Eigenartige TV- und Fan-Debatten nach der katastrophalen Schiedsrichterleistung beim Heimspiel gegen Gladbach

Kommentar von Petersgradmesser

Es bleibt auch zwei Tage nach dem aus Bayernsicht bitteren 1:1 im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach schwierig, sachlich über die katastrophale Schiedsrichterleistung des Herrn Schlager zu diskutieren. Julian Nagelsmann kritisierte diesen bereits kurz nach dem Spiel, aber auch später auf der PK scharf für seine einseitige Spielleitung. Die Bayernfans auf den Rängen tobten angesichts der zahlreichen SR-Entscheidungen gegen ihren Club und die Südkurve würdigte den Referee mit minutenlangen Schmähgesängen – das ist seit vielen Jahren nicht mehr in München passiert und eher untypisch. Eigentlich gab es zur schwachen SR-Leistung selbst keine unterschiedlichen Meinungen, nicht einmal das fanatische Gladbacher Fanlager widersprach, trotzdem wurden zahlreiche eigenartige Debatten geführt.

Die üblichen „Verdächtigen“ kritisieren Nagelsmann

Wer könnte dies medial sein? Natürlich Stefan „Effe“ Effenberg (mittlerweile vom Cheffe früherer Fußballglanzjahre beim FCB meilenweit entfernt) beim DoPa und selbstverständlich musste Didi Hamann (jetzt hätte ich doch beinahe in aller Anerkennung seiner Verdienste „das Hamännchen“ geschrieben) gleichziehen. Nagelsmann wird von den beiden vorgeworfen, nicht souverän mit der SR-Leistung umgegangen zu sein. Gerade bei Effe ist das aufgrund seiner eigenen Spieler-Vergangenheit doch sehr verwunderlich.

Was hatte der Bayerncoach nach dem Spiel gesagt?

„Ja, ich habe mich geärgert, weil wir sehr gut gespielt haben. Und ich habe mich auch geärgert, weil der Schiedsrichter einfach jede, jede kleine Situation, die man 50:50 entscheiden kann, für Gladbach entschieden hat. Aber jede einzelne.“

 „Und dann mit seinen gelben Karten, alle für uns. Die liegen 25 Mal am Boden und nehmen nur Zeit von der Uhr. Auf einmal hat jeder in der 50. Minute schon Krämpfe gehabt von denen. Da weiß ich nicht. Es gibt 50:50-Entscheidungen, die muss man auch mal 50:50 für beide treffen. Leroy Sané hat, glaube ich, 28 Fouls von Kramer gekriegt – aber keinen Freistoß. Die Stimmung im Stadion war gut, da hat der Schiedsrichter auch seinen Beitrag dazu geleistet …“

Dabei erwähnte Julian nicht einmal die aberwitzige VAR-Entscheidung, welche Bayern nach einer halben Stunde Manés 1:0 geraubt hatte. Bei Müllers Flanke sollte Sané, der nicht ins Spiel eingriff, im Abseits gewesen sein. War er tatsächlich, aber im nicht strafbaren passiven… Hätte der Treffer – zurecht – gezählt, hätte das Spiel eine andere Wendung genommen. Gladbach wäre noch chancenloser gewesen.

Wenn Herr Effenberg und das Hamännchen (jetzt habe ich es tatsächlich getan 😉 ) den FCB-Trainer deswegen kritisieren, dann sei ihnen versichert, dass dieser zu 100% die Meinung der überwältigenden Mehrheit der FCB-Fans, vor allem der wütenden im Stadion, ausgedrückt hat. Für diese Offenheit, Ehrlichkeit und auch Authentizität feiern ihn die Fans. Für die genannten TV-Experten haben die FCB-Fans dagegen nur noch ein Kopfschütteln übrig, ein häufig verärgertes, manchmal aber auch ein mitleidiges.

Das Resultat hatte verschiedene Gründe, aber …

In den Fanforen werden häufig die wahren Gründe aufgeführt, warum Bayern nicht haushoch – dem Spielverlauf entsprechend – gewonnen hat.

Die überragende Leistung des VfL-Keepers Yann Sommer, welcher einen neuen Bundesligarekord aufgestellt hat, auf der anderen Seite natürlich der Chancenwucher der Bayern – und natürlich auch der Lapsus von Dayot Upamecano, welcher ansonsten eine klasse Leistung gezeigt hat, beim 0:1 …

All diese Argumente werden zurecht aufgeführt. Nur was haben diese mit der einseitigen arroganten bis unverschämten Spielleitung des Daniel Schlager zu tun?

