Die Bayern bei Inter – hält eine einmalige Europapokalserie beim Duell zweier Topclubs?

In dieser Woche startet die Europapokal-Gruppenphase, die Bayern spielen am Mittwochabend im San Siro (Giuseppe Meazza) Stadion beim italienisches Vize-Meister Inter Mailand – der sechsfache beim dreifachen Champions League Sieger, der zweifache beim einfachen Triple-Sieger. Die Spielhistorie ist mit bisher sieben Europapokal-Begegnungen nicht gewaltig, reicht aber für einen erstaunlichen Rekord.

In den bisherigen sieben Partien, die Champions League Final-Niederlage der Bayern gegen Inter 2010 in Madrid (0:2) ist dabei natürlich etwas außen vor, gab es keinen einzigen Heimsieg – die Bayern gewannen alle drei Auswärtsspiele, Inter zwei in München bei einem Unentschieden. Es ist nicht bekannt, dass es in der Europapokalgeschichte eine andere ähnliche Serie zwischen zwei derartigen Hochkarätern gibt.

Das Wunder von Mailand 1988

Begonnen hat diese spezielle Serie im Achtelfinale des UEFA-Cups 1988/89, welches wiederum eine ganz spezielle Vorgeschichte gehabt hatte: Im Sommer 1988 wechselten Lothar Matthäus und Andreas Brehme von München nach Mailand. Das Europapokalduell bekam damit eine pikante Note.

Nach dem 2:0-Sieg der Norditaliener am 23. November 1988 im nass-kalten Münchner Olympiastadion schien das Duell bereits im ersten Spiel entschieden worden zu sein. Im Rückspiel zwei Wochen später gab es jedoch eine große Überraschung, noch heute als das Wunder von Mailand bekannt. Innerhalb von acht Spielminuten (33. bis 41. Minute) brachten Roland Wohlfarth, Klaus Augenthaler und Jürgen Wegmann die Bayern mit 3:0 in Führung. Inter erzielte durch Serena den Abschlusstreffer noch vor der Halbzeit. Das 3:1 hatte dann aber – dank zahlreicher Paraden von Raimond Aumann – bis zum Schlusspfiff Gültigkeit.

(Das Titelbild – ein Duell zwischen Lothar Matthäus und Armin Eck – stammt aus diesem Match)

Im Halbfinale scheiterte Bayern dann an Maradonas Napoli. National gab es für beide Mannschaften am Saisonende mit der Meisterschaft ein Happy End.

Gruppenphase CL 2006

In der Gruppenphase 2006/07 kam es zum ersten Aufeinandertreffen in der Champions League. Mit hohem Prestige-Faktor. Italien war im Sommer in Deutschland Weltmeister geworden, Inter war amtierender italienischer Meister, trat mit zahlreichen Weltmeistern (u.a. Marco Materazzi), aber auch mit internationalen Superstars wie Luis Figo und Zlatan Ibrahimovic an.

Das Hinspiel im San Siro am 27. September 2006 gewannen aber die Bayern dank später Tore von Claudio Pizarro und Lukas Podolski mit 2:0. In der hektischen Schlussphase sah Ibrahimovic Gelb-Rot und Weltmeister Fabio Grosso Rot.

Vor dem Rückspiel in München am 5. Dezember waren bereits beide Mannschaften für das CL-Achtelfinale qualifiziert. Den Bayern genügte bereits ein Unentschieden, um als Gruppenerster weiterzukommen. Letztendlich kam es auch genauso. Die Bayern gingen nach gut einer Stunde durch Roy Makaay mit 1:0 in Führung, waren insgesamt die bessere Mannschaft und mussten dann doch noch in der Nachspielzeit den Ausgleich durch Pattrick Vieira kassieren. Unnötig. Insgesamt unwichtig – die Serie ohne Heimsieg ging somit weiter.

Die schieden im CL-Viertelfinale gegen Inters Lokalrivalen Milan aus (2:2; 0:2) – wieder kein Heimsieg …

CL-Finale 2010 in Madrid

Ohne den gesperrten Franck Ribéry und ohne Effizienz im Abschluss verloren die Bayern das Endspiel im Santiago Bernabéu am 22. Mai 2010 mit 0:2. Inter Mailand gewann damit auch das einzige Triple seiner Vereinsgeschichte, die Bayern verpassten ihres knapp – und sollten es 2013 und 2020 besser machen.

Bitteres Achtelfinal-Aus 2011

Nur wenige Monate später sollten die Bayern ihre Chance auf eine Revanche bekommen. Als Sieger ihre CL-Vorrunden-Gruppe, in welcher sie u.a. die Roma hinter sich ließen, trafen sie im CL-Achtelfinale auf den Titelverteidiger und gewannen das Hinspiel in Mailand mit 1:0. Mario Gomez Tor in der 90. Minute schien der Schlüssel für ein Vorrücken ins Viertelfinale zu sein.

Drei Wochen später, am 15. März 2011, kam die erste Ernüchterung bereits in der 3. Spielminute. Samuel Eto´o brachte Inter aus klarer Abseitsposition in Führung. Die wütenden Bayern spielten Inter anschließend in Halbzeit 1 an die Wand. Es hätte zum Pausentee 4:1, 5:1 oder gar 6:1 stehen können, wenn nicht müssen. Mario Gomez und Thomas Müller bescherten den Fans, die ob der grandiosen Leistung bei gleichzeitigem Chancenwucher hin- und hergerissen waren, zumindest eine 2:1-Führung.

Auch in der zweiten Halbzeit waren die Bayern die bessere Mannschaft, wenn auch nicht mehr so turmhoch überlegen. Aber es kam, wie es in solchen Spielen kommen musste: Inter erzielte die Tore, Pandev den 3:2-Siegtreffer in der 88. Minute.

Dieses Ausscheiden zählte wohl zu den bittersten unverdientesten der FCB-Europapokal-Geschichte. Etwas gemildert (oder sogar verschlimmert? Eine Sache der Perspektive) wurde es durch den 5:2-Kanter-Sieg von Schalke 04 im Viertelfinale in Mailand wenige Wochen später. S04 war dann im Halbfinale gegen ManUnited chancenlos und dieses wiederum im Finale gegen Guardiolas Barca …

Das Spiel am Mittwoch

Auch wenn einige Medien und Fans unnötigerweise nach den beiden BL-Unentschieden die Alarmglocken in München schrillen hören: Nie war der FCB in diesem Duell mehr Favorit als zu Beginn der Saison 2022/23.

FC Bayern Total hofft und tippt auf eine Fortsetzung des Heimfluchs in diesem internationalen Duell: 3:1 für den FCB am Mittwoch …

PS: Im Rückspiel in München findet dann aber diese Serie hoffentlich ihr Ende 😉

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