Medien-Bashing gegen den Ex-Verein? Was ist nur mit den ehemaligen FCB-Spielern los?

Kommentar von Petersgradmesser

Die Medien lieben es, die Bayernfans hassen es: Eine Vielzahl an ehemaligen Bayernspielern kritisiert ihren Ex-Verein aus den unterschiedlichsten Gründen scharf bzw. äußert sich zum Teil extrem herablassend über ihn. Was mit Thomas Helmer 2011 im Doppelpass – zunächst als Experte, dann als Moderator – begann, setzte sich in den Folgejahren in nahezu inflationärer Form fort und scheint 2022 einen traurigen Höhepunkt gefunden zu haben. Neuester Fall: Michael Rummenigge.

In den letzten Jahren schossen Thomas Helmer (im DoPa), aber auch Stefan Effenberg, Lothar Matthäus, Mario Basler, selbst Markus Babbel immer wieder einmal ein paar Giftpfeile in Richtung ihres ehemaligen Klubs ab, bei welchem die meisten große sportliche Erfolge gefeiert hatten. Für die Medien erfolgsträchtig, für die Nicht-FCB-Fans lustig, für die Bayernfans ärgerlich. Aber alles erfolgte sporadisch, nicht regelmäßig. Bis zur nachfolgenden Giftspritze vergaß man die letzte meist schon.

Dieses Szenario hat sich jedoch in jüngerer Vergangenheit geändert. Didi Hamann, überraschenderweise aber auch Sandro Wagner, der bis vor kurzem bei vielen FCB-Fans weniger wegen seiner fußballerischen Leistung, sondern mehr wegen seiner coolen Art – no Sandro, no Party! – eine Art Kultstatus inne hatte, kritisieren in kurzen regelmäßigen Abständen den Verein. Das Niveau ist dabei häufig leider nur als lachhaft zu bezeichnen.

Und jetzt fängt plötzlich auch noch der jüngere Bruder Michael der FCB-Legende Kalle Rummenigge an, in seiner Kolumne beim Sportbuzzer die Transferpolitik des FC Bayern zu kritisieren. Zur kleine Erinnerung: Michael Rummenigge wechselte nach seiner durchaus erfolgreichen Zeit beim FCB (1981 – 88; 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiege, 1 Europapokal-Endspiel) zur damals mittelmäßigen Borussia nach Dortmund und steht dieser seitdem wesentlich näher als der großen Liebe seines großen Bruders in München. Noch heute als 58-Jähriger ist er Mitglied der BVB-Traditionsmannschaft.

Neu ist jedoch, dass er sich derart forsch über seinen früheren Verein äußert:

Was wurden Hasan Salihamidzic & Co. zuletzt für ihre bisherigen Transfers des Sommers gelobt. Ganz ehrlich: Ich kann in diesen Jubelchor nicht einstimmenBei aller Wertschätzung für Sadio Mané und Matthijs de Ligt – beide sind für mich keine Weltklasse-Spieler. Natürlich wird Mané der Bundesliga guttun und seine Tore machen, aber auf absolutem Top-Niveau sehe ich ihn mit seinen 30 Jahren nicht. Wäre es anders, hätte Jürgen Klopp ganz sicher mehr darum gekämpft, den Stürmer beim FC Liverpool zu halten.

Sieht man einmal davon ab, dass sich Herr Rummenigge offensichtlich seit Jahren weder die Champions noch die Premier League ansieht (um festzustellen, dass Afrikas Fußballer des Jahres absolute Weltklasse darstellt), hat er es ebenfalls verpasst, wie sich Klopp äußerst bedauernd zum Abgang von Mané geäußert hat – „absolute Klublegende, einer der besten Spieler der Klubgeschichte“. Leider ist nicht bekannt, wie Rummenigge 2020 den Abgang von Thiago von München nach Liverpool kommentiert hatte.

Noch härter ins Gericht geht Rummenigge mit dem zweiten Star-Einkauf der Bayern: „Noch viel skeptischer bin ich bei de Ligt. Klar, er ist erst 22 Jahre alt. Aber die drei Spielzeiten zuletzt bei Juventus Turin waren für ihn verlorene Zeit. Wirklich weiterentwickeln konnte er sich nach seinem furiosen Karrierestart bei Ajax Amsterdam nicht. Ihn jetzt zum Abwehrchef der Bayern zu erklären, halte ich für sehr gewagt. Da hätte man auch Niklas Süle behalten können.

Es wurde zuletzt viel Sinnvolles über die nicht sehr glückliche Zeit von de Ligt in Turin geschrieben, die Zeilen von M. Rummenigge gehören gewiss nicht dazu. Auch den Seitenhieb zu Süle hätte sich der BVBler sparen können – ein sichtbar übergewichtiger Süle fällt mit muskulären Problemen für den Bundesligastart des BVB aus.

Zum Ende wird es dann fast schon ein bisschen komisch, denn es gibt sogar Lob für einen FCB-Neuzugang: „Im Schatten von de Ligt und Mané könnte sich Noussair Mazraoui zum echten Königstransfer der Münchner entwickeln. Er erinnert mich ein wenig an den früheren Dortmunder Achraf Hakimi, der nun bei Paris St. Germain spielt. Mazraoui wird den Bayern auf der rechten defensiven Außenbahn mächtig helfen.“

Hätte Rummenigge nicht wieder einen völlig unnötigen Vergleich mit dem BVB bzw. einem Ex-BVB-Spieler gebracht, hätte man vielleicht lediglich erstaunt aufgehorcht und sich in dieser Sicht positiv vom ablösefreien Ajax-Neuzugang überraschen lassen. Für den kleinen Rummenigge scheint aber tatsächlich der BVB der Maßstab für den FCB zu sein – dass die Realität eine ganz andere ist, ist ihm im offensichtlichen Echte Liebe Wahn nicht bewusst.

Die Motivation von Micha(el) Rummenigge, (negativ) über den FCB zu schreiben, mag wohl eine andere als die der anderen genannten FCB-Spieler sein, von welchen keine große neue Fußballliebe bekannt ist – das Resultat ist aber wieder dasselbe: Schreibe ich abfällig, negativ über den deutschen Rekordmeister, sind mir hohe Quoten und viele Klicks gewiss!

PS: Micha Rummenigge hatte zu seiner Anfangszeit in München als Teenager dieselbe Stammdisco wie ich – da war er mir noch sympathischer 😉

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