Dies hieße nämlich im Umkehrschluss: Ist eine Mannschaft die klar bessere, hochüberlegen, darf / soll ich sie als SR verpfeifen, weil sie sowieso gewinnt. Was für ein riesiger Blödsinn!

Außerdem: Wer selbst aktiv Fußball, Mannschaftssport im allgemeinen, betrieben hat, weiß ganz genau, wie sehr eine SR-Leistung die eigene Performance beeinflussen kann. Vom untalentiertesten Amateur bis zum Weltklasse-Profi, alle sind Menschen mit Gefühlen, Emotionen. Bin ich genervt von einer SR-Performance, kann sich das direkt negativ auf meine Konzentration und damit meine Leistung auswirken. Durchaus möglich, wenn aber natürlich trotzdem hypothetisch: Wären die Bayernspieler nicht so genervt von Schlager gewesen, hätten sie vielleicht auch mehr Coolness im Torabschluss bewiesen …

3 Kommentare zu „Eigenartige TV- und Fan-Debatten nach der katastrophalen Schiedsrichterleistung beim Heimspiel gegen Gladbach

  1. IMHO schneidet sich die Liga ins eigene Fleisch. Noch nicht einmal der eingefleischteste Bayernhasser kann übersehen, dass sich Herr Schlager, wie auch seine Kollegen im Kölner Keller, am Samstag mal wieder „auf einer Mission befanden“.

    Wer will solche Spiele noch sehen? Will man Langeweile dadurch beseitigen, dass man Ergebnisse hinbiegt? Offenbar ..

    Ich muss allerdings auch sagen, dass der Ärger der Bayernanhänger über den Schiedsrichter vielleicht auch viel mit Ärger über die eigene Mannschaft zusammenhängt. Bayern hat das leider nicht smart gespielt. Was helfen 25 Schüsse von „Mitte Strafraumkante“ (jedenfalls nachdem der Ball quergelegt wurde)? Das war alles noch irgendwie haltbar, so dass Sommer „warmgeschossen“ wurde.

    Ich schätze Nagelsmann, weil er konsequent Tempo spielen lässt. Im Fußball ist es leider Fakt, dass 10 vergleichsweise unterlegene Kicker die 10 stürmenden Spieler des Gegners neutralisieren können, wenn sie den Strafraum dicht machen. Bayern hätte die Mittel – Mane und Musiala – aber das wurde am Samstag nicht konsequent umgesetzt. Auf 25 Fernschüsse und 25 Halbfeldflanken kann ich gut verzichten, wenn statt dessen versucht wird, in den Strafraum zu kommen und dort für Unordnung zu sorgen. Auch wenn das vielleicht nur fünf bis zehnmal klappt.

    Und das Gegentor … ich gehöre übrigens zu der kleinen Minderheit, die das nicht am vermeintlichen Alleinschuldigen Upamecanu festmacht. Bayern hätte die Spieler, die einen wie Thuram noch abfangen könnten (Phonzy zum Beispiel). Warum hat Hernandez die Absicherung übernommen?

    Spielt Real Madrid auch so? Mit Fernschüssen und Halbfeldflanken? Ich meine nein.

    1. So ganz richtig hast du wohl nicht hingeschaut? 😉

      Es gibt unterschiedliche Torschussbilanzen vom Spiel. Die Medien berichteten von 35 Torschüssen, mir liegt eine Bilanz von 33:5 vor – 20 davon auf das Borussentor, was eigentlich eine überragende Quote ist – und 22 innerhalb(!) des Strafraums, lediglich 11 außerhalb. Zudem gab es die Halbfeldflanken erst ganz zum Schluss, als de Ligt extra dafür eingewechselt wurde …

      PS: Nicht nur wegen der Sympathien schaue ich dem FC Bayern derzeit viel lieber als Real Madrid zu. Technisch um ein Vielfaches „schöner“ …

      2.PS: Ich habe extra versucht, den Ärger über den SR von dem über die eigenen „versemmelten“ Torchancen zu trennen. Es gibt auch viel Ärger bei (souverän) gewonnenen Spielen. Nur fällt dieser eben nach dem Spiel unter den Tisch. Nun MUSSTE er einfach raus … und Herr Schlager hat auch einen ziemlich einmaligen Spitzenwert erreicht.

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