Der Triple-Triumph der MANNSCHAFT!

Die nahezu unglaubliche Siegesserie der Bayern, welche vor drei Tagen – vorerst – im Champions League Sieg gipfelte, ist sicherlich auch auf den überragenden Kader (danke Brazzo! 😉 ) mit Weltklassespielern wie Robert Lewandowski und Manuel Neuer zurückzuführen, aber vor allem wohl das Resultat einer überragenden Mannschaftsleistung.

DIE MANNSCHAFT – nicht zwangsläufig ein Erfolgskonzept

Als im Jahr 2015 beim DFB, dem Verband des damals aktuellen Fußballweltmeisters nach dem Vorbild von u.a. Spanien (La Selección) oder Brasilien (Seleção) „DIE MANNSCHAFT“ als (Werbe-)Slogan für das deutsche Team eingeführt wurde, war dies sicherlich gut gemeint. Spätestens nach dem frühen Ausscheiden bei der WM 2018 in Russland wurde der Slogan jedoch von großen Teilen der Fußballfans kritisiert. Es wurde nicht mehr gesehen, dass eine Mannschaft zurecht den Kern eines Verbandes bzw. eines Vereins bildet, sondern man sah darin nur noch den „Slogan“ einer immer mehr auswuchernden Kommerzialisierung der deutschen Nationalmannschaft. Zumindest nach außen hin erschien diese damals, nicht zuletzt wegen der „Özil / Gündogan / Erdogan-Affäre“, keineswegs als Einheit. DIE MANNSCHAFT, eine verschworene Einheit, wurde schlichtweg nicht (mehr) gelebt.

 Die Bayern – DIE MANNSCHAFT 2020

Ganz anders traten die aktuellen Triple-Sieger, speziell auffallend beim finalen CL-Turnier in Lissabon, auf. Schon zwischen Halbfinale und Finale gab es ein Interview mit Thomas Müller, welches wie eine Liebeserklärung an seine aktuelle Mannschaft klang. Hatte man schon 2013 das Gefühl gehabt, dass – vielleicht auch wegen des verlorenen „Finales dahoam“ 2012 – ein verschworenes Team unter der Regie des Übervaters (im positiven Sinne) Jupp Heynckes als Basis für den damals noch einmaligen Triumph in der Vereinsgeschichte verantwortlich gewesen war, so war dies bei den „2020er Superbayern“ noch offensichtlicher.

Im Interview direkt nach dem gewonnenen CL-Finale erklärte Thomas Müller das Rezept für den „sensationellen Lauf“, nachdem man noch „im Herbst von weit unten“ starten musste: „Wir streiten uns darum, wer den Fehler des anderen wieder gut macht.“ Er bestätigte damit die Beobachtung des Triplesiegers von 2013, Mario Gomez.

Eine bessere Basis kann es nicht für den Erfolg geben – und wenn ein Team sowieso schon derart herausragend besetzt ist, springt am Ende einer Saison schon einmal die Champions League und auch das Triple heraus.

Müllers Liebeserklärung an sein Team wurde von Joshua Kimmich bestätigt, wenn nicht sogar noch getoppt – „… mit Brüdern so einen Titel gewinnt…“

Hierzu der entsprechende ZDF-Beitrag:

https://www.zdf.de/sport/uefa-champions-league/stimmen-fussball-champions-league-finale-bayern-paris-st-germain-100.html

Die Einmaligkeit des Finalturniers 2020

Das Format des Turniers in Lissabon, welches mit dem Viertelfinal startete, könnte man sich durchaus auch als Zukunftsversion (vielleicht im 2-Jahres-Rhythmus abwechselnd mit dem alten Format mit Hin- und Rückspiel) vorstellen. Niemand möchte jedoch in Zukunft weiterhin solch großartige Turniere in leeren Stadien sehen – das ist jedoch ein anderes Thema.

Bei den Bayern hatte man aber auf alle Fälle im Jahr 2020 das Gefühl, dass sie aus jeder Pause stärker zurückkamen: Sie starteten schon sehr gut in die Rückrunde und die meisten fanden es sehr schade, dass die Corona-Pause zumindest zunächst einmal den Spiel-Rhythmus stoppte (obwohl sich Robert Lewandowski am 25. Februar beim 3:0 bei Chelsea verletzte und mindestens einen Monat ausfiel; zudem wusste man einige Zeit nicht, wann und ob es überhaupt weitergehen kann). Der Re-Start nach über zwei Monaten Corona-Pause gelang noch besser und endete mit einem souveränen Double: alle neun Liga-Spiele wurden, meist auch noch sehr souverän, gewonnen, ebenso Pokal-Halbfinale und Finale.

