Die Bayern „belohnen“ sich zum zweiten Mal in Folge nicht – keineswegs ein Grund für Panik

Ein Kommentar

1:1 in Berlin beim punktgleichen Tabellen-Zweiten Union – ein Grund zur Freude? Als FC Bayern sicherlich nicht! Ein Grund, um aufgrund des Verlusts der Tabellenführung sofort wieder (fast) alles in Frage zu stellen und schlecht zu reden? Noch viel weniger! Überlegene Bayern haben nun zum zweiten Mal in Folge in der Bundesliga gegen den direkten Verfolger Punkte liegen gelassen – die Einschätzung von FC Bayern Total:

Zu viel Euphorie?

Vielleicht war es ja auch zu viel Euphorie nach dem Bundesliga-Rekordstart mit drei Siegen und sensationellen 15:1 Toren – darunter der 6:1-Auftaktsieg beim amtierenden Europa League Sieger Eintracht Frankfurt, welcher übrigens seitdem kein BL-Spiel mehr verloren hat und gestern RB Leipzig mit 4:0 nach Hause geschickt hat. Die Mahner der Anfangseuphorie sehen sich nun bestätigt – aber warum darf man sich nicht spontan über überzeugende Leistungen und überragende Siege freuen? Wer den Fußball ein bisschen kennt, weiß doch sowieso, dass in solchen Fällen meist das nächste Spiel das schwierigste ist. Ein top motivierter und bestens vorbereiteter Gegner, auch die eigene mentale Situation (mit vielen Facetten) …

Ein Blick in die Bundesliga-Geschichte

Wer die Bundesliga schon ein bisschen länger verfolgt, der kennt die folgende Grundregel: Spiele ich beim direkten Konkurrenten, beim Top-Spiel auswärts unentschieden, ist das ein Erfolg!“ Das galt jahrzehntelang – ein Sieg beim direkten Konkurrenten war dagegen sehr lange die Ausnahme und wurde fast schon wie eine Meisterschaft gefeiert. Die unfassbare Erfolgsserie der Bayern der letzten 10 Jahre hat diese Regel vergessen lassen. In der letzten Saison, die dann am Schluss sogar noch kritisiert wurde, gewannen die Bayern übrigens alle Spitzenspiele auswärts – darunter waren 5:1-, 4:0-, 5:2- und 4:1-Siege! Nicht gut für die Erwartungshaltungen …

Warum schon wieder „nur“ Unentschieden?

Nach dem ganz bitteren unglücklichen und letztendlich für Borussia Mönchengladbach unverdienten Unentschieden vor einer Woche in München

spielte gestern auch Union Berlin zuhause äußerst defensiv, geradezu destruktiv. Man ging als punktgleicher Tabellenzweiter mit drei Siegen und einem Unentschieden und 11:3 Toren in die Partie, hatte das letzte Spiel auswärts mit 6:1 gewonnen und beendet dann das Spiel mit gerade einmal 25% Ballbesitz – nochmal: ZUHAUSE!

Das mag taktisch lobenswert sein, vor allem wenn man am Ende ein Unentschieden gegen den großen FC Bayern erzielt hat, aber ein Spitzenspiel war es deswegen wie schon gegen Gladbach nicht. Dafür müssen beide Teams unbedingt gewinnen wollen und die Tabellenführung holen oder verteidigen wollen.

Wie schon gegen Borussia vor einer Woche entwickelte sich die Partie erneut äußerst unglücklich für Bayern: Berlin ging mit der ersten Torchance in Führung – nach einer zuvor gravierenden (Freistoß-)Fehlentscheidung durch den Unparteiischen.

Die Leistung von Frank Willenborg war gestern sicherlich nicht so einseitig Spiel-beeinflussend wie von Daniel Schlager vor einer Woche. Trotzdem fragt man sich auch gestern nach dem Spiel, wie es sein kann, dass Union 19 Fouls begangen hat, Bayern ganze sieben (wovon das eine vor dem 1:1 nachweislich keines war), Bayernspieler aber zwei gelbe Karten gezeigt bekommen haben, dagegen Union-Spieler (Rani Khedira ganz spät in der Partie) nur eine. Übrigens ein Muster bei BL-Spielen der Bayern, welches schon seit vielen Jahren, Jahrzehnten zu beobachten ist.

Anders als gegen Gladbach glich gestern Bayern durch Joshua Kimmich fast postwendend aus. Leider stand es aber nicht 1:0 für Bayern, sondern nur 1:1. Folglich parkte der Tabellen-Zweite in seinem Heimspiel gegen die Bayern den Bus vor dem eigenen Tor, sprich wendete die in solchen Fällen übl(ich)e 5-4-1-Formation an.

Bitter zudem wenn dann erneut der gegnerische Torwart – wie zuvor Sommer und der Viktoria-Keeper Voll – einen Glanztag erwischt. Dieses Mal Frederik Rönnow – die Bälle von Sané kurz vor der Halbzeit und von Mané kurz vor Spielende hält der dänische Torwart sicherlich auch nicht immer. Gerade bei der Fußabwehr gegen Leroy gehörte auch eine größere Portion Glück dazu.

