Bayern die Mannschaft, die vor den knapp 80.000 Zuschauern im restlos ausverkauften Olympiastadion von Spielbeginn an den Ton angaben. Die Schalker, die mit der besten Bundesliga-Abwehr anreisten (vor dem Spiel lediglich 30 Gegentore, die Bayern mit 37), igelten sich mit allen Feldspielern im eigenen Strafraum ein. Dazu in Parade der Meister: „… Mit zehn Feldspielern im eigenen Starfraum bildeten sie einen Wall gegen die Wellen, die da – hochgepeitscht von Franz Beckenbauer- auf sie zubrandeten…“

Diese Taktik – war sie die richtige? S04 musste doch für die Meisterschaft gewinnen! – ging nur bis zur 31. Minute auf. Dann köpfte der dänische Rechtsverteidiger des FCB, Johnny Hansen, nach einer Ecke zum viel umjubelten 1:0 ein.

Udo Lattek bejubelt das 1:0

Nicht Gerd Müller, der bereits vor dem Spiel mit 40 Bundesligatoren einen sagenhaften Rekord aufgestellt hatte (der bis 2020/21 – Lewandowski – 41 Tore – halten sollte), war der erste FCB-Torschütze im Olympiastadion, es war ein Verteidiger …

Der Bomber in jenem Finale in anderer Funktion: Er band zwei Verteidiger, so konnten seine Mitspieler treffen.

Die Bayern blieben fortan weiter am Drücker und es war wieder ein (Offensiv-)Verteidiger, der in der 40. Minute zur hochverdiente 2:0-Halbzeitführung traf: Paul Breitner, nach glänzendem Doppelpass mit dem Bomber.

Auch in den zehn Minuten nach der Halbzeit blieben die Bayern hoch überlegen. In der 75-Jahres-Chronik steht darüber: „… zehn Minuten, in denen es so aussah, als würden die Schalker jetzt sogar lächerlich gemacht …“ Dann die kalte Dusche: Klaus Fischer traf in der 55. Minute nach einer Ecke per Abstauber zum 1:2 aus Schalker Sicht.

Fischer staubt zum 1:2 ab – Beckenbauer, Maier und Schwarzenbeck machtlos.

 Mussten sich die Bayern plötzlich wieder Sorgen um die Meisterschaft machen? Nein – keineswegs. Wenig später startete Beckenbauer ein Solo, sein fulminanter Abschluss landete am Pfosten. Klare Fouls an Müller und Uli Hoeneß führten nicht zu Elfmetern. Nigbur parierte  einige Male prächtig. Aber in der 69. Minute fiel dann die endgültige Spiel- und Meisterschaftsentscheidung. Müller schickte Willi Hoffmann steil, der verwandelte zum 3:1. Zu allem Unglück aus Schalker Sicht verletzte sich ihr Torwart Nigbur auch noch und musste durch Pabst ersetzt werden.

Schalkes Ersatzkeeper konnte zwar noch weitere Treffer durch Gerd Müller verhindern und hatte bei einem Schuss von Franz Krauthausen ans Außennetz Glück, gegen Hoeneß 4:1 in der 79. Minute im Nachschuss war aber auch er machtlos – die 100-Tore-Marke wurde damit zum ersten Mal in der Bundesligageschichte geknackt.

Den Schlusspunkt setzte der Kaiser in der 89. Minute per Freistoß. Dieser Treffer zum 5:1 markierte den 101. Bundesliga-Treffer der Bayern in der Saison 1971/72 – bis heute Rekord.

Die Fans sangen schon lange den Klassiker „So ein Tag, so wunderschön wie heute …“

Die Bayern spielten an jenem lauen Sommerabend überragenden Offensivfußball. „Schalke wurde in sämtliche Bestandteile zerlegt!“ (75-Jahres-Chronik).

Es war eine grandiose Bayern-Premiere im Olympiastadion – Rekordkulisse, Rekordeinnahmen, zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister mit der damaligen Rekordpunktzahl von 55:13 und dem Rekordtorverhältnis von 101:38.

Der Beginn einer glorreichen Zeit … 33 Jahre Olympiastadion mit vielen vielen Titeln …

Titelbild:

Oben von links nach rechts; Franz Beckenbauer; Willi Hoffmann; Uli Hoeneß; Udo Lattek; Schorsch Schwarzenbeck; Gerd Müller; Franz Krauthausen; Franz Roth.

Unten: Rainer Zobel; Johnny Hansen; Sepp Maier; Paul Breitner.

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