Nach dem am 4. Juli gewonnenen Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen (4:2) dauerte es noch einmal fünf Wochen, bis das nächste Pflichtspiel, das Rückspiel gegen Chelsea, gespielt wurde. Noch einmal ein kurzer Urlaub, kurzzeitig Cybertraining etc. – höchste Disziplin und Solidarität waren angesagt und bestens umgesetzt, während es bei anderen deutschen Spitzenmannschaften in jener Phase Negativschlagzeilen um Disziplinlosigkeiten gab.

Spätestens ab dem 4:1 gegen Chelsea war der FCB einer der absoluten Turnierfavoriten und während der Tage in Portugal – zunächst Trainingslager an der Algarve, dann Lissabon – hatte man das Gefühl, dass das sowieso schon homogene Mannschaftsgefüge noch mehr zusammen wuchs. Die Jungs hatten spür- und sichtbar Spaß miteinander: die Stammspieler, die bereits mehr oder weniger als Abgänge feststehenden (Leih-)Spieler, aber auch die zahlreichen Nachwuchsspieler, für die dieses Turnier wohl eine unglaubliche Erfahrung darstellen musste. Eine derartige Stimmung ist gut für den Zusammenhalt – „jeder für jeden“, alle fühlen sich integriert, alle ziehen an einem Strang. Das ist hervorragend für die Motivation, nicht zuletzt aber auch für das Niveau der Trainingseinheiten in großen Gruppen. U.a. können auf diese Weise Spielsituation eins zu eins (sprich elf gegen elf) simuliert werden – besser geht es nicht.

Hansi Flick – Vater der MANNSCHAFT

Im Herbst, zu Niko Kovac Zeiten, schien dieser Zusammenhalt bei Weitem nicht so gut zu sein. Viele Spieler waren unzufrieden. Ohne jetzt zu spekulieren, was der Ex-Coach falsch gemacht haben könnte, als er „die Kabine verlor“: Hansi Flick schien ab seiner Übernahme am 4. November 2019 als Cheftrainer in dieser Hinsicht und in vielen anderen auch alles richtig gemacht zu haben. Er hatte – ähnlich seinem Vorvorgänger Jupp Heynckes – offensichtlich sehr schnell die gesamte Mannschaft auf seiner Seite.

Gratulation an DIE MANNSCHAFT und „ihren Vater Hansi“ zu dieser überragenden sportlichen wie offensichtlich auch menschlichen Leistung. Als Bayernfan könnte man da vor Stolz fast platzen 😉


Unvergessen: Zu diesem Zeitpunkt noch Co-Trainer unter Kovac tröstet Flick den „untröstlichen“ Javi Martinez vor dem Spiel gegen Hoffenheim am 5. Oktober 2019: Die Bayern kassierten nur drei Tage nach dem gefeierten 7:2 bei Tottenham völlig uninspiriert eine unnötige 1:2-Niederlage. Javi saß dabei 90 Minuten auf der Bank.


Update: HP FC Bayern … wie zur Bestätigung:

https://fcbayern.com/de/news/2020/08/champions-league-2020/sechs-campus-talente-beim-cl-finale?shortURL=Talente_CL


Update 29. August 2020

Nicht nur auf dem Platz ein eingeschworener Haufen.

Leon Goretzka, Joshua Kimmich, David Alaba, Serge Gnabry, Alphonso Davies and Bright Akwo Arrey-Mbi verbringen ihren Urlaub gemeinsam.

Überragend!! Wann gab es so etwas schon einmal in einer FCB-Mannschaft?

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

16 Kommentare zu „Der Triple-Triumph der MANNSCHAFT!

  1. Als langjähriger Bayernfan hat man manchmal so ein Gefühl – dieses „heuer könnte es endlich klapppen Gefühl“. Ich hatte es 2001, ich hatte es 2013. Beide Male nach vorangegangenen Katastrophenendspielen. Beide Male war den damaligen Mannschaften eine enorme Entschlossenheit anzumerken. Ganz ähnlich war es dieses Jahr .. die Kantersiege kamen nicht von ungefähr, und Spieler wie z.B. Gnabry strotzten einfach vor Zuversicht.’Vielleicht ist der Grund für diesen Teamgeist ja, dass man jahrelang (mit einer Ausnahme, Atletico), gegen den späteren Champion ausgeschieden ist.