Der aktuelle bayerische Chancenwucher ist in solchen Spielen sicherlich auch nicht hilfreich: Gegen Gladbach 35:5 Schüsse, gestern immerhin 21:7, davon 6:2 aufs Tor.

Ein Blick auf die internationale und nationale Konkurrenz

Liverpool – 0:0 im Merseyside Derby bei Everton – und Manchester City – 1:1 bei Aston Villa – taten sich bei aktuellen PL-Kellerkindern genauso schwer wie die Bayern.

Klopps Truppe, CL-Finalist der Vorsaison, liegt nach sechs Spieltagen mit 9 Punkten weit hinter der Tabellenspitze. Peps Citizens haben – trotz der 10 Tore von Haaland – wie Bayern auch schon zwei Unentschieden auf dem Konto und gewinnt Arsenal heute bei ManUnited, ziehen die Londoner um vier Punkte davon.

Real Madrid gewann gestern das Spitzenspiel in LaLiga gegen Betis Sevilla zuhause mit 2:1. Dabei spielten die Andalusier aber durchaus mit und hatten mit 50,5% sogar etwas mehr Ballbesitz.

Der FC Barcelona gewann beim FC Sevilla, welcher heute sogar auf den vorletzten Platz in Spanien abrutschen könnte (1 Unentschieden, 3 Niederlagen) mit 3:0. Dabei war das Spielglück auf Barcas Seite: Sevilla hatte die ersten beiden Topchancen, dann gehen die Katalanen mit ihrer ersten Chance – per Konter! – in Führung.

Bundesliga: Neben dem Überraschungstabellenführer Freiburg hat auch der BVB die Bayern überholt – u.a. mit drei 1:0-Siegen. Und was ist eigentlich mit den von einigen Fußballexperten vor der Saison zu den Meisterschaftsmitfavoriten erklärten Leipzigern und Leverkusenern?

Apropos schwache Bundesliga: Wenn man sieht, wie kinderleicht es den Herren Haaland (10 Tore in 6 PL-Spielen) und Lewandowski (5 in 4 Spielen in LaLiga) beim Torschießen gemacht wird, dann sollte man das Märchen vom mangelnden Niveau der deutschen Eliteliga bleiben lassen.

Fazit

Gegen kein Team in Europa wird im Spitzenfußball so tief (konsequent destruktiv) verteidigt wie gegen die Bayern. Keine BL-Mannschaft spielt gegen den BVB wie gegen den FCB!

Geht der FC Bayern jedoch früh in Führung und muss der Gegner dann selbst aufmachen, um Punkte zu gewinnen, dann passieren schnell Ergebnisse wie an den ersten Spieltagen. Wenn nicht, kann es auch einmal wie gegen Gladbach und Union ausgehen. Dies bedeutet aber keineswegs, dass Bayerns Taktik entschlüsselt wurde oder dass Bayern wirklich schwach war (selbst wenn man nicht den allerbesten Tag wie gestern hatte).

FC Bayern Total bleibt entspannt und optimistisch, was den weiteren Saisonverlauf betrifft. Schon die nächsten Gegner in der Bundesliga und vor allem in der Champions League werden nicht so destruktiv auftreten und die Bayern werden – ergebnistechnisch – wieder in die Erfolgsspur zurück finden!


Titelbild: Volle Arena – auf eine Saison mit grandiosen Leistungen unserer Jungs und mit vielen Spielen mit überragender Stimmung bei den FC Bayern Fans 🙂

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

4 Kommentare zu „Die Bayern „belohnen“ sich zum zweiten Mal in Folge nicht – keineswegs ein Grund für Panik

  1. Nach fünf Spieltage hatten wir in der vergangenen Saison einen Sieg, drei erzielte Tore und zwei Punkte mehr als in dieser Saison. Deshalb habe ich vorhin gesagt, dass die Statistik mit dem besten Start nach zwei, drei oder x Spiele für mich irrelevant ist.
    Aber grundsätzlich hast du recht: es gibt keinen Grund zur Panik. Dafür ist es einfach noch zu früh 🙂

    1. Ja, am 5. Spieltag 2021/22 haben die Bayern auch einen 7:0-Sieg (zuhause) gegen Bochum eingefahren.
      2022/23 – 11 Punkte und 17:3 Tore – 2021/22 – 13 Punkte und 20:4 Tore. Trotzdem haben mir die Bayern in dieser Saison (viel) besser gefallen. Mit ein bisschen mehr „Fortune“ wären es jetzt 15 Punkte und 24:3 Tore ….
      Ich erfreue mich aber an jeder Bestleistung und jedem Rekord – deswegen die „Rekordmeldungen“.
      PS: Zu deiner Beruhigung: die 2 Unentschieden haben weitere derartiger Beiträge torpediert …
      2.PS: Der Thomas Müller muss für seine 633 Pflichtspiele (REKORD 😉 ) noch gewürdigt werden …

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