Albernes Bayern-Bashing – schämen Sie sich, Herr Mislintat!

Ein Kommentar

Nach dem 2:2 in München echauffierte sich der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat mit einer nahezu hetzerischen Wortwahl über das Verhältnis der Bayern mit den Bundesliga-Schiedsrichtern: „Alle haben mit der (Bayern-)Lobby zu kämpfen!“ Das tat er zuerst in der Aufgeregtheit nach dem Spiel, aber auch einen Tag später suchte man vergeblich Besonnenheit in seiner Wortwahl – im Gegenteil. Damit brachte er natürlich die jahrzehntelange Diskussion um den sog. „Bayern-Bonus“ wieder in Schwung. Wer seit Jahrzehnten Bayernspiele sieht, der weiß, dass diese Bonus-Geschichte sehr albern ist. Eher das Gegenteil ist der Fall und so eine absurde Aussage gerade in dieser Saison zu tätigen, in welcher viele Bayernfans von einer „Schiedsrichter-Verschwörung“ zu Ungunsten der Bayern, um die Spannung in der Liga aufrechtzuerhalten, sprechen, ist schon eine harte Nummer.

Was war geschehen: Der VfB Stuttgart durfte am Samstagnachmittag in der 52. Minute nur kurz jubeln, da Serhou Guirassys Tor zum 1:1 aufgrund eines zugegebenermaßen diskutablen Foulspiels von Chris Führich an Joshua Kimmich aberkannt wurde. Mislintat sprach deshalb von einer „Bayern-Lobby„, gegen die es „schwer anzukommen“ sei „in so einem Stadion, mit der Atmosphäre und dem Druck.“

Harter Tobak, zumindest schon einmal erstaunlich, dass er die Atmosphäre in der Münchner Arena lobt. Tatsächlich ist das Münchner Publikum im Gegensatz zu vielen anderen Stadien jedoch nicht unbedingt dafür bekannt, großen Druck auf die Schiedsrichter auszuüben. Als Bayernfan muss man fast sagen „leider“ …

Tatsache ist aber auch, dass sich Joshua Kimmich in der Szene zwar äußerst ungeschickt verhalten hat, es aber dennoch eindeutig einen Zupfer von hinten gegeben hat, der ihn zum Fallen gebracht / veranlasst hat. Ohne diese – wenn auch geringe –Regelwidrigkeit wäre kein Stuttgarter an den Ball gekommen. Das sollte sogar Herrn Mislintat klar sein.

Die Schwaben hatten am Samstag so etwas wie Schaum vor dem Mund. Auf der PK nach dem Spiel meinte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sogar, dass auch die zweite ähnliche Situation für ihn kein Foul war. Diese Sichtweise hat er dann wohl – wenn nicht im Schwabenland aber – in Rest-Fußball-Deutschland exklusiv. Ahamada räumte den abermalig schläfrigen Kimmich rustikal von hinten ab und anschließend protestierend den Schiedsrichter von hinten an. Es sind schon Spieler für weniger des Feldes verwiesen worden.

Nicht erwähnt hat Mislintat die Elfmeterentscheidung per VAR pro VfB in der Nachspielzeit. In solchen Situationen gab es in der Vergangenheit meist andere SR-Entscheidungen.

Im DoPa erachtete FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic Mislintats Wortwahl als unangemessen und betonte, dass es ihn überrasche, „dass dieser Bayern-Bonus angemerkt wird. Den gibt es nicht, schon gar nicht in dieser Saison.“

Zu 100,0000 % korrekt, Brazzo!

Dagegen legte Mislintat unverbesserlich in einem Interview gestern noch einmal nach:

Wenn du gegen Bayern München spielst, kämpfst du gegen die Lobby, die sie sich erarbeitet haben. Das ist nicht einfach für Schiedsrichter, ich kann das schon auch nachvollziehen, da wird viel Druck aufgebaut. Es ist aber auch so, dass alle damit zu kämpfen haben. Gerade die Teams, die gegen sie spielen und die, die in Konkurrenz um Titel mit ihnen spielen, würden sich wünschen, dass es nicht so ist.“

Unfassbar. Eine Unverschämtheit, wirklich. Und zwar gegenüber dem DFB, der DFL, den Schiedsrichtern und natürlich vor allem dem FC Bayern. Solche Äußerungen geben natürlich wieder sehr viel Nährstoff, zumal ja die TV-Berichterstattungen häufig nicht viel anders ablaufen. Kommt man aus dem Stadion, um sich zuhause in der Sportschau die Zusammenfassung des Bayernspiels noch einmal anzuschauen, ist man nicht selten rat- bis fassungslos, weil die Zusammenfassungen häufig wenig mit den (zum Teil umstrittenen) Ereignissen in der Arena zu tun haben. Während gewisse Spielszenen offensichtlich bewusst ganz herausgeschnitten werden, werden andere in einem Maße aufgebauscht, dass man selbst schon den Eindruck bekommt, den Fußballsachverstand verloren zu haben. Wenn Aluminiumkracher der gegnerischen Mannschaft in der Zusammenfassung öfter wiederholt werden als z.B. ein Weltklassetor von Musiala, ist dies zudem zumindest auffällig …

Zurück zu Herrn Mislintat: Er war von 2006 bis 2017 in Diensten vom (fast hätte ich geschrieben Mimimi-) BVB. So etwas könnte prägen. Eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für seine wenig sachlichen Worte vom Wochenende. Man kann nur hoffen, dass es in den nächsten Wochen medial wenige Beiträge gibt, die auf seinen Aussagen fußen.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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