    Ich würde sagen, neben dem Teamgeist, neben der Verschworenen Brüderschaft, gibt es noch einen zweiten Punkt, der für den Erfolg verantwortlich war. Enorme Qualität im Sturm . Lewandowski wird als Weltfußballer gehandelt, und einige andere sind derart gut in Form dass man sich als Fan die Augen reibt (der erwähnte Gnabry, aber dann im Finale Coman und zuvor Perisic)..

    Ich würde sagen, die Gefährlichkeit im Sturm zu erhalten sollte die Hauptaufgabe für die kommenden Jahre sein.

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    1. Es gibt hier in Kürze noch mehrere Beiträge, die sich mit den Gründen des Erfolgs beschäftigen. Die individuelle Klasse der Offensive um Lewy wird sicherlich noch gewürdigt 😉

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  2. Sehr schön zusammengefasst- ich finde, man hat diese Verschworenheit besonders in den letzten Minuten des CL Finales sehr schön gesehen. Egal ob Pavard, Odriozola oder Hernandez – alle Bayernspieler haben die 11 auf dem Platz angefeuert und dem Schlusspfiff entgegengefiebert

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    1. Ja, es war in der Tat außergewöhnlich (vlt. auch ein bisschen mehr zu hören und zu sehen als sonst, weil das Stadion leer war), wie die Auswechselspieler mitgegangen sind … übrigens ein weiterer interessanter Aspekt der Corona-Zeit: Man hat viel mehr von der Mannschaft mitbekommen. Aktuelle / Ex-Kicker sollten ein „aha, nicht so viel anders als bei uns“ gefühlt haben, „Nicht-Kicker“ einige neue völlig unbekannte Aspekte … wenn man aufnahmebereit ist / war 😉

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  3. Muss mal ein wenig Essig in den Wein gießen – unser „großer Vorsitzender“ (nein, nicht Beckenbauer, nicht Hoeness, sondern Rummenigge), hat mal vor Jahren was sehr richtiges gesagt: „Der Champions League begegnen wir mit Demut“. Dieses Jahr war null Demut, dieses Jahr haben wir es allen gezeigt. 2014 waren wir nicht demütig, da hatten wir den besten Trainer der Welt und haben erwartet, dass das, was 2013 war, jetzt so weitergeht (war nicht der Fall, 0:4 in München, schlimmste CL-Heimniederlage aller Zeiten). Nächste Saison wollen uns wieder alle ans Leder – bleiben wir demütig (ich glaube, sogar Real Madrid war 2017 und 2018 ein klein wenig demütig – sonst hätten sie dieses „Triple“ nicht geschafft – und dieses eigentliche Triple sollte unser Ziel sein ..).

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    1. Zur Niederlage 2014 gegen RM zwei Beiträge:

      https://petersgradmesser.wordpress.com/2014/05/06/die-mentale-krise-des-fc-bayern/ (dieser war tatsächlich der Startschuss eines uns allen bekannten Fußball-Blogs 😉 )

      https://petersgradmesser.wordpress.com/2014/05/06/mentales-ubertrainingssymptom-eine-mogliche-ursache-fur-leistungsabfall-bei-hochleistungsprofis-im-fusball/

      Und papperlapp 😉 – RM ist nie demütig, die haben nur häufig die „besseren Schiedsrichter“ 😉 😉

      Was die Zukunft betrifft: Schaun ma mal, bleiben wir dezent und sympathisch optimistisch. Hansi Flick hat schon den Abgang von sehr wichtigen Spielern beklagt, Thomas Müller dagegen betont, dass die Gier immer ein Wegbegleiter dieses Teams sein wird.

      Die kommenden Saison wird aber auf alle Fälle brutal(st). Ein sehr großer Kader ist Grundvoraussetzung für den Erfolg!

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  4. Sehr gute Beiträge, die jetzt, Jahre später, nochmal interessanter zu lesen sind. Die kannst Du in den kommenden Wochen gerne nochmal verarbeiten.

    Vergleicht man 2012 und 2013, so hat eine Mannschaft, die im ersten Jahr im Halbfinale noch beide Male gewonnen und sieben mal getroffen hat, zweimal verloren und gar kein Tor mehr erzielt. Ich sehe da schon eine Mitschuld im damaligen „Dominanzsystem“, das, wie sich zeigen sollte, in drei CL-Halbfinals auswärts an seine Grenzen gestoßen ist (1:0 für Real, 3:0 für Barca, 1:0 für Atletico). Aber sehr wahrscheinlich war auch eine mentale Überforderung zu spüren. Wofür übrigens komischer Weise gerade die WM spricht, die diese Spieler ein paar Wochen später mit gewonnen haben – denn bei dieser WM war der damalige Halbfinalgegner mental am Ende. So schnell kann’s gehen, und wenn man in einem Spiel mental am Ende ist, muss man nicht jedes Mal gleich 4:0 verlieren, aber eben die eine oder andere wichtige Partie.

    Was mich komischer Weise besonders optimistisch macht ist Flicks Alter (äääh, „Seniorität“). Er wird, wie wir alle auch, schon als Zehnjähriger Bundesliga geschaut und auch Bayerns drei Landesmeistertitel mitbekommen haben. Oder die Titelverteidigungen anderer großer Teams, wie Liverpool, Milan etc. gesehen haben. Das erste Jahr souverän gewinnen (4:0 gegen Atletico ..), die Folgejahre mit Erfahrung und dem Gefühl spielen, alles ja schon mal gewonnen zu haben.

    Hoffentlich nimmt Flick jetzt komplett den Fuß vom Gas, schickt seine Spieler mal in den Urlaub oder wenigstens ins Wochenende, lässt gerne mal bis Weihnachten die Mönchengladbachs und Hertha BSCs dieser Liga um Platz eins (mit)kämpfen und dreht dann in 2021 wieder voll auf.

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    1. In den Jahren nach dem Triple 2013 war die Mannschaft oft in der Rückrunde ausgebrannt. Etwas, wofür man Pep meiner Meinung nach verantwortlich machen muss!! Er hat es versäumt, Teilen der Mannschaft in weniger wichtigen Phasen der Saison auch mal Ruhepausen zu gönnen. Mental war es in den entscheidenden Spielen am Ende der Saison immer ein „Fahren auf der letzten Rille“.

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    2. Das Ausscheiden in allen 3 CL HF (2014-2016) unter Pep hatte IMHO immer eine andere Ursache:
      2014 s.o.
      2015 Verletzungen Robbery + Alaba
      2016 völlig unnötig, weil man das Rückspiel nach dem Spielverlauf mit 4-6 Toren gewinnen MUSS.

      Für mich übrigens eine Parallele: FCB Triple-Sieger 2013 und dann nachfolgend unter Pep bis Ende / März 2014 eine unfassbare Dominanz UND Liverpool: 2019 CL-Sieger und 2019/20 unglaublich dominant in England. Ich habe schon früh (Anfang 2020) prophezeit, dass das genau deswegen nichts mit der CL-Titelverteidigung wird. Wenn der LFC nicht schon im März gegen Atleti ausgeschieden wäre, hätte er IMHO aber auch in Lissabon keine Chance gehabt. … 2021 ist ManCity (vor Chelsea) wieder Meister … meine Prognose …

      „Hoffentlich nimmt Flick jetzt komplett den Fuß vom Gas…“
      => Diesen Fehler hat Pep 2014 nach der frühesten Meisterschaft aller Zeiten begangen. Besser ist / wäre es, immer wieder zu dosieren … Dieses Feingefühl traue ich übrigens Flick von allen bisherigen FCB-Trainern am meisten zu. 🙂

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  5. Heutiges Update:

    Nicht nur auf dem Platz ein eingeschworener Haufen.

    Leon Goretzka, Joshua Kimmich, David Alaba, Serge Gnabry, Alphonso Davies and Bright Akwo Arrey-Mbi verbringen ihren Urlaub gemeinsam!

    Überragend!!

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    1. die beste Anti-Corona-Maßnahme .. 😉 … Arrey-Mbi hat sich genau die richtigen Kumpels rausgesucht. Auf den Jungen wird man zu achten haben. ..

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      1. Er ist einer von mehreren, die man in den nächsten Jahren hoffentlich im Profi-Stamm-Kader des FC Bayern finden wird